Liebe Trader, die Aktienindizes durchlaufen übergeordnet eine Korrektur. In den USA zieht die FED ab September rund 95 Mrd. USD pro Monat durch das Quantitative Tightening ab. Zugleich dürften die EZB und FED auf ihren Sitzungen die Zinsen um 75 Basispu

08.09.2022 um 14:45 Uhr

Liebe Leser,

geopolitische Spannungen zwischen dem Westen und der Russischen Föderation furten zum Beginn des Jahres zu einer globalen Energiekrise, wobei globale Wirtschaftsbeziehungen und Lieferketten, die seit mehreren Jahrzehnten gut funktionierten, nun immer mehr gestört und sogar zerstört werden. Im Vordergrund steht jetzt immer mehr die Frage der nationalen Unabhängigkeit in Fragen der eigenen Energieversorgung und -sicherheit. Und so sehen wir immer mehr, dass verschiedene Länder wie die USA die aktuelle Energiekrise dazu nutzen, um massive Investitionsprogramme zum Ausbau der eigenen Energieunabhängigkeit mit Fokus auf Export bspw. in die Ressourcen-arme EU-Länder und explizit nach Deutschland starten.

Dies ist eine sehr wichtige Trendwende, die sich für zukünftige Energieexporteure wie die USA, Kanada, etc. in ein sehr profitables Geschäft münden dürfte. Was die EU angeht, so sieht es zu diesem Zeitpunkt wirklich danach aus, als ob man eine russische Energieabhängigkeit gegen eine US-amerikanische und kanadische austauscht, was gewisse Gefahren bergen könnte. Auf der globalen Ebene sehen wir ähnliche Tendenzen, was bestimmte Sektoren bald richtig in Schwung bringen dürfte.

Im Fokus steht heute die Entwicklung rund um Uran-Aktien und der frische Impuls, der das gesamte Sektor zuletzt stark in Schwung brachte, kam aus fernem Japan. Denn, während in Deutschland mit Blick auf den Winter über längere Laufzeiten für Atomkraftwerke endlos diskutiert und gestritten wird, will das erdbebengefährdete Japan sogar weitere Atomkraftwerke bauen und bald ans Netz bringen. Dies ist v.a. deswegen interessant, wenn man bedenkt, dass gerade Japan bereits mit einem Atomkraftwerk-Unglück in Fukushima konfrontiert wurde. Und dennoch überwiegt nun die Frage der nationalen Energie-Unabhängigkeit Sicherheitsbedenken. Diese Tendenz ist wichtig, denn so wäre es möglich, dass auch andere Länder v.a. aus der Energie-gefährdeten EU dem Fernost-Beispiel folgen werden und ebenfalls neue Atom-Kraftwerk-Programme starten.

Was explizit Japan angeht, so erwägt die Regierung von Ministerpräsident Fumio Kishida neben einer Verlängerung der Laufzeiten der bestehenden AKW auf mehr als 60 Jahre auch die Entwicklung und den Bau von Atomkraftwerken der nächsten Generation. Und dies wäre eigentlich eine deutliche Abkehr von der bisherigen Entwicklungsstrategie Japans, nach Fukushima-Unglück im Jahr 2011, keine zusätzlichen Atomkraftwerke zu bauen.

Dabei passt der neue Plan hervorragen in die aktuelle Klima-Strategie des Landes, die eine Erhöhung des GreenEnergy-Anteils am Energiemix bis 2050 von derzeit rund 20 % auf 60 % vorsieht. Und damit löst man gleich mehrere Probleme, denn je mehr man zukünftig Atomenergie zur Verfügung haben wird, desto geringer wird die Abhängigkeit von Kohle- und Gas-Kraftwerken. Das aktuelle Zwischenziel lautet: die Erhöhung der Stromversorgung aus Atomenergie bis zum Jahr 2030 auf rund 20-22 % des gesamten Energiemix. Und so gelangen wir zu der Annahme, dass die langfristige Nachfrage nach Uran weltweit steigen dürfte, was uns zum Uran-Trend und den dazugehörigen Profiteuren bringt.



https://viz.traderfox.com/peer-group-tabelle/CA13321L1085/DI/cameco-corp/aktien-4853319-62859-8627164-61823-65615-60502-8640283-5323223-63067-62229-61671-22374-10818735-9755883

Was Uran-Trend angeht, so muss man hier Folgendes wissen. Uran ist eine sehr ergiebige Energiequelle und wurde früher sehr intensiv zur Herstellung von Atombomben verwendet. Heute besteht die primäre industrielle Anwendung von Uran darin, kommerzielle Kernreaktoren anzutreiben, die Strom produzieren. Gleichzeitig wird Uran auch zur Herstellung von Isotopen für Medizin-, Industrie- und moderne Verteidigungszwecke verwendet. Im Jahr 2020 betrug das gesamte globale Produktionsvolumen von Uran aus Minen rund 47.731 Tonnen. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 lag die weltweite Produktion bei 54.752 Tonnen. Dabei war die Uran-Produktion im Jahr 2020 auf dem tiefsten Stand des letzten Jahrzehnts. Interessanterweise stieg die Uran-Produktion im Jahr 2021 nur um 1 % auf 48.303 Tonnen. Und somit kann man sehr gut sehen, dass das Angebot bei einer weiterhin steigenden Nachfrage knapp bleibt.

Kazachstan und explizit das Unternehmen KazAtomProm (KAP) ist dabei mit einer jährlichen Uran-Produktion von rund 20.000 Tonnen (etwa 45 % der gesamten weltweiten Uran-Produktion) unumstritten der größte Uranproduzent der Welt, gefolgt von Namibia (12 %), Kanada (10 %), Australien und Uzbekistan. Länder-technisch gab es im vergangenen Jahr eine folgende Entwicklung: während Kasachstan (+12 %), Namibia (+6 %) und Kanada (+21 % - aufgrund der Wiederaufnahme der Produktion in der Cigar Lake-Mine in Saskatchewan, nachdem die COVID-19-bedingte Aussetzung im Juli 2021 aufgehoben wurde) die Uran-Produktion gesteigert hatten, ging die australische Produktion um rund 32 % zurück. Die Uranproduktion in der Ranger-Mine von Rio Tinto (RIO) wurde ja im Januar 2021 eingestellt und daher sank die Zahl der aktiven Uranminen in Australien von drei auf zwei. Australiens bekannte Uranressourcen sind jedoch die größten der Welt - fast ein Drittel der weltweiten Gesamtmenge und daher wäre hier u.U. eine mögliche Output-Steigerung wahrscheinlich. Uzbekistan-Produktion bleib weiter auf dem Niveau von 202. Dabei verarbeitet das Land Uran nicht vor Ort, sondern exportiert seinen gesamten produzierten Bestand in andere Länder.

Die World Nuclear Association (WNA) kam dabei zum Entschluss, dass im vergangenen Jahr abgebaute Uran nur 77 % der globalen Nachfrage deckte, während der Rest durch sekundäre Quellen gedeckt wurde. Dem Bericht zufolge hat die In-situ-leach-Technologie (ISL, auch In-situ-Recovery, ISR-Bergbau genannt) ihren Anteil unter anderen Uranabbaumethoden, hauptsächlich aufgrund ihrer weit verbreiteten Verwendung in Kasachstan stetig erhöht, und im Jahr 2021 machte sie 66 % der weltweiten Produktion aus. Und das ist genau die Aussage, die unsere These über die aufgestellte Annahme einer globalen Uran-Knappheit bestätigt. Dabei dürfte sich diese Situation aufgrund der Ereignisse im Jahr 2022 weiter verschärfen, da die ganze Welt nun immer intensiver Richtung Atomkraft schaut.

Was die USA angeht, so produziert das Land sehr wenig Uran. Laut Statista belief sich die US-Uranproduktion im Jahr 2021 auf nur acht Tonnen. Zum Vergleich: im Jahr 2014 betrug die Produktion in den USA 1.919 Tonnen Uran. Dabei sind die USA der größte Uranverbraucher, da das Land sehr stark auf die Nutzung von Kernenergie setzt. Und so verbraucht man jährlich zwischen 18.000 und 19.000 Tonnen Uran. Nach den USA sind die größten Uranverbraucher China (rund 10.000 Tonnen) und Frankreich (etwa 9.000 Tonnen).

Die Brisanz der Lage wird sehr deutlich, wenn man sich an Januar22-Ereignisse im weit entfernten Land Kazachstan zurück erinnert. Dort fand nämlich ein Machtwechsel statt, wobei die Russische Föderation sich an die Seite der neuen kasachischen Toqajew-Regierung stellte, und dieser im Rahmen der OVKS-Operation half, das Land Mithilfe von Friedenstruppen zu stabilisieren. Und dies wurde auch von der chinesischen Regierung akzeptiert. Und somit ist es plausibel anzunehmen, dass der größte Uran-Produzent der Welt zukünftig einen mehr oder weniger loyalen Russland/China-Politik-Ansatz verfolgen wird. Dies verleiht noch mehr Unsicherheit bzgl. der globalen Uran-Versorgung Richtung Westen, was selbstverständlich sowohl den Uran-Preis als auch die Aktien westlicher Uran-Konzerne zukünftig auf neue Hochs treiben könnte.

Was das globale Wachstumspotenzial des Uran-Trends angeht, so gilt hier weiterhin die folgende Annahme. Dieser resultiert im Großen und Ganzen aus natürlichen Faktoren, wie das kontinuierliche Wachstum der globalen Weltbevölkerung und voranschreitende Industrialisierung in Emerging Markets, was logischerweise in einem sehr hohen Energiebedarf und einer zunehmenden Elektrifizierung mündet. Zudem steht die westliche Welt vor der Herausforderung des Klimawandels, was die Regierungen in Europa und in den USA immer mehr Richtung GreenEnergy drängt. Und da Uran-betriebene Atomreaktoren eine perfekte Zwischenlösung auf dem Weg zur möglichen Solar-/Windenergie- und Wasserstoffwirtschaft darstellen, dürfte die Uran-Nachfrage in den nächsten Jahren weiter hoch bleiben. Und so gelangen wir auch schon zu unseren Uran-Top-Stocks, womit man den Trend spielen könnte.

Cameco (CCJ) ist einer der größten Uranproduzenten der Welt. Es verfügt über die lizenzierte Kapazität, jährlich mehr als 53 Millionen Pfund Urankonzentrate zu produzieren. Zudem kommen noch mehr als 464 Millionen Pfund nachgewiesene und wahrscheinliche Mineralreserven. Das Unternehmen ist auch ein Anbieter von Uranraffinations-, Umwandlungs- und Kraftstoffherstellungsdienstleistungen. Sein Landbesitz, einschließlich der Exploration, erstreckt sich über etwa 2 Millionen Hektar Land. Dabei ist die Uranmine McArthur River in Kanada, die Cameco zusammen mit AREVA betreibt der weltweite Uran-Produzent. Sollte es also zu einer explosiven Uran-Nachfragesteigerung kommen, so ist Cameco wohl am besten dafür positioniert, und aus dieser Situation Kapital zu schlagen.




Die Nummer Zwei ist die Aktie von BHP Billiton (BHP). Dies ist eine Möglichkeit den Uran-Trend diversifizierter zu spielen. BHP kommt aus Australien. Das Unternehmen verfügt über ein diversifiziertes Produktionsportfolio. Es erforscht, produziert und verarbeitet Öl, Eisenerz, metallurgische Kohle, Kupfer etc. Fast zwei Drittel des jährlichen EBITDA des Unternehmens stammen aus der Eisenerzproduktion, aber man ist auch bei Uran dabei. Die Uran-Produktion lag im vergangenen Jahr bei rund 3.300 Tonnen Uran.





Die Nummer drei ist die Aktie von Uranium Energy (UEC). Und dies eine sehr spekulative Story, denn das Unternehmen hat seit 2015 keine Umsätze generiert. Bis zuletzt hat man mit Kauf und Verkauf von Yellowcake (pulverförmiges Gemisch von Uranverbindungen) am Spotmarket spekuliert. Doch im November 2021 überraschte Uranium Energy mit der Ankündigung, die amerikanischen Betriebe von Uranium One zu erwerben, dem viertgrößten Uranproduzenten der Welt, der von Rosatom (Russlands staatliche Atomenergiegesellschaft), kontrolliert wird. Und das ist ein sehr wichtiger Deal, der bald den Anfang einer neuen Wachstumsstory einläuten könnte. Die Barakquisition in Höhe von 112 Mio. USD umfasste produktionsbereite Vermögenswerte im Powder River Basin in Wyoming, darunter eine der größten Uranverarbeitungsanlagen in den USA. Nach dem Erwerb könnten diese Vermögenswerte sofort Einnahmen für Uranium Energy generieren.

Außerdem muss Uranium Energy aufgrund seiner Nähe zu Wyoming-Vermögenswerten jetzt keine Anlage mehr in seinem Reno Creek-Projekt bauen, wodurch das Unternehmen Kapital einspart, das es an anderer Stelle einsetzen kann. Die einzige Frage die aktuell besteht, lautet, wie schnell UEC mit der tatsächlichen Uran-Produktion beginnen wird. Und da das politische Momentum nun auf der Seite der westlicher Uran-Produzente zu sein scheint, wäre es möglich, dass man schon bald sogar zusätzliche Unterstützung von den USA in Form von zugesicherten Versorgungsverträgen sowohl aus Texas als auch aus Wyoming bekommen wird.

Dazu kommt die bereits abgeschlossene Übernahme von UEX. Und damit entsteht nun ein neues, sehr interessantes, diversifiziertes Unternehmen in Nordamerika. UEX ist ein kanadisches Uran- und Kobaltexplorations- und -erschließungsunternehmen, das an einem außergewöhnlichen Portfolio von Uranprojekten beteiligt ist. Das Projektportfolio von UEX, das sich im direkten Besitz des Unternehmens befindet, liegt im Osten, Westen und Norden des Athabasca-Beckens, der reichsten Uranregion der Welt. Und damit ergibt sich nun für UEC eine zwar spekulative, dennoch sehr interessante langfristige Wachstumsperspektive, weswegen man auch diese Aktie auf der Watchlist haben sollte.




Abschließend ist es zu erwähnen, dass der Uran-Trend sehr spezifisch, kompakt und daher sehr übersichtlich ist. Sollte man sich also für etwas mehr Risiko entscheiden, so geht hier der Blick weiter Richtung kleinkapitalisierter Konzerne wie Energy Fuels (UUUU), Yellow Cake, Denison Mines etc.

Sollte man sich jedoch für eine konservative und diversifizierte Investment-Art entscheiden, so wäre womöglich auch die Aktie des Bergbaukonzerns Rio Tinto (RIO), eine plausible Wahl, da auch RIO in Uranabbau tätig ist.

Was uns angeht, so favorisieren wir derzeit die Aktie von Cameco (CCJ), da sie vor dem Hintergrund der geschilderten Global-Uran-Story in Kombination mit dem günstigen politischen Momentum, wohl das beste CRV bietet.

Sollte sich die geopolitische Lage demnächst radikal entspannen, so würde der Blick erneut Richtung des kasachischen Konzerns KazAtomProm (KAP) wandern, da der Stock immer noch sehr stark angeschlagen ist. Doch dies könnte einige Jahre dauern.

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