Die Anatomie des Cannabistrends

28.02.2019 um 10:24 Uhr

Der im vergangenen Jahr stark gehypte Cannabistrend ist nicht ungewöhnlich. Genau wie jede andere globale Trendtendenz basiert er auf einer starken Nachfrage, die nun dank neuer Faktoren entsprechend katalysiert wird. Und das vergangene, turbulente Jahr 2018 gab den Anstoß dazu, dass in diesem umstrittenen Business schon bald zukunftsträchtige Änderungen stattfinden werden, die den Großteil der Cannabisgeschäftsaktivitäten auf die legale Ebene verlagern werden. Ob dies eine globale Wirkung haben wird, bleibt zunächst unklar. Die Börse ist jedoch bereit, die Spekulation aufzugreifen, weswegen wir uns nun mit der Frage beschäftigen, wie der Cannabistrend aufgebaut ist und was es dabei zu beachten gilt, um diese Trendtendenz erfolgreich spielen zu können.  

Der erste, und gleichzeitig fast schon der einzige, wichtige Punkt rund um das Cannabisgeschäft, den man ständig im Hinterkopf behalten muss, ist zurzeit die gesetzliche Legalisierung. Dabei gab es 2018 einige sehr vielversprechende News, die auf eine zukünftig flächendeckende Legalisierung hindeuten. So hat bspw. Kanada Freizeit-Marihuana flächendeckend für Erwachsene im ganzen Land legalisiert, während sich in den USA bereits 10 Bundesstaaten dieser Initiative angeschlossen haben. Gleichzeitig nimmt auch der politische Support zu, wobei sich immer mehr Vertreter im US-Kongress für die Legalisierung aussprechen. Die Motivation dahinter ist verständlich. Anstatt in den ohnehin erfolglosen Kampf gegen Marihuana zu investieren, führt man das Geschäft mit gesunden Einschränkungen ans Licht und kann damit später nicht nur zusätzliche Arbeitsplätze etc. schaffen, sondern auch gleich in Form von Steuereinnahmen profitieren. Gleichzeitig besteht hier noch die Möglichkeit, dass die kriminelle Komponente, die den Cannabis begleitet, Schritt für Schritt verringert wird.  

Auf der Ebene des medizinischen Cannabisgebrauchs ist die Entwicklung noch intensiver. Dafür sprechen auch zahlreiche Initiativen auf teilweise staatlichen Ebenen. Das beste Beispiel dafür ist wohl das kleine, aber innovativ starke Land Israel. Dort hat man offensichtlich die Vorzüge der zukünftigen Cannabisbedeutung erkannt und investiert bereits jetzt kräftig in den Ausbau seiner Exportkapazitäten. Bemerkenswert ist hier auch die politische Unterstützung, wobei die israelische Regierung erst in der vergangenen Woche beschlossen hat, den Export einer medizinischen Cannabisvariante ohne die berauschenden Komponenten zu erlauben.  

In Israel selbst bleibt der Freizeitgebrauch von Haschisch weiterhin illegal. Auf diese Weise könnte das Land schon bald von Steuereinnahmen i. H. v. bis zu 250 Mio. USD jährlich profitieren. Zumal das Land schon heute diese Produkte produziert, denn die Technologien und das Know-how sind längst vorhanden. Gleichzeitig hat Israel als Vorreiter die Möglichkeit, von dieser Entwicklung doppelt zu profitieren, da man sich nicht nur auf den eigentlichen Anbau und Export spezialisiert, sondern sich ganz intensiv der Forschung und Entwicklung von Geräten und Methoden für den Anbau und Konsum widmet. Damit legt man das Fundament für die zukünftige Technologieführerschaft, was sich langfristig deutlich profitabler herausstellen dürfte als nur der gehypte Cannabisanbau.  

Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was israelische Cannabisfirmen in den kommenden Jahren erwarten könnte, sah man an der dynamischen Kursreaktion israelischer Cannabis-Stocks wie Together Pharma und Medivie Therapeutic, die nach der Bekanntgabe der Exporterlaubnis in die Höhe schnellten. Beide Konzerne sind noch sehr kleinkapitalisiert. Für Optimismus sorgt jedoch bereits jetzt die Tatsache, dass beide Unternehmen schon unterschriebene Exportverträge vorliegen haben. Ihre Aktien bleiben zwar bis auf Weiteres sehr spekulativ, gehören jedoch in den kommenden Jahren angesichts der zunehmenden Cannabistrendstärke in Israel unbedingt auf die Watchlist. Damit steigen die Chancen, dass auch das neue Jahr den Cannabisaktien viel Positives bescheren könnte.

2019 wird der primäre Blick jedoch Richtung Nordamerika gehen, denn genau dort scheint die Entwicklung richtig Fahrt aufzunehmen. Gleichzeitig bleiben die USA für das kommende Jahr wohl die wichtigste Region, in der das meiste Geld mit dem Cannabisgeschäft verdient wird. Um von dieser Trendtendenz erfolgreich profitieren zu können, muss man als Trader und Investor zwischen den verschiedenen Trendrichtungen unterscheiden können.  

In erster Linie sind da natürlich die Cannabisproduzenten. Unternehmen dieser Sparte spezialisieren sich auf den Anbau von Marihuana in spezialisierten Innenräumen und Gewächshäusern und vertreiben anschließend fertige Produkterzeugnisse an die Kunden. Zu den Profiteuren dieser Trendrichtung zählen solche Konzerne wie Canopy Growth (CGT). Der kanadische Konzern verfügt über eine Gesamtfläche von rund 5,6 Millionen Quadratfuß, auf der man anbauen darf. Damit ist man wohl Kanadas größter Produzent. Neben der starken Präsenz auf dem heimischen Markt unterhält das Unternehmen Niederlassungen in Australien, Europa, Lateinamerika, Afrika und der Karibik und ist somit bestens positioniert, um von dem aufkommenden Cannabistrend im globalen Kontext zu profitieren. Interessant ist hier die besondere Verbindung mit dem führenden US-Amerikanischen Bierproduzenten Constellation Brands (STZ). Auf diese Weise verfügt der Konzern über die einzigartige Möglichkeit, sein Geschäft in den USA im Fall einer Legalisierung sofort über Constellation Brands‘ Einzelhandelsgeschäfte aufzurollen. Auf diese Weise würde man der Konkurrenz weit voraus sein, da man für die sofortige Expansion einen bereits etablierten Vertriebskanal zur Verfügung hätte.  

constell

canop


Eine deutlich sicherere Variante, das zukünftige Wachstum von Canopy Growth zu spielen, wäre die Investition in Constellation Brands (STZ), denn der Spirituosenhersteller ist aktuell zu 18 % an Canopy Growth beteiligt und fungiert damit ebenfalls als Profiteur des aufkommenden Zukunftstrends. Gleichzeitig hat die Gesellschaft die Option, zukünftig eine Mehrheitsbeteiligung an Canopy zu erwerben. Sollte es also infolge einer weitreichenden Gesetzänderung zu einem Cannabis-Boom kommen, so wäre es mehr als wahrscheinlich, dass STZ diese Option ziehen wird, um eine weitere lukrative Sparte zu seinem ohnehin erfolgreichen Produktportfolio hinzufügen zu können. Denn aktuell profitiert das Unternehmen weiterhin von der starken Nachfrage nach Corona und Modelo-Biersorten. Wenn man bedenkt, dass die Anzahl an lateinamerikanischen US-Bürgern weiterhin kontinuierlich zunimmt, hat man damit weiterhin einen sehr robusten mittel- bis langfristigen Wachstumstreiber, da diese Biersorten bei dieser Bevölkerungsgruppe sehr beliebt sind. Und während der notwendigen Wartezeit hätte man hier noch die Möglichkeit, von einer rund 1,5%igen jährlichen Dividendenrendite zu profitieren.

Sollte man sich als Trader oder Investor also für die Cannabisproduzenten entscheiden, so wären Canopy und Constellation auf jeden Fall eine interessante Alternative. Gleichzeitig sollte man dabei die Aktien von Aurora Canabis (ACB) und Tilray (TLRY) im Blick behalten. Was die kanadische Cannabisbranche in den vergangenen Monaten belastete, waren die begrenzten Produktionskapazitäten, weshalb man zuletzt bei der Umsatzentwicklung unter den Marterwartungen blieb. Dies dürfte sich jedoch in diesem Jahr ändern, da sich alle Konzerne aktuell sehr intensiv um den Kapazitätsausbau bemühen. Gleichzeitig ist man gerade dabei, ganz neue Marktnischen zu erschließen wie z. B. cannabishaltiges Essen, Konzentrate oder Getränke. Die entsprechenden Gesetzbestimmungen sollten noch in diesem Jahr kommen, was den Startschuss für ein ganz neues Marktsegment geben würde. Und in dieser Hinsicht arbeitet Canopy Growth bereits mit seinem Partner Constellation Brands an der Entwicklung eines cannabishaltigen Getränke-Portfolios, während Tilray in dieser Hinsicht mit einer anderen etablierten US-amerikanischen Brauerei Anheuser-Busch (BUD) kooperiert. Lediglich Aurora verbleibt zu diesem Zeitpunkt noch partnerlos, was sich aber in Anbetracht der zukünftigen Trendentwicklung schon sehr bald ändern könnte.  

auror

tilra

anheus


Eine weitere Möglichkeit den aufkommenden Cannabistrend zu spielen, wäre die Investition in Dienstleister. Diese haben mit dem eigentlichen Anbau und den damit verbundenen Risiken nichts zu tun und positionieren sich maximal komfortabel, um von dem allgemeinen Hype möglich risikomindernd zu profitieren. Einer von ihnen ist das Unternehmen Innovative Industrial Properties (IIPR). Der Konzern ist ein REIT (Real Estate Investment Trust). Dieser Immobilienfonds spezialisiert sich auf die Verpachtung von Geschäftsflächen, die alle entweder als Gewächshäuser oder spezialisierte Innenräume für den Cannabisanbau für medizinische Zwecke benutzt werden. Somit fungiert man für die modernen Goldgräber als Bereitsteller der eigentlichen Spielwiese, ohne die ihr Geschäft gar nicht möglich gewesen wäre. Für den Anleger bedeutet dieses Geschäftsmodell deutlich mehr Sicherheit als eine direkte Investition in den einen oder anderen Cannabishersteller, da das REIT-Geschäft in Bezug auf die Cashflowkonstanz nur wenig mit dem Erfolg oder Misserfolg des einen oder anderen Cannabisproduzenten verknüpft ist.  

iip


Was die Wachstumsperspektiven betrifft, so sind diese mehr als vorhanden. In erster Linie ist da die banale Expansion in die sieben US-Staaten, in denen man bereits präsent ist, falls der Cannabistrend 2019 zünden sollte. Andererseits könnte man auch geographisch in 33 weitere US-Bundesstaaten expandieren, die das medizinische Marihuana bereits legalisiert haben. Dies wäre eine logische Konsequenz, die aus dem jungen Charakter der neuen Industrie resultiert. Der Cannabistrend ist ja relativ frisch und die Infrastruktur rund um den Anbau, Vertrieb etc. wird quasi von null an aufgebaut. Aus diesem Grund und angesichts der politischen Abhängigkeit wäre es eine logische Konsequenz, dass sich viele Cannabisunternehmen zunächst für ein Immobilien-Leasingmodell anstatt eines teureren und riskanten Immobilienkaufs entscheiden werden, was IIPR entsprechend erfreuen würde. Für die relativ sichere Zukunft der IIPR-Aktie spricht auch die Tatsache, dass der Konzern weitgehend schuldenfrei ist und sogar profitabel wirtschaftet, was die Expansion via Kauf zusätzlicher Immobilienobjekte wesentlich erleichtert. Hinzu kommt, dass die Geschäftsbeziehungen auf Basis zwar gewichteter, dennoch langfristiger Mietverträge basieren. Dies bedeutet eine hohe Plansicherheit, was den Konzern vor Schwankungen schützt. Daher bleibt IIPR in seiner Entwicklung von politischen und ökonomischen Schwankungen mehr oder weniger abgekoppelt. Denn im Worstcase könnte man relativ schnell auf die Vermietung von Immobilien auch für andere Zwecke als den Cannabisanbau umswitchen.

Schließlich sollte man die Aktie von KushCo Holdings (KSHB) auf der Watchlist haben, denn auch dieser Dienstleister verfügt über eine sehr interessante Wachstumsperspektive. Das Unternehmen spezialisiert sich auf den Vertrieb von Verpackungslösungen wie Pop-Top-Flaschen, Verdampfer-Kartuschen, Tuben und verschiedene Behälter für die US-amerikanische Cannabisbranche. Sollte es also zur großflächigen Expansion des Cannabistrends auf US-Boden kommen, so wäre auch KushCo in der Lage, von dieser Entwicklung zu profitieren.

Abschließend lässt sich anmerken, dass der Cannabistrend noch relativ jung ist und viele zukünftige Profiteure in Bezug auf ihre Größe und Performance noch in den Kinderschuhen stecken. Mit den zusätzlichen Gesetzregulierungen wird der Markt in den kommenden Jahren jedoch eine etwas festere Form bekommen, sodass sich die Spreu vom Weizen zu lösen beginnt. Gleichzeitig ist in dieser Hinsicht mit einer Branchenkonsolidierung zu rechnen, weshalb man auch Aktien anderer möglicher Cannabistrendprofiteure wie Liberty Health Sciences (produziert medizinisches Marihuana), Origin House (der führende Vertrieb von Marihuana-Produkten in Kalifornien) sowie The Green Organic Dutchman, der sich auf die Entwicklung organischer Cannabisprodukte wie Bio-Cannabis, Cannabisöle und Esswaren etc. spezialisiert, auf der Watchlist behalten sollte.

Viel Erfolg und seien Sie profitabel!

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