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ROUNDUP: Leoni warnt vor Problemen auch 2019 - Neuer Chef will Zügel anziehen

14.11.2018 um 13:00 Uhr

NÜRNBERG (dpa-AFX) - Der Autozulieferer und Kabelspezialist Leoni ist angesichts der aktuellen Probleme in der Autoindustrie auch für das kommende Jahr vorsichtig. "Das schwache dritte Quartal 2018 hat uns mit Blick auf das volatile Marktumfeld, aber auch in Bezug auf unsere eigene Leistung vor Herausforderungen gestellt, die uns voraussichtlich über das Kalenderjahr hinaus begleiten werden", sagte der seit September amtierende Vorstandschef Aldo Kamper am Mittwoch in Nürnberg. "Daher ist es umso wichtiger, jetzt entschlossen zu handeln."

Der neue Chef will den SDax -Konzern mit einer neuen Strategie auf mehr Rendite trimmen und den zuletzt schwachen Zufluss freier Geldmittel stärken. Vor gut drei Wochen hatten die Franken die Prognosen für dieses Jahr senken müssen, weil die Automärkte in China derzeit schwächeln und die europäischen Hersteller mit der Umstellung auf den neuen Abgas- und Verbrauchsprüfstandard WLTP hadern.

Das über den Jahresverlauf deutlich nachlassende Wachstum aus eigener Kraft - also ohne Wechselkurseffekte und Zu- wie Verkäufe gerechnet - hatte die Marge im Tagesgeschäft stark unter Druck gesetzt. Vor Zinsen und Steuern sowie bereinigt um Sondereffekte lag die Umsatzrendite im dritten Quartal nur noch bei 3,2 Prozent - nach 4 Prozent ein Jahr zuvor.

Kamper will nun gegensteuern. Im kommenden Frühjahr soll seine neue Strategie stehen. Die mittelfristigen Ziele bis 2020 stehen damit auf dem Prüfstand, wie er in einer Telefonkonferenz sagte. Für die kommenden beiden Jahre und vor allem für 2020 hatte sich Leoni ein stärkeres Wachstum ausgerechnet. Die operative Marge sollte bis dahin auf mindestens 5 Prozent steigen, nach 4,6 Prozent 2017. Die Leoni-Aktie rutschte am Vormittag um zeitweise fast 6 Prozent ab, zuletzt lag sie 3,5 Prozent im Minus. In diesem Jahr hat das Papier mehr als die Hälfte an Wert verloren.

"Wir müssen bei unserem Wachstum künftig selektiver sein", sagte Kamper mit Verweis auf niedrigmargiges Neugeschäft. "Am Ende des Tages ist Wachstum schön, aber es zählt, was unten als Gewinn herauskommt." Der Konzern müsse mehr in Forschung und Entwicklung investieren, und das Geld dafür müsse sich das Unternehmen verdienen.

Die Kosten sollen sinken, unter anderem werde die Verwaltungsstruktur geprüft. Er sehe auch Chancen, den Einkauf und weitere Abläufe zu verbessern, sagte Kamper. Viele zugekaufte Gesellschaften in der Kabelsparte hätten noch eigene IT-Systeme, die vereinheitlicht werden sollen. Was der Umbau konkret kostet, darauf will das Management erst im kommenden Jahr im Detail eingehen.

"Wir müssen uns insbesondere bei der Lagerhaltung verbessern", sagte Kamper. Zuletzt hatte vor allem der Lageraufbau die Finanzen strapaziert. Die Aussichten für den sogenannten Free Cashflow, die Entwicklung der freien Barmittel, hatte Leoni daher ebenfalls kappen müssen, was bei Investoren gar nicht gut ankommt, weil es auch die Möglichkeiten für die Dividende einschränkt.

"Wir tun uns momentan schwer mit Ergebnis und Cashflow", sagte der Niederländer. Das lag auch an hohen Investitionen in neue Produktionsanlagen, die das Unternehmen in der Aussicht auf künftiges Wachstum machte.

Stärken will Kamper das Unternehmen vor allem in zukunftsträchtigen Bereichen wie Elektroautos, Vernetzung und dem autonomen Fahren. Im dritten Quartal hatte Leoni bereits zwei Drittel des Auftragseingangs im Bordnetzgeschäft bei Projekten rund um die Elektromobilität eingeheimst. Ende September war das Auftragsbuch der Sparte insgesamt mit rund 21,3 Milliarden Euro an Bestellungen gefüllt.

Das Nettoergebnis fiel im dritten Quartal trotz geringerer Steuerlast um 13,2 Prozent auf 23 Millionen Euro. Der Umsatz war wie bereits bekannt zwar um 1,5 Prozent auf 1,21 Milliarden Euro gestiegen, aber vornehmlich wegen höherer Kupferpreise und vorteilhafter Wechselkurse. Preissteigerungen beim wichtigen Rohstoff gibt Leoni zum großen Teil an die Kunden weiter. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern ging um 18,5 Prozent auf 39 Millionen Euro zurück./men/she/fba

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