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ROUNDUP: Firmensterben im Stillen - insgesamt weniger Unternehmenspleiten

11.12.2018 um 13:28 Uhr

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Kettcar-Hersteller Kettler, der Privatklinikkonzern Paracelsus oder einmal mehr der Solarzellenbauer Solarworld - nicht immer sorgen Insolvenzmeldungen von Unternehmen für so viel Aufsehen wie diese Fälle. Oft sterben Firmen im Verborgenen. Die meisten Unternehmen, die den Gang zum Insolvenzrichter antreten, haben maximal fünf Beschäftigte. Vier von fünf Fällen (83,2 Prozent) aller Firmenpleiten in Deutschland fallen nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform vom Dienstag in diese Kategorie.

Jede einzelne Firmenpleite trifft Mitarbeiter und Gläubiger hart, in Summe stehen 198 000 Arbeitsplätze auf der Kippe oder sind bereits verloren. Insgesamt jedoch hat sich die Lage im zu Ende gehenden Jahr dank der anhaltend guten Wirtschaftslage weiter aufgehellt: Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland sank erneut und erreichte den niedrigsten Stand seit 1994.

Nach Einschätzung von Creditreform werden bis zum Jahresende 19 900 Unternehmen hierzulande einen Insolvenzantrag gestellt haben. Das wären nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei 1,2 Prozent weniger als im Vorjahr (20 140 Fälle). Seit dem Höchststand im Jahr 2003 mit 39 470 Firmenpleiten haben sich die Fallzahlen somit halbiert.

Amtliche Zahlen des Statistischen Bundesamtes folgen mit Zeitverzögerung. Doch die jüngste Statistik der Wiesbadener Behörde bestätigt den Trend: Von Januar bis September 2018 meldeten deutsche Amtsgerichte demnach 14 715 Unternehmensinsolvenzen und damit 3,0 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die meisten Pleiten wurden im Baugewerbe verzeichnet (2555 Fälle), kaum weniger Insolvenzanträge gab es im Handel (2525), im Gastgewerbe gaben 1714 Betriebe auf.

Für das Gesamtjahr 2018 geht das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Berechnungen ähnlich wie Creditreform von 19 800 Unternehmensinsolvenzen aus - der tiefste Stand seit fast 25 Jahren.

Allerdings ist die Skepsis groß, dass sich die positive Entwicklung im kommenden Jahr fortsetzen wird. Der konjunkturelle Gegenwind hat zuletzt zugenommen, internationale Handelskonflikte belasten die Exportnation Deutschland. Creditreform gehe daher davon aus, dass "der langjährige Abwärtstrend abgebremst" werde, sagte Hauptgeschäftsführer Volker Ulbricht. "Wir denken, dass wir das erreichte Niveau halten werden: Kein weiterer Rückgang, aber auch kein Anstieg."

Stark gestiegen ist nach Berechnungen des Kreditversicherers Euler Hermes der wirtschaftliche Schaden durch Insolvenzen von Unternehmen in Deutschland. Betrug der durchschnittliche Schaden im Jahr 2015 noch 700 000 Euro, seien es 2017 mit 1,5 Millionen Euro mehr als doppelt so viel gewesen. "Das bedeutet, wenn es kracht, dann richtig", stellte Ron van het Hof, Euler-Hermes-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz fest.

Handwerker, Lieferanten, Kreditgeber müssen häufig zumindest auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Creditreform schätzt die Insolvenzschäden im laufenden Jahr auf insgesamt 26,0 Milliarden Euro. Das ist immerhin etwas weniger als 2017 (28,3 Mrd Euro).

In manchen Fällen gibt es nach bangen Monaten wieder Hoffnung für Gläubiger und Mitarbeiter: Beim Privatklinikkonzern Paracelsus mit über 5000 Mitarbeitern an mehr als 20 Standorten hat die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Porterhouse Group die Sanierung übernommen. Und bei Kettler verkündete Anfang Dezember der auf mittelständische Unternehmen spezialisierte Finanzinvestor Lafayette die Übernahme. 500 der noch 700 Arbeitsplätze bei dem Kettcar-Hersteller sollen nun gerettet werden.

Für Entwarnung auf breiter Front sieht die Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel jedoch keinen Anlass: Nach ihrer Einschätzung gehen knapp 305 000 Unternehmen hierzulande mit finanziellen Problemen ins Jahr 2019. Das Fazit von Crifbürgel-Geschäftsführerin Ingrid Riehl: "Die Zahl der Firmen mit einem hohen Zahlungsausfallrisiko ist zwar leicht gesunken, es haben aber immer noch über 300 000 Unternehmen in Deutschland ein erhöhtes Insolvenzrisiko."/ben/DP/jha

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