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ROUNDUP 2/Gr√ľne: Gesetzliche Krankenversicherung keineswegs zweitklassig

28.12.2018 um 15:21 Uhr

(neu: GKV-Spitzenverband, PKV und Gesundheitsministerium)

BERLIN (dpa-AFX) - Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist nach Ansicht der Gr√ľnen viel besser als ihr Ruf. Ihre Gesundheitsexpertin Maria Klein-Schmeink sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag) unter Bezug auf eine neue Studie, die Leistungen privater und gesetzlicher Krankenkassen verglich: "Die wiederkehrende Behauptung, die gesetzliche Krankenversicherung sei nur zweitklassig, wird mit dieser Untersuchung klar widerlegt." Stattdessen k√∂nnten etliche der untersuchten Privattarife nicht einmal elementare Leistungen garantieren, kritisierte die Gr√ľnen-Abgeordnete.

Die Studie des Instituts PremiumCircle im Auftrag der Gr√ľnen-Fraktion im Bundestag kommt laut RND zu dem Ergebnis, dass private Krankenversicherungen (PKV) selbst in teuren Premium-Tarifen durchweg weniger Leistungen b√∂ten als gesetzliche Kassen. Danach wird bei den Top-Tarifen der privaten Versicherer im Schnitt mehr als ein Viertel (27 Prozent) der als unverzichtbar definierten Mindestanforderungen nicht erf√ľllt. Bei der GKV seien es nur 3 Prozent.

Allerdings räumen die Autoren der Kurzstudie selbst ein, "eine präzise vergleichende Bewertung" der beiden Versicherungsmodelle sei angesichts unterschiedlicher Einflussfaktoren "analytisch nicht möglich". Weiter heißt es: "Wir weisen daher explizit darauf hin, dass in der vorliegenden Kurzstudie bei der Bewertung einiger Leistungskriterien abgewogen werden musste, ob die jeweiligen Leistungen der GKV in ihrem Umfang in etwa mit denen der PKV vergleichbar sind."

F√ľr die Studie definierte PremiumCircle gleichwohl 103 Mindestkriterien, 100 davon seien Bestandteil des Leistungskatalogs der GKV. Zus√§tzlich aufgenommen wurden unter anderem h√∂here Leistungen beim Zahnersatz und eine Kosten√ľbernahme bei Brillen ohne Altersbeschr√§nkung, was nach Ansicht der Studien-Autoren zu einer umfassenden Krankenversicherung geh√∂ren sollte.

Gro√üe L√ľcken im Vergleich zur GKV gebe es bei den Privattarifen insbesondere bei Kuren und der Rehabilitation. Schlechtere Bedingungen best√ľnden h√§ufig auch bei der Palliativversorgung, der h√§usliche Krankenpflege, der Psychotherapie sowie bei Impfungen.

Der Sprecher des PKV-Verbandes Stefan Reker kritisierte: "Die Gr√ľnen-Bundestagsfraktion fordert zwischen den Jahren mal wieder die Einf√ľhrung einer B√ľrgerversicherung." Und zwar auf der Basis einer Studie des Versicherungsmaklers PremiumCircle Deutschland, der private Krankenversicherungen vermittele, nun aber zu dem Schluss gelange, diese h√§tten gravierende Leistungsl√ľcken. Eindeutige Leistungsvorteile der PKV seien offensichtlich nicht auf der Checkliste der Gr√ľnen-Gutachter gestanden.

Die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, erkl√§rte, es sei "keineswegs √ľberraschend, dass die gesetzliche Krankenversicherung in der Untersuchung vor allem mit Standardleistungen einer qualitativ guten Versorgung wie Rehabilitation, Vorsorge-Ma√ünahmen, Psychotherapie oder h√§uslicher Krankenpflege punktet". In der GKV w√ľrden 90 Prozent der Bev√∂lkerung "ohne Ansehen des Einkommens oder den Ausschluss von Vorerkrankungen versorgt".

Die Bewertung der Leistungen der PKV-Tarife ist nach Darstellung der Studien-Autoren vergleichsweise einfach: "Was nicht vertraglich klar garantiert ist, ist nicht versichert." Es handelt sich hier also um ein klassisches Versicherungsmodell, das mit dem Versicherer individuell ausgestaltet werden kann.

Die GKV ist dagegen eine Solidarmodell: Alle zahlen je nach Einkommen ein und bekommen im Krankheitsfall Leistungen nach einem relativ einheitlichen Katalog. Nach der Studie gestaltet sich die Bewertung der Leistungen des Solidarmodells GKV denn auch schwieriger.

Das Leistungsgef√ľge sei sehr komplex und fortlaufend von Entscheidungen des Gesetzgebers und des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) abh√§ngig. √úberdies gebe es immer wieder Berichte, wonach Versicherte Probleme haben, gesetzliche Leistungen in der Praxis auch tats√§chlich zu erhalten. Auch sei h√§ufig der zeitnahe Zugang zu Fach√§rzten deutlich schwieriger als in der PKV, so die Studie.

Gr√ľne, SPD und Linke streben seit langem und in unterschiedlicher Auspr√§gung eine einheitliche B√ľrgerversicherung an, die wohl das Aus f√ľr die PKV in der heutigen Form bedeuten w√ľrde. Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums sagte am Freitag in Berlin, ihrem Haus sei die Studie nicht bekannt. Sie hob aber hervor, dass es sich grunds√§tzlich um zwei unterschiedliche Systeme handle. Grunds√§tzlich stehe die Bundesregierung zum dualen Krankenversicherungssystem./rm/DP/tos

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