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WDH/ROUNDUP: Deutsche Post will nach Gewinneinbruch die Kurve kriegen

07.03.2019 um 10:09 Uhr

(Im letzten Absatz wird klargestellt, dass es sich um die vierte rpt vierte Sparte handelt.)

BONN (dpa-AFX) - Die Deutsche Post will nach einem Gewinneinbruch im Brief- und Paketgeschäft wieder in Tritt kommen. Dank der eingeleiteten Sanierungsschritte soll der operative Gewinn (Ebit) mit 3,9 bis 4,3 Milliarden Euro im laufenden Jahr etwa das Niveau erreichen, das Vorstandschef Frank Appel ursprünglich schon für 2018 angepeilt hatte. "Damit nehmen wir wie geplant Kurs auf die Marke von 5,0 Milliarden Euro, die wir für 2020 in Aussicht gestellt haben", sagte der Manager am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Bonn.

Analysten zweifeln aber bereits seit Jahren an dem 5-Milliarden-Ziel. Während Appel die Marke weiterhin übertreffen will, gingen Experten zuletzt im Schnitt lediglich von gut 4,7 Milliarden Euro aus. Für 2019 waren sie hingegen zuversichtlicher gestimmt als der Post-Chef. Mit einer durchschnittlichen Ebit-Prognose von knapp 4,2 Milliarden Euro lagen sie im oberen Bereich der jetzt vom Unternehmen ausgegebenen Zielspanne.

Am Aktienmarkt wurden die Nachrichten gemischt aufgenommen. Kurz nach Handelsstart in Frankfurt verlor die Post-Aktie rund ein Prozent an Wert. Auch wenn es seit Anfang Januar zuvor deutlich aufwärts ging, ist sie damit mehr als ein Viertel weniger wert als vor einem Jahr. Aktienhändlern zufolge lief das Brief- und Paketgeschäft zwar zuletzt besser als erwartet. Branchenexperte Daniel Roeska vom Analysehaus Bernstein zufolge hängt es jetzt aber von den Paketpreisen ab, ob der Konzern sein Gewinnziel für 2020 erreicht.

Appel beteuerte, dass der Konzern seine Hausaufgaben in den Bereich gemacht habe. Er habe die Voraussetzungen geschaffen, auch über das Jahr 2020 hinaus profitabel zu wachsen. Dazu hofft der Manager weiterhin auf eine deutliche Erhöhung des Briefportos. Spätestens im Juni werde die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde den Spielraum dafür festsetzen. Dann solle die Portoerhöhung noch im Laufe des Jahres umgesetzt werden. Im Paketgeschäft habe die Post die Preise bereits erhöht.

Die Post war in diesem Geschäft 2018 wegen sinkender Gewinne schwer unter Druck geraten. Um die Betriebskosten zu senken, baut sie Verwaltungsstellen ab und schickt Postbeamte aus ihrer Zeit als Staatskonzern in Frühpension. Außerdem ordnet der Konzern die Zustellung von Briefen und Paketen teilweise neu. Zusammen kosteten die Maßnahmen 2018 rund eine halbe Milliarde Euro. Appel musste seine Prognose für den operativen Gewinn vergangenen Juni um fast eine Milliarde auf rund 3,2 Milliarden Euro kappen - ein Ziel, das der Konzern jetzt nur knapp erreichte.

Unterdessen will der Gelbe Riese Pakete im Gegensatz zu Wettbewerbern weiterhin ohne Mehrkosten bis an die Haustür der Empfänger bringen. "Wir glauben nicht, dass wir eine Extragebühr für die 'letzte Meile' von unseren Kunden erheben müssen", sagte Appel am Morgen im Nachrichtensender n-tv. Die "letzte Meile" - der letzte Abschnitt bis zur Paketübergabe - gilt als besonders zeitintensiv und teuer für die Paket-Dienstleister. Die Konkurrenten Hermes und DPD erwarten, dass die Haustürzustellung künftig generell extra kostet.

Im abgelaufenen Jahr konnte die Post ihren Umsatz zwar um knapp zwei Prozent auf 61,6 Milliarden Euro steigern. Der operative Gewinn ging jedoch auch wegen der teuren Frühpensionierung vieler Postbeamter um knapp 16 Prozent auf 3,16 Milliarden Euro zurück. Der Überschuss brach wegen einer höheren Steuerlast sogar um fast ein Viertel auf rund 2,1 Milliarden Euro ein. Die Aktionäre sollen dennoch eine stabile Dividende von 1,15 Euro je Aktie erhalten.

Dass es nicht schlimmer kam, verdankte die Post den DHL-Sparten Express und Fracht. Während der operative Gewinn in der Kernsparte PeP mit Brief- und Paketgeschäft um mehr als die Hälfte auf 656 Millionen Euro einbrach, legte das Ergebnis der DHL-Bereiche um fast 13 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zu. Dabei gab DHL Express mit den lukrativen zeitkritischen internationalen Sendungen die Richtung vor. Zwar warf die DHL-Lieferkettenlogistik etwas weniger ab. Doch das längere Zeit schwächelnde DHL-Frachtgeschäft konnte sein operatives Ergebnis dank besserer Geschäfte bei Luft-, See- und Landtransporten um fast die Hälfte steigern.

Im Zuge der Sanierung des Brief- und Paketgeschäfts hat die Post ihre Kernsparte PeP (Post, E-Commerce, Paket) seit Januar neu aufgeteilt. Das Geschäft auf dem Heimatmarkt gehört jetzt zur Sparte Post & Paket Deutschland, deren Führung ab April der frühere McKinsey-Berater Tobias Meyer übernimmt.

Das Auslandsgeschäft, mit dem die Post das Paketgeschäft mit Endkunden auf viele, vor allem europäische Länder ausgedehnt hat, wird zur vierten DHL-Sparte für sogenannte E-Commerce-Solutions, also Dienstleistungen für den Online-Handel. Allerdings plant der neue Spartenchef Ken Allen derzeit keine Ausweitung des Geschäfts auf weitere Länder - was der frühere Post- und Paket-Vorstand Jürgen Gerdes noch angekündigt hatte. Gerdes hatte nach dem Gewinneinbruch und einer Versetzung im Vorstand 2018 seinen Hut genommen./stw/nas/mis

DEUTSCHE POST AG NA O.N. Chart
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