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ROUNDUP: Vodafone kappt erstmals überhaupt Dividende

14.05.2019 um 12:39 Uhr

LONDON (dpa-AFX) - Der Telekomkonzern Vodafone ringt mit hohen Kosten für neue Technik und einem in vielen Ländern weiter harten Wettbewerb. Da das britische Unternehmen in Euro bilanziert, belastete auch die Stärke der Gemeinschaftswährung im Geschäftsjahr 2018/19 den Umsatz und das operative Ergebnis. Unter dem Strich stand wegen Abschreibungen und dem Verkauf des Indien-Geschäfts sogar ein dickes Minus. Um die Schulden nicht ausufern zu lassen, kürzt Konzernchef Nick Read die Ausschüttung an die Aktionäre kräftig.

Die Dividende für das vergangene Geschäftsjahr 2018/19 (31. März) werde um rund 40 Prozent auf 9 Cent gekappt, teilte der Konkurrent der Deutschen Telekom am Dienstag in London mit. Es ist das erste Mal seit dem Start der Dividendenzahlungen im Jahr 1990, dass Vodafone die Ausschüttung an die Aktionäre kürzt. Es ist zudem eine Abkehr von Reads Versprechen, die Ausschüttung stabil zu halten.

Großartig überraschte dies am Dienstag allerdings niemanden mehr, nachdem die "Sunday Times" bereits am Wochenende berichtet hatte, dass Vodafone unter anderem wegen der hohen Kosten für die 5G-Frequenzauktion in Deutschland die Gewinnbeteiligung für die Anteilseigner senkt. Für die Vodafone-Aktie ging es am Dienstag im frühen Handel bis zu 3,45 Prozent nach oben. Bis zum Mittag blieb davon aber nur noch ein Plus von knapp einem Prozent übrig. Immerhin konnte das Papier damit einen Teil der Kursverluste vom Montag wettmachen.

Trotz der leichten Kursgewinne am Dienstag gehört die Aktie des britischen Unternehmens zuletzt zu den größten Verlierern unter den Telekomwerten. In den vergangenen zwölf Monaten sank der Börsenwert Vodafones um etwas mehr als ein Drittel auf knapp 36 Milliarden Pfund (41 Mrd Euro). Zum Vergleich: Derjenige der Deutschen Telekom zog im gleichen Zeitraum um vier Prozent auf 70 Milliarden Euro an.

Ein Grund für die Kursgewinne war das etwas besser als erwartet ausgefallene organische Wachstum. So stieg der Erlös ohne die Effekte aus der Finanzierung von Handys, den Folgen von Bilanzierungsumstellungen und Währungseffekten um 0,3 Prozent. Analysten hatten eher mit einer Stagnation gerechnet. Der bilanzierte sogenannte Serviceumsatz ging dagegen wegen des im Vergleich zu vielen Währungen starken Euro um fast fünf Prozent auf 39,2 Milliarden Euro zurück.

Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) fiel im vergangenen Geschäftsjahr um vier Prozent auf rund 14 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand ein Minus von 7,6 Milliarden Euro nach einem Überschuss von 2,8 Milliarden Euro ein Jahr davor. Dies war jedoch erwartet worden, nachdem der Verkauf des Indien-Geschäfts und Abschreibungen das Ergebnis der ersten sechs Monate tief in die roten Zahlen gedrückt hatten.

Hierzulande, wo die Briten ihr Kabelgeschäft mit der Übernahme von Unitymedia kräftig ausbauen wollen, zog der Serviceumsatz im vergangenen Jahr um 0,4 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro an. Deutschland ist damit der größte Einzelmarkt Vodafones. Auch das operative Ergebnis legte in Deutschland zu. Vodafone hatte sich in den vergangenen Jahren auf den Ausbau des Geschäfts in Europa fokussiert und baut die Beteiligungen in anderen Regionen ab.

So hatte Vodafone erst am Montagabend mitgeteilt, sein Neuseeland-Geschäft für zwei Milliarden Euro loszuschlagen. Vergangene Woche musste der Konzern bei der Reduzierung des Geschäfts in weiter Ferne jedoch einen Rückschlag hinnehmen. Der geplante Verkauf der verlustträchtigen Australien-Sparte scheiterte am Veto der dortigen Aufsichtsbehörde.

In Deutschland will Vodafone das Geschäft hingegen ausbauen. So hatte Vodafone erst vor Kurzem bekanntgegeben, sein Kabelnetz für den Konkurrenten Telefónica Deutschland (O2) zu öffnen. Der Schritt soll Vodafone dabei helfen, die Zustimmung der EU-Kommission zur milliardenschweren Übernahme von Unitymedia zu bekommen.

Vodafone hatte im Frühjahr 2018 angekündigt, die Kabelnetze von Liberty Global - in Deutschland unter dem Namen Unitymedia im Geschäft - auch in Ungarn, Tschechien und Rumänien für insgesamt etwa 18,4 Milliarden Euro inklusive Schulden zu übernehmen. Die EU-Kommission hatte Bedenken gegen den Zusammenschluss in Deutschland geäußert und eine vertiefte Prüfung eingeleitet.

Und auch im Kampf um die 5G-Mobilfunkfrequenzen ist Vodafone dabei. Die Auktion läuft schon seit einiger Zeit und wird für die Anbieter auf jeden Fall teurer als von ihnen erhofft. Seit Mitte März versteigert die Bundesnetzagentur in Mainz 41 Mobilfunkblöcke, die Höchstgebote summieren sich derzeit auf 5,8 Milliarden Euro - die erwarteten 3 bis 5 Milliarden Euro wurden also schon jetzt deutlich übertroffen.

Neben britischen Konzern nehmen die Telekom, Telefonica Deutschland und die United-Internet-Tochter 1&1 Drillisch an der Auktion teil. Wie lange diese noch dauert, ist unklar. Der Auktionstheoretiker Vitali Gretschko vom Forschungsinstitut ZEW hatte vergangene Woche gesagt: Das kann heute Abend sein, das kann aber auch in ein paar Monaten sein."/zb/stw/jha

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