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WOCHENAUSBLICK: Handelskonflikt und Europawahl sind Stolperfallen für Anleger

24.05.2019 um 16:23 Uhr

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt dürfte in der neuen Woche noch stärker als bisher im Bann der Politik stehen. Während die Tweets von US-Präsident Donald Trump zum internationalen Handelskonflikt weiterhin jederzeit das Zeug haben, die Kurse zu bewegen, blicken die Anleger nun auch mit Sorge nach Brüssel.

Die Börsen werden in den nächsten Tagen wieder politischer, fasste Finanzanalyst Dirk Friczewsky die Lage in einer Einschätzung für das Handelshaus Lynx Broker zusammen. Das Ergebnis der Europawahl könnte zu weiteren Aktienverkäufen führen, sollten vor allem die Populisten die Oberhand gewinnen. Erste Resultate werden erst am Sonntag erwartet und könnten so zu Wochenbeginn für Gesprächsstoff sorgen.

EU-kritische und rechtspopulistische Parteien könnten diesmal hohe Stimmanteile für sich verbuchen. Das wiederum könnte die Gesetzgebung und die Besetzung von Spitzenposten in Brüssel extrem verkomplizieren. Die großen Parteienfamilien der Christdemokraten und Sozialdemokraten müssen im Vergleich zur Wahl 2014 deutliche Verluste befürchten. Voraussichtlich werden sie im Parlament der Europäischen Union zusammen keine Mehrheit mehr haben, sondern auf Liberale, Grüne oder Linke angewiesen sein.

Im weiteren Wochenverlauf richten sich die Blicke dann wohl wieder Richtung Washington. "Die Schlüsselfrage ist, ob US-Präsident Donald Trump tatsächlich mit seiner Drohung, die US-Zölle auf alle noch nicht verzollten China-Importe auszuweiten, Ernst macht", sagte Robert Greil, der Chefstratege der Privatbank Merck Finck. "Unser Basisszenario ist aber weder diese Eskalation noch eine schnelle Einigung etwa auf dem G20-Gipfel Ende Juni." Vielmehr hält der Experte einen länger andauernden Handelsstreit zwischen den USA und China ohne einen umfassenden Deal für am wahrscheinlichsten.

Etwas Zuversicht verbreitet Analyst Markus Reinwand von der Landesbank Helaba. Seiner Meinung nach hat die Nervosität an den Märkten noch nicht frühere Spitzenwerte erreicht: "Das Gros der Aktieninvestoren geht offensichtlich davon aus, dass trotz der jüngsten Zuspitzung im Handelsstreit noch eine Verhandlungslösung gefunden wird." So zeigten die Kursreaktionen an den Aktienmärkten rund um den Globus, dass unter einem scharfen Handelskonflikt alle Beteiligten leiden würden. "Es wäre daher verfrüht, bei Aktien die Reißleine zu ziehen."

Der technische Analyst Andreas Büchler von Index-Radar warnte derweil, aus den jüngsten Kursverlusten des deutschen Leitindex Dax voreilige Schlüsse zu ziehen. "Es kann immer noch gut sein, dass Marktteilnehmer sich auf einen neuen, langsamer steigenden Trend verständigen." Erst wenn Käufer auch deutlich unterhalb der 11 850er-Marke immer noch ausblieben, sei eine Neubewertung der Lage erforderlich. Solange es nicht soweit komme, sei eine Erholung in Richtung 12 200 Punkte für die nächsten Tage eine mögliche Option.

Ansonsten dürfte das Marktgeschehen in ruhigen Bahnen verlaufen. Am Montag fehlen wegen des US-Feiertages "Memorial Day" Impulse von der Wall Street und am Donnerstag wird hierzulande Christi Himmelfahrt gefeiert. Die Frankfurter Börse bleibt aber geöffnet.

Zu den konjunkturellen Highlights der neuen Woche zählt Postbank-Ökonom Heinrich Bayer die Veröffentlichung der deutschen Verbraucherpreise am Freitag. Nach einem besonders starken Anstieg im April dürften sich diese im Mai wieder moderater entwickelt haben. Einen Blick wert ist an diesem Tag auch der Chicago-Einkaufsmanagerindex, der als ein Gradmesser der Konjunkturentwicklung in den Vereinigten Staaten gilt.

Schließlich präsentieren hierzulande noch einige Nachzügler der Berichtssaison ihre Geschäftszahlen. Den Anfang macht am Dienstag unter anderem der Nutzfahrzeug-Zulieferer Jost Werke . Am Mittwoch folgen dann zum Beispiel der Bremsenspezialist Knorr , der Start-up-Investor Rocket Internet und der Gewerbeimmobilien-Spezialist Aroundtown . Zum Wochenschluss am Freitag legt der Maschinenbauer Isra Vision seine Zahlen vor./la/bek/he

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---

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