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APA ots news: Kreditkunden profitieren vom Wettbewerb zwischen Banken

23.07.2019 um 10:10 Uhr

Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das
Kreditgeschäft vom Juli 2019

Wien (APA-ots) - Im zweiten Quartal 2019 konnten sich Unternehmen und
private Haushalte in Österreich aufgrund der Konkurrenzsituation auf
dem Kreditmarkt zu niedrigeren Zinsen als im Vorquartal verschulden.
Das zeigen die Ergebnisse der vierteljährlichen Umfrage über das
Kreditgeschäft im Euroraum, in der führende Banken nach ihren
Einschätzungen gefragt werden.

Die an der Umfrage teilnehmenden Banken gaben an, dass der anhaltende
Wettbewerbsdruck zu geringeren Margen bei neu abgeschlossenen
Krediten an Unternehmen und neu abgeschlossenen Wohnbaukrediten an
private Haushalte geführt hat. Margen sind Aufschläge auf
Referenzzinssätze (wie z.B. den Euribor) und bestimmen gemeinsam mit
diesen die Höhe der Kreditzinsen. Niedrigere Margen senken die
Kreditzinsen und begünstigen die Kreditkunden, drücken aber die
Zinserträge der Banken.

Vom wettbewerbsbedingten Druck auf die Margen berichten die Banken
bereits seit 2016. Dadurch günstiger gewordene Kreditkonditionen
kommen allerdings nur Kunden mit entsprechender Bonität zugute. Für
risikoreichere Kredite sowie für Konsumkredite und sonstige Kredite
an private Haushalte haben die Banken die Margen nicht gesenkt.

Auch wenn die Margen ab 2016 kontinuierlich reduziert worden sind,
werden die derzeit im langfristigen Vergleich außergewöhnlich
niedrigen Kreditzinsen jedoch vor allem durch die Geldpolitik des
Eurosystems verursacht. Das Zinsniveau hat sich - infolge der
Senkungen der Leitzinsen ab Oktober 2008 und der unkonventionellen
Maßnahmen des Eurosystems - deutlich nach unten verschoben. Die
Zinsen für Neukredite an Unternehmen sowie an private Haushalte für
Wohnbau sind seit Oktober 2008 um etwa 4 Prozentpunkte gefallen. Der
Referenzzinssatz Euribor, an den viele variabel verzinste Kredite
gebunden sind, ist seit Februar 2016 in allen Fristigkeiten negativ.

Abgesehen von den gesunkenen Margen blieben die Kreditbedingungen
(Konditionen des Kreditvertrags) insgesamt im zweiten Quartal 2019
weitgehend unverändert - sowohl im Unternehmenskunden- als auch im
Privatkundengeschäft. Die Kreditrichtlinien (interne Kriterien der
Banken für die Kreditvergabe) für Unternehmenskredite wurden seit
Mitte 2015 kaum geändert. Hier kam es aber im zweiten Quartal 2019 zu
einer Verschärfung der Richtlinien für Kredite an private Haushalte
(Wohnbaukredite sowie Konsum- und sonstige Kredite) aufgrund einer
gesunkenen Risikotoleranz der Banken. Bei Wohnbaukrediten waren die
Richtlinien auch schon im ersten Quartal 2019 verschärft worden.

Die Jahre von 2016 bis 2018 waren nicht nur von sinkenden Margen
gekennzeichnet, sondern auch von einer äußerst starken Nachfrage nach
Unternehmenskrediten, die vor allem vom zunehmenden
Finanzierungsbedarf heimischer Unternehmen getrieben war. Die sich
derzeit abschwächende Investitionsdynamik schlägt sich auch in der
Entwicklung der Kreditnachfrage nieder. Im ersten Quartal 2019 kam es
- ausgehend von einem hohen Niveau - zu einem Rückgang, im zweiten
Quartal stagnierte die Nachfrage nach Unternehmenskrediten auf dem
Niveau des Vorquartals. Für das dritte Quartal 2019 erwarten die an
der Umfrage teilnehmenden Banken eine Fortsetzung der Stagnation.

Im Privatkundengeschäft (Wohnbaukredite, Konsumkredite und sonstige
Kredite) hat sich die Kreditnachfrage seit Ende 2017 kaum verändert.
Für das dritte Quartal 2019 wird jedoch ein Anstieg der Nachfrage
nach Wohnbaukrediten erwartet.

Abseits von Angebot und Nachfrage im Kreditgeschäft haben sich die
Refinanzierungsbedingungen der österreichischen Banken im zweiten
Quartal 2019 weiter verbessert. Hervorzuheben sind ein Anstieg der
kurzfristigen Einlagen und verbesserte Refinanzierungsmöglichkeiten
mit mittel- bis langfristigen Anleihen.

Schwerpunktthema der Umfrage waren diesmal die Effekte
regulatorischer Aktivitäten auf die Banken und ihr Kreditgeschäft.
Als Folge von Aufsicht und Regulatorik haben die Banken im ersten
Halbjahr 2019 demnach ihre Aktiva insgesamt und risikogewichtet
weiter erhöht sowie ihre Eigenkapitalbasis - vor allem über
einbehaltene Gewinne - weiter gestärkt.

Schließlich wurden die an der Umfrage teilnehmenden Banken noch zum
Einfluss notleidender Kredite befragt. Diese spielen für das
Kreditvergabeverhalten der österreichischen Banken keine Rolle. Der
Anteil notleidender Kredite an den Gesamtkrediten ist in Österreich
niedriger als im Durchschnitt des Euroraums bzw. der EU insgesamt
(siehe Supervisory Banking Statistics der EZB und EBA Risk
Dashboard).

GRUNDLEGENDE ERLÄUTERUNGEN:
Die Zentralbanken des Euroraums - in Österreich die Oesterreichische
Nationalbank (OeNB) - führen gemeinsam mit der Europäischen
Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über
das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über
das Kreditvergabeverhalten der Banken, die Kreditnachfrage von
Unternehmen und privaten Haushalten, sowie sonstige die Geldpolitik
betreffende Themen zu verbessern. Dabei wurden zuletzt 144 führende
Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter acht
Institute aus Österreich.

Eine ausführliche Darstellung der österreichischen Ergebnisse wird in
Statistiken - Daten & Analysen Q3/2019 und vorab auf der OeNB-Website
veröffentlicht. Dort finden sich auch weitere Informationen und Daten
zu den Österreich-Ergebnissen der Umfrage:
www.oenb.at/Geldpolitik/Erhebungen/umfrage-ueber-das-kreditgeschaeft

Die Resultate für den Euroraum werden von der EZB auf ihrer Website
publiziert:
www.ecb.europa.eu/stats/money/surveys/lend/html/index.en

Rückfragehinweis:
Oesterreichische Nationalbank
Dr. Christian Gutlederer
Pressesprecher
(+43-1) 404 20-6900
christian.gutlederer@oenb.at
www.oenb.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/156/aom

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OTS0045 2019-07-23/10:04

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