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Aktien Frankfurt: Gewinne dank Aussicht auf Zolldeal und Johnson-Wahlsieg

13.12.2019 um 14:57 Uhr

FRANKFURT (dpa-AFX) - Weichenstellungen in die richtige Richtung beim Zollstreit und dem Brexit machen Anlegern zu Wochenschluss ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk. Der Dax stieg phasenweise über die Marke von 13 400 Punkte, wo er ein neues Hoch seit Januar 2018 erreichte. Nach dem Mittag ließ der Schwung aber etwas nach. Zuletzt gewann der Leitindex noch 1,03 Prozent auf 13 357,31 Punkte. Im Wochenverlauf steuert er damit auf ein Plus von etwa eineinhalb Prozent zu.

Aktienanleger honorierten es, dass sich beim Zollstreit und dem Brexit die ersehnten Tore für einen Ausweg aus der jeweiligen Hängepartie öffnen. "Mit dem klaren Wahlsieg der Tories und dem wohl unmittelbar bevorstehenden Deal zwischen den USA und China hat sich die politische Unsicherheit erst einmal verflüchtigt", kommentierte Analyst Markus Reinwand von der Helaba das Geschehen.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete unter Berufung auf Kreise, US-Präsident Donald Trump habe einem Zollstreit-Deal mit China zugestimmt. Damit könnte die für Sonntag geplante US-Zollerhöhung für Importe aus China vom Tisch sein. In Großbritannien hat Premier Boris Johnson laut dem Marktexperten Jochen Stanzl von CMC Markets nun das britische Volk hinter sich, um den Austritt aus der Europäischen Union sicher vollziehen zu können.

Die guten Nachrichten verhalfen dem MDax am Freitag mit 27 899 Punkten zu einer neuen historischen Bestmarke. Zuletzt stieg er um 1,37 Prozent auf 27 889,57 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx rückte um 1,1 Prozent vor auf sein höchstes Niveau seit Mai 2015.

Einen Freifahrtschein für eine weitere Bergfahrt des Dax, der seinen bisherigen Rekord bei 13 596 Punkten hat, wollen Experten jedoch nicht ausstellen. Laut dem Anlagestrategen Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank gibt es ohne eine offizielle Bestätigung im Zollstreit sogar Rückschlagsrisiken. Auch das Brexit-Thema wähnt er eher "in kurzer Euphorie gelöst". Er ergänzte einschränkend, dass "nach dem Brexit vor den Nach-Brexit-Verhandlungen" sei.

Allgemein wurden konjunkturabhängige Werte wie etwa der Autosektor von der Nachrichtenlage angetrieben. Die Volkswagen -Aktien nahmen mit einem Kurssprung um 3,5 Prozent die Dax-Spitze ein. Mit dem ganzen Chipsektor setzten Infineon ihre jüngste Rally um knapp 2 Prozent fort. Analyst Janardan Menon von Liberum Research sieht die Halbleiterbranche am Freitag als starker Profiteur eines sich abzeichnenden Zolldeals.

Allerdings gab es auch einen deutlichen Ausreißer mit der Henkel -Aktie, die am Dax-Ende wegen mauer Geschäftsaussichten um fast 4 Prozent fiel und damit auch die knapp im Minus liegende Aktie des Konkurrenten Beiersdorf ausbremste. Henkel-Chef Hans Van Bylen bereitete die Investoren auf ein weiteres schwaches Geschäftsjahr 2020 vor. Goldman Sachs-Analyst John Ennis strich daraufhin seine Kaufempfehlung für die Papiere.

Bei den Nebenwerten sorgten zwei Übernahmen für Gesprächsstoff. Beim Essenslieferdienst Delivery Hero katapultierte ein milliardenschwerer Zukauf in Südkorea die Papiere mit fast 24 Prozent ins Plus, erstmals in ihrer Geschichte wurden sie zu Kursen jenseits der 60-Euro-Marke gehandelt. Dabei begeisterte die Aktionäre die Hoffnung auf kräftiges Wachstum in Asien.

Auch beim SDax -Unternehmen Jost Werke kam eine Übernahme bei den Anlegern mit einem Kursplus von 5 Prozent sehr gut an. Der Lkw-Zulieferer will sein Geschäft in der Agrarindustrie mit dem schwedischen Landmaschinenhersteller Alö Holding ausweiten. Laut Händlern wird Jost damit weniger anfällig für Konjunkturschwankungen.

Am Devisenmarkt stand am Freitag nach dem Wahlausgang vor allem das starke britische Pfund im Mittelpunkt. Auch der Euro stieg in der Spitze bis an die Marke von 1,12 US-Dollar. Zuletzt wurde dann mit 1,1169 Dollar wieder etwas weniger für ihn bezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,1137 Dollar festgesetzt.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,33 Prozent am Donnerstag auf minus 0,26 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,38 Prozent auf 143,94 Punkte. Der Bund-Future gab leicht um 0,13 Prozent auf 171,52 Punkte nach./tih/jha/

--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---

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