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ROUNDUP 2: Orkan 'Sabine' bremst Deutschland aus - aber eher geringe Schäden

10.02.2020 um 09:42 Uhr

(neu: mehr Details und Hintergrund)

BERLIN (dpa-AFX) - Auf seinem Weg über Deutschland hat Orkan "Sabine" den Verkehr schwer getroffen, aber nur vergleichsweise leichte Schäden angerichtet. In den meisten Fällen bekamen es die Einsatzkräfte mit umgestürzten Bäumen zu tun. Vor allem in Nordrhein-Westfalen wurden Menschen von umstürzenden Bäumen oder herumfliegenden Gegenständen verletzt. In Frankfurt am Main knickte ein Baukran ab, sein Ausleger krachte in das Dach des Doms. In Bayern waren Zehntausende Menschen über Stunden ohne Strom, nachdem Äste auf Leitungen gestürzt waren.

Für Bayern und Baden-Württemberg galt am frühen Vormittag noch die zweithöchste Unwetterwarnstufe, für einige Regionen sogar die höchste
- hier war weiterhin "extremes Unwetter" zu erwarten.

Auf den Schienen in Deutschland ging zum Start in Arbeitswoche kaum etwas: Der Fernverkehr sollte bis mindestens 10.00 Uhr stillstehen, die Deutsche Bahn erwartete Störungen noch den ganzen Montag über. Auch der regionale Bahnverkehr stand in vielen Bundesländern flächendeckend still: "Je nach Lage des Orkans wird im Laufe des Vormittags der Verkehr wieder aufgenommen", hieß es in Bayern.

Die Bahn schickte nach der Sturmnacht Einsatztrupps mit Räumgerät und Kettensägen auf die Strecken. "Wir rechnen damit, dass im Laufe des Vormittags erste Stecken wieder befahrbar sind", sagte eine Sprecherin in Nordrhein-Westfalen.

An den Flughäfen fielen Hunderte Starts und Landungen aus, hier war vor allem der Münchner Airport betroffen. Am Morgen kündigte die Fluggesellschaft Eurowings an, den Flugbetrieb ab 10.00 Uhr schrittweise wiederaufzunehmen.

Vergleichsweise entspannt war die Lage auf den Autobahnen: Der WDR meldete um 7.50 Uhr in ganz Nordrhein-Westfalen knapp 140 Kilometer Stau - das ist eher wenig für einen Montagmorgen. "Vielleicht arbeiten heute einige von zu Hause aus oder nehmen Urlaub", spekulierte ein Sprecher der Polizei. Auf der A4 bei Kerpen und der A45 bei Hagen blockierten am Morgen noch Bäume die Fahrbahn.

Vor großen Problemen standen am Morgen Eltern von Schul- und Kindergartenkindern: Etliche Städte ließen den Unterricht an ihren Schulen ausfallen - darunter die Großstädte Köln, Düsseldorf, Dortmund und Bremen, auch Teile von Bayern, Hessen, Niedersachsen und Baden-Württemberg waren betroffen. Etliche Kindertagesstätten blieben ebenfalls ganz geschlossen oder boten nur eine Notbetreuung an. Viele Eltern mussten kurzfristig Alternativen organisieren oder freinehmen.

In nahezu ganz Deutschland berichteten die Leitstellen der Polizei von einer Vielzahl an umgestürzten Bäumen, die zum Teil auf geparkte Autos gestürzt waren. Bauzäune wurden umgerissen, Werbetafeln umhergeweht, Klohäuschen stürzten um, Trampoline flogen durch die Gegend. In vielen Regionen hielten sich die Schäden aber in Grenzen. In Solingen klang das Aufatmen in einer Pressemitteilung der Stadt so: "Sabine war wohl doch nur ein Sabinchen."

In Hamburg zählte die Feuerwehr bis zum Morgen etwa 300 Einsätze. Eine Kastanie krachte am Sonntagabend auf ein Einfamilienhaus, Dach und zwei Wände stürzten ein, verletzt wurde niemand.

In Mülheim an der Ruhr hatten zwei Insassen eines Autos riesiges Glück: Ein 25 Meter hoher Baum erwischte ihren fahrenden Wagen im hinteren Bereich. Nur leicht verletzt kamen sie in ein Krankenhaus. "Wäre das Fahrzeug nur eine Sekunde eher an der Stelle gewesen, hätte es wesentlich schlimmer ausgehen können", erklärte die Feuerwehr. In Paderborn wurde ein 16-Jähriger durch einen herabstürzenden Ast schwer am Kopf verletzt.

Zwei Menschen am Klinikum Saarbrücken wurden am späten Sonntagabend durch einen umstürzenden Baum schwer verletzt, einer der beiden schwebte am Montag noch in Lebensgefahr.

In Bayern waren am Morgen rund 50 000 Haushalte ohne Strom. Ursache seien meistens Bäume oder Äste, "die Stromleitungen berühren oder beschädigen", teilte die Bayernwerk AG mit.

Sturmflutgefahr herrscht ab dem Nachmittag an der Nordseeküste, in Bremen und Hamburg, auch der Hamburger Fischmarkt könnte überflutet werden. Die Nordseeinseln Wangerooge, Langeoog, Baltrum und Helgoland waren am Vormittag weiter nicht per Schiff zu erreichen.

"Sabine" ist laut DWD ein Winterorkan, wie er etwa alle zwei Jahre vorkommt. So stark wie "Kyrill" (2007) oder "Lothar" (1999) war "Sabine" aber nicht. Allerdings ließ sie es auf dem Feldberg im Schwarzwald mit Böen von mehr als 170 Stundenkilometern stürmen. Um 7.00 Uhr am Montagmorgen seien dort 177 Stundenkilometer registriert worden, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mit. Auch auf dem Brocken im Harz stürmte es heftig: Dort gab es um 4.00 Uhr Böen mit 171 Stundenkilometern.

Ein British-Airways-Flugzeug mit Sturm im Rücken stellte am Sonntag einen Rekord auf: Es überquerte den Atlantik von New York nach London Heathrow in nur 4 Stunden und 56 Minuten. Diese Zeit unterboten bislang nur frühere Überschallverbindungen./mda/DP/jha

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