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ROUNDUP: Bayer zeigt sich für 2020 vorsichtig - Glyphosat-Streit weiter im Fokus

27.02.2020 um 11:16 Uhr

LEVERKUSEN (dpa-AFX) - Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer erwartet im laufenden Jahr mehr Umsatz und Gewinn. Dabei setzt der Konzern auf Zuwächse in der Pharmasparte und ein wieder besseres Agrargeschäft, das zuletzt unter schwierigen Bedingungen gelitten hatte. Allerdings geht Bayer damit vorsichtiger ins neue Jahr als von Experten erhofft. Mögliche Folgen der Coronavirus-Epidemie sind bei der Prognose zudem noch nicht berücksichtigt. Überschattet wird die Entwicklung weiter vom US-Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat. Hier stieg die Zahl der Klagen weiter. Die Lösung des Streits könnte Bayer Milliarden kosten. Die Aktien gerieten daher am Donnerstag unter Druck.

Der Umsatz des fortzuführenden Geschäfts soll 2020 vor Wechselkurseffekten um drei bis vier Prozent auf etwa 44 bis 45 Milliarden Euro wachsen, wie der Dax-Konzern am Donnerstag in Leverkusen mitteilte. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereinflüssen sollen 12,3 bis 12,6 Milliarden Euro hängen bleiben, was ebenfalls mehr wäre als im Vorjahr. Der Markt hatte sich jedoch mehr erhofft. Analyst Richard Vosser von der Bank JPMorgan rechnet damit, dass die durchschnittlichen Markterwartungen nun etwas sinken dürften.

Die Bayer-Aktien fielen am späten Vormittag um mehr als drei Prozent. In einem schwachen Gesamtmarkt war das Minus damit größer als das des Dax . Mit 67,50 Euro kosten die Papiere aber immer noch deutlich mehr als zum Mehrjahrestief von 52,02 Euro vergangenen Juni. Wesentlicher Treiber der Erholung ist die Hoffnung auf eine Lösung des Glyphosat-Streits.

Im abgelaufenen Jahr konnte Bayer die Markterwartungen indes erfüllen. Dabei profitierten die Leverkusener im Schlussquartal von deutlichen Zuwächsen im Pharmageschäft. Hier brummte insbesondere das Geschäft mit den Verkaufschlagern Xarelto und Eylea. Der Blutgerinnungshemmer und das Augenmedikament sind schon länger die umsatzstärksten Wachstumstreiber der Pharmasparte. Zudem erholte sich das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten der Sparte Consumer Health auch dank Kostensenkungen weiter.

Im Gesamtjahr 2019 stieg der Konzernumsatz um 18,5 Prozent auf 43,5 Milliarden Euro und das bereinigte Ebitda legte um 28 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro zu. Die großen Sprünge sind dabei aber vor allem der Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto zu verdanken.

Unter dem Strich blieben mit 4,09 Milliarden Euro 141 Prozent mehr als vor einem Jahr hängen. Darin enthalten ist auch der Gewinn aus der Veräußerung der Beteiligung am Chemieparkbetreiber Currenta in Höhe von 1,6 Milliarden Euro. Zudem hatten im Vorjahr noch Abschreibungen auf eine doch nicht benötigte Fabrik zur Herstellung eines Blutgerinnungsfaktors in Wuppertal sowie hohe Kosten für die Übernahme von Monsanto belastet. Die Dividende soll trotz des Gewinnsprungs unverändert bei 2,80 Euro je Aktie bleiben.

Im Fokus von Investoren bleibt derweil der US-Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter. Die Zahl der Klagen wuchs weiter, wenngleich lange nicht mehr so schnell wie zuletzt noch. Bis zum 6. Februar wurden laut Unternehmensinformationen etwa 48 600 Klagen zugestellt.

Der Kauf von Monsanto bringt Bayer viel Kritik von den Anlegern ein, weil sich der Dax-Konzern damit milliardenhohe Rechtsrisiken ins Haus geholt hatte. Nach Niederlagen in den ersten drei Prozessen drohen hohe Schadenersatzzahlungen. Der Konzern will die Schuldsprüche in Berufungsverfahren aufheben lassen. Hinter den Kulissen laufen aber auch Vergleichsgespräche unter Führung des Mediators und Staranwalts Ken Feinberg auf Hochtouren. Alle weiteren Verfahren wurden daher vertagt, um den Streitparteien Zeit für Verhandlungen zu verschaffen. Die meisten Analysten rechnen mit einem milliardenschweren Vergleich. Experte Markus Mayer von der Baader Bank hält eine Lösung bis zur Hauptversammlung Ende April für wahrscheinlich.

Im Zusammenhang mit dem Rechtsstreit wies Bayer nun auch formal auf die Risiken hin. Im Zuge der Verfahren könnten bei einer Verurteilung, aber auch durch außergerichtliche Vergleiche erhebliche finanzielle Nachteile entstehen, heißt es im Risikobericht des Konzerns. Es könnte zusätzlicher Finanzbedarf entstehen, der eventuell auch durch eine Kapitalerhöhung oder einen Verkauf von Unternehmensteilen gedeckt werden müsste./mis/nas/jha/

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