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ROUNDUP: Heidelberger Druck stellt Produkte ein und will 2000 Stellen streichen

17.03.2020 um 19:53 Uhr

HEIDELBERG (dpa-AFX) - Die Heidelberger Druckmaschinen AG baut erneut um, um die Kosten zu senken und die ProfitabilitĂ€t zu verbessern. Dazu gehört auch die Einstellung von verlusttrĂ€chtigen GeschĂ€ften und der Abbau von bis zu 2000 Stellen weltweit, wie das Unternehmen am Dienstag in Heidelberg mitteilte. Der Abbau solle so sozialvertrĂ€glich wie möglich gestaltet werden. Das Maßnahmenpaket dĂŒrfte das GeschĂ€ftsjahr 2019/20 mit insgesamt rund 300 Millionen Euro belasten. Im KerngeschĂ€ft soll der Fokus kĂŒnftig auf der Digitalisierung liegen. Die Aktie legte nachbörslich auf Tradegate um 5 Prozent zu.

Insgesamt will Heidelberger Druck von Bereichen mit einem Verlust von insgesamt 50 Millionen Euro trennen. Betroffen sind die Produkte Primefire im Digitaldruck sowie das Großformat im Bogenoffsetdruck, die bis bis spĂ€testens Ende 2020 eingestellt werden sollen. Durch die Konzentration auf das rentable KerngeschĂ€ft und die Kostensenkungen soll eine Verbesserung des operativen Ergebnisses (Ebitda) ohne Restrukturierungsergebnis von 100 Millionen Euro realisiert werden, hieß es

Die Einmalaufwendungen fĂŒr das Maßnahmenpaket sowie das sich wegen der Corona-Pandemie zunehmend verschlechternde wirtschaftliche Umfeld werden dem Unternehmen zufolge jedoch das laufende GeschĂ€ftsjahr 2019/20 deutlich stĂ€rker belasten als bislang erwartet. So mĂŒsse damit gerechnet werden, dass der Umsatz deutlich unter dem Vorjahreswert von rund 2,5 Milliarden Euro liegen werde und damit die bisher prognostizierte Bandbreite des operativen Ergebnis (Ebitda) ohne Restrukturierungsergebnis und ohne den Einmalertrag aus dem Verkauf von AktivitĂ€ten von 5,5 bis 6,0 Prozent nicht mehr erreicht werden könne. Heidelberger Druck hatte in diesem Jahr bereits zweimal seine Prognose gesenkt.

Inklusive der Belastungen aus der Neuausrichtung dĂŒrfte der Konzern einen Nachsteuerverlust in Höhe der Restrukturierungsaufwendungen von 300 Millionen Euro erreichen, hieß es. Substanzielle positive Effekte aus dem Umbau erwartet das Management erst ab 2021/22. Das kommende GeschĂ€ftsjahr werde ein "Übergangsjahr", in dem unter dem Strich nochmals ein Verlust anfallen könnte.

Die Neuausrichtung sei ein "einschneidender Schritt" fĂŒr Heidelberger Druck, so Vorstandsvorsitzender Rainer Hundsdörfer. Er sei jedoch notwendig, um das Unternehmen wieder in die "Erfolgsspur" zu bringen. Heidelberger Druck hat in den vergangenen Jahren im Zuge der Digitalisierung der Druckindustrie bereits mehrere Umbauten angestoßen.

Der Konzern will zudem seine LiquiditĂ€t deutlich verbessern. Um die Restrukturierung zu finanzieren und die finanzielle StabilitĂ€t zu erhöhen will Heidelberger Druck einen Teil der LiquiditĂ€tsreserven von rund 375 Millionen Euro aus dem Treuhandvermögen des 2005 gegrĂŒndeten Heidelberg Pension-Trust zurĂŒckfĂŒhren. So will das Unternehmen seine Finanzierungsstruktur durch den Abbau von Verbindlichkeiten deutlich verbessern, insbesondere durch die vorzeitige RĂŒckfĂŒhrung einer Hochzinsanleihe mit einem Volumen von 150 Millionen Euro.

"Wir befreien uns in einem Schritt von der drĂŒckenden Schuldenlast und können gleichzeitig in den kommenden 18 Monaten die notwendige operative Neuausrichtung konsequent umsetzen", sagte Finanzvorstand Marcus Wassenberg. "Damit machen wir uns kurzfristig krisenfest und verbessern die ProfitabilitĂ€t deutlich." Das Finanzierungskonzept werde von den Arbeitnehmervertretern und der Gewerkschaft sowie auch von allen kreditgebenden Banken mitgetragen./nas/he

HEIDELBERG.DRUCKMA.O.N. Chart
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