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ROUNDUP: Mehr neue WindrÀder gebaut - aber noch lange kein altes Niveau

09.04.2020 um 06:04 Uhr

BERLIN (dpa-AFX) - Der Zubau neuer WindrĂ€der an Land hat seit Jahresbeginn Fahrt aufgenommen. Das notwendige Tempo beim Ausbau auf dem Niveau frĂŒherer Jahre aber ist aus Branchensicht lĂ€ngst nicht erreicht. Im ersten Quartal wurden bundesweit 107 neue Windenergieanlagen in Betrieb genommen mit einer Gesamtleistung von 348 Megawatt - das war etwa 2,5 mal so viel wie im Vorjahresquartal, wie aus vorlĂ€ufigen Zahlen der Fachagentur Windenergie an Land hervorgeht. Sie liegen der Deutschen Presse-Agentur vor.

Weil auch Anlagen stillgelegt wurden, liegt der sogenannte Nettozubau von Januar bis Ende MÀrz bei 66 Anlagen mit einer Leistung von 309 Megawatt. Neue WindrÀder haben deutlich mehr Leistung als alte. Die meisten neuen Anlagen gingen in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ans Netz.

Dass nun wieder mehr Anlagen in Betrieb genommen wurde, liegt nach Auskunft der Fachagentur daran, dass es 2017 viele ZuschlÀge gab. Im Mittel vergingen aber zwei Jahre, bis die Anlagen in Betrieb gehen.

Die Zubau-Situation liegt nach Auskunft der Fachagentur allerdings weit hinter dem zurĂŒck, was in den Jahren 2015 bis 2018 jeweils im ersten Quartal in Betrieb genommen wurde - im Durchschnitt waren es seinerzeit 315 neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von 916 Megawatt. Die Zahl der in den ersten drei Monaten neu genehmigten, aber noch nicht in Betrieb genommenen Windenergieanlagen stagnierte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Der PrĂ€sident des Bundesverbands Windenergie, Hermann Albers, sagte der dpa: "Wir sind weit weg von dem, was die Branche leisten könnte. Der energiewirtschaftlich und klimapolitisch viel zu geringe Zubau gefĂ€hrdet die Ziele der Bundesregierung und fĂŒhrt direkt in die ÖkostromlĂŒcke." Trotz Corona-Krise mĂŒsse jetzt gehandelt werden. Die Aufgabenliste lasse sich auch im Homeoffice abarbeiten. "Die Branche braucht kein Geld, sondern den Abbau von Hemmnissen." So mĂŒssten BestandsflĂ€chen gesichert, Verfahren gestrafft und verkĂŒrzt werden.

Im vergangenen Jahr waren nach Angaben der Windkraft-Branche so wenige Windkraftanlagen an Land hinzugekommen wie noch nie, seit die Energiewende mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz im Jahr 2000 auf den Weg gebracht wurde. Wie BranchenverbÀnde mitgeteilt hatten, wurden 2019 nur 325 neue Windkraftanlagen mit 1 078 Megawatt neu gebaut. Das waren 55 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Weil auch Anlagen abgebaut wurden, stieg die Zahl insgesamt um 243 WindrÀder auf deutschlandweit rund 29 500.

Die Branche hĂ€lt aber einen Zubau von rund 5 000 Megawatt pro Jahr nötig, um auf einen Anteil des Ökostroms am Stromverbrauch von 65 Prozent Ökostrom bis 2030 zu kommen. Das ist das Ziel der Bundesregierung, 2019 lag der Anteil bei mehr als 42 Prozent.

Als HauptgrĂŒnde fĂŒr die Ausbaukrise gelten lange Genehmigungsverfahren fĂŒr Windparks und zu wenig ausgewiesene FlĂ€chen. Außerdem gibt es vor Ort zum Teil heftige Proteste gegen WindrĂ€der.

Am Ökostrom-Ausbau hĂ€ngt die gesamte Energiepolitik der Bundesregierung. Ende 2022 soll das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen, derzeit wird zudem der Kohleausstieg bis spĂ€testens 2038 organisiert. Vor allem ĂŒber das Thema Akzeptanz von WindrĂ€dern streitet die Koalition seit Monaten. Ein Konflikt in der großen Koalition darĂŒber, wie genau eine bundesweite Regelung zum Mindestabstand von 1 000 Metern zwischen WindrĂ€dern und WohnhĂ€usern gestaltet werden soll, ist seit Monaten ungelöst.

Mitte MĂ€rz waren KoalitionsgesprĂ€che zum Ökostrom-Ausbau erneut gescheitert. Daraufhin hatten Bund und LĂ€nder sich auf eine Arbeitsgruppe verstĂ€ndigt, die den Durchbruch bringen soll. Ein Termin dafĂŒr ist noch nicht bekannt./hoe/DP/stk

VESTAS WIND SYST. NAM.DK1 Chart
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