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ROUNDUP: Chiphersteller Infineon bekommt Corona-Krise zu spüren - Trübe Prognose

05.05.2020 um 08:59 Uhr

NEUBIBERG (dpa-AFX) - Der Chiphersteller Infineon rechnet im laufenden Geschäftsjahr wegen der Corona-Pandemie mit einem Umsatzrückgang. 2020 dürften die Erlöse mit 7,6 Milliarden Euro um 5 Prozent niedriger liegen als im Vorjahr, teilte der Dax-Konzern am Montagabend in Neubiberg mit. Inklusive des kürzlich übernommenen US-Konkurrenten Cypress Semiconductor soll der Umsatz bei etwa 8,4 Milliarden Euro liegen, plus oder minus 5 Prozent. Die Segmentergebnis-Marge soll rund 12 Prozent erreichen. Im vergangenen Jahr waren die Erlöse auf rund 8 Milliarden Euro gestiegen, die operative Marge hatte 16,4 Prozent erreicht.

Am Kapitalmarkt kamen die Nachrichten zunächst gut an. Auf der Handelsplattform Tradegate lag die Infineon-Aktie im Vergleich zum Xetra-Schluss des Vortages rund 4,3 Prozent im Plus. Im laufenden Jahr haben die Papiere im Zuge der Marktturbulenzen aber über ein Fünftel eingebüßt.

Erst im März hatte Infineon wegen der Corona-Krise seine ursprüngliche Prognose für 2020 zurückgezogen. Die Folgen der Pandemie seien nicht ausreichend abschätzbar, hieß es damals zur Begründung. Eigentlich wollte der Halbleiterspezialist sein Geschäft im laufenden Geschäftsjahr weiter ausbauen. Allerdings hatte Konzernchef Reinhard Ploss bereits vor der Corona-Pandemie mit einer schwierigen ersten Jahreshälfte gerechnet.

Nun machte er klar, wie deutlich die Halbleiterbranche die Auswirkungen der Pandemie spüre. Diese seien beispiellos. "Auch Infineon ist nicht immun gegen den massiven Rückgang der Weltwirtschaft", sagte der Manager, verwies auf Probleme bei den Lieferketten und in der Fertigung. Der Ausblick für das zweite Geschäftshalbjahr habe sich "deutlich eingetrübt". Infineon rechnet mit starken Umsatzrückgängen im Autogeschäft, mit dem der Konzern den Löwenanteil seiner Erlöse macht.

Bei den Investitionen will sich Infineon 2020 zurückhalten. Sie sollen leicht auf 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro sinken. Beim freien Zahlungsmittelfluss rechnet der Vorstand wegen der Cypress-Übernahme mit einem deutlich negativen Wert. Die Übernahme herausgerechnet, dürfte der Wert hingegen bei plus 100 bis 300 Millionen Euro liegen.

Im laufenden dritten Quartal soll der Umsatz nach der abgeschlossenen Cypress-Übernahme nun 1,9 bis 2,3 Milliarden Euro erreichen. Bei der Segmentergebnis-Marge erwartet die Infineon-Führung einen positiven mittleren einstelligen Prozentwert.

Dem Vorstand zufolge führten die durch die Corona-Krise verursachten "wirtschaftlichen Verwerfungen" zu einer deutlichen Unsicherheit bei der Prognose. Hierbei spielten der zeitliche Verlauf der weltweiten Infektionsraten und das Hochfahren des Geschäfts vor allem in der Autoindustrie eine große Rolle. Zudem komme es auf die Höhe und Wirksamkeit von Staatshilfen an.

Das übernommene Cypress-Geschäft geht der Mitteilung zufolge seit 16. April in die Konzernzahlen ein. Infineon erwartet für das verbleibende Geschäftsjahr, dass Cypress ein Umsatzvolumen von rund 0,8 Milliarden Euro generiert. Ploss zeigte sich zuversichtlich, dass der nach einer monatelangen Hängepartie geglückte, 9 Milliarden Euro schwere Zukauf Infineon einen großen Schritt voranbringt. Der Einfluss von Synergien werde aber kurzfristig noch nicht stark zu spüren sein.

Im abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal schnitt Infineon etwa so ab wie von Experten erwartet. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorquartal um rund vier Prozent auf fast zwei Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Segmentergebnis) sank hingegen um acht Prozent auf 274 Millionen Euro. Die Marge fiel von 15,5 auf 13,8 Prozent. Ohne Sondereffekte wäre sie aber leicht gestiegen.

Unter dem Strich brach der Konzernüberschuss um 15 Prozent auf 178 Millionen Euro ein. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sackte das Segmentergebnis sogar um 17 Prozent ab, der Überschuss ging um fast ein Viertel zurück. Dagegen verharrte der Umsatz auf Vorjahresniveau. Wegen der teils starken Schwankungen werden Geschäftszahlen in der Halbleiterbranche üblicherweise mit dem Vorquartal verglichen.

Aus Sicht von Analyst Sandeep Deshpande von der US-Bank JPMorgan fiel das zweite Geschäftsquartal von Infineon etwas besser aus als gedacht. Die Signale für das dritte Quartal seien aber deutlich schlechter. Das Vertrauen in die angepeilten Jahresziele erscheine recht gering, auch wenn der Vorstand im Schlussquartal mit einer Erholung rechne. Derweil passte Alexander Duval von der US-Investmentbank Goldman Sachs seine Schätzungen für die Bruttomarge und Betriebskosten geringfügig an, beließ die Einstufung aber auf "Buy".

Im abgelaufenen Jahresviertel konnte Infineon den Umsatz im immens wichtigen Automotive-Geschäft (ATV) im Vergleich zum Vorquartal zwar um 2 Prozent steigern, das Segmentergebnis brach aber um 24 Prozent ein. Auch in der PSS-Sparte, in der das Geschäft mit Chips für die Stromversorgung sowie Chips für mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets gebündelt ist, ging das Segmentergebnis um 5 Prozent zurück. Dagegen konnte Infineon im kleineren Segment Digitale Sicherheitslösungen (DSS) bei Umsatz und operativem Ergebnis zulegen. Im Geschäft mit Chips für die Industrie (IPC) blieb das Segmentergebnis zumindest stabil, während der Umsatz um 7 Prozent stieg./eas/stw/jha/

INFINEON TECH.AG NA O.N. Chart
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