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OTS: ING Deutschland / Analyse: Wie Krisen das Sparverhalten der Deutschen ...

03.06.2020 um 11:56 Uhr

Analyse: Wie Krisen das Sparverhalten der Deutschen verändern
Frankfurt am Main (ots) - Das aktuelle Jahrzehnt begann für deutsche Sparer mit
Ausbruch der Corona-Pandemie schon wieder im Zeichen der Krise. Zwar ist es
naturgemäß noch deutlich zu früh, um die langfristigen Auswirkungen der
Corona-Krise auf das Sparverhalten für die Zukunft zu quantifizieren. Allerdings
lassen sich klare Lehren aus bereits vergangenen Sparkrisen ziehen. Daher hat
die ING Deutschland das Sparverhalten der letzten 20 Jahre durch Barkow
Consulting analysieren lassen. Dazu wurden Daten der Deutschen Bundesbank und
der Europäischen Zentralbank (EZB) zu Vermögensentwicklung und Sparverhalten
detailliert ausgewertet.

Es zeigt sich: Für deutsche Sparer waren schon die letzten 20 Jahre mehr als
turbulent. In den betrachteten Zeitraum fallen nämlich nicht weniger als vier
handfeste Finanz- bzw. Sparkrisen: Die Dotcom-Krise (bzw. geplatzte Dotcom-Blase
2001 bis 2005), die Finanzkrise (2008/2009), die Eurokrise (2012/2013) und die
durch historisch niedrige Zinsen geprägte Zinskrise (2014 bis 2019). Im
Auswertungszeitraum gab es also kaum eine Phase, die aus Sparersicht als normal
bezeichnet werden konnte.

Krisen stellen Sparverhalten de facto auf den Kopf

Deutsche Sparer haben ihr Sparverhalten durch die Krisen der letzten 20 Jahren
nahezu vollständig umgestellt. Verglichen mit den Jahren 1999/2000, also die
Zeit vor der Dotcomkrise, investierten Sparer in der Zinskrise dramatisch mehr
in Bankeinlagen (+61%punkte), signifikant weniger in Versicherungen (-16%punkte)
und deutlich weniger in Wertpapiere (-30%punkte). Auch einzelne Krisen haben
sich erheblich auf das Anlageverhalten ausgewirkt. So haben die Deutschen sowohl
während der Finanzkrise (2008/09) als auch während der Eurokrise (2012/13) in
erheblichem Umfang Wertpapiere (Fonds, Anleihen und Aktien) verkauft.

Geplatzte Dotcom-Blase wirft Aktienkultur um Jahre zurück

Die ohnehin schwache Aktienkultur in Deutschland erlebte mit dem Platzen der
Dotcom-Blase einen empfindlichen Rückschlag. In der Konsequenz hat der deutsche
Sparer fünf Jahre gebraucht, um wieder mehr in Aktien zu investieren. Auch
während der Eurokrise 2012 und 2013 kam es erneut zu Abflüssen. Erst seit dem
Jahr 2014 investieren deutsche Sparer wieder kontinuierlich, wenn auch in
geringerem Umfang, in Aktien. 2019 lagen Aktieninvestments mit 14 Mrd. Euro
immerhin auf dem höchsten Stand der letzten drei Jahre.

Finanzkrise macht Anleihen zum Auslaufmodell

Keine Anlageform hat es während der vergangenen 20 Jahre so hart getroffen wie
Anleihen. Während deutsche Sparer in den Jahren vor dem Ausbruch der Finanzkrise
bis zu 40 Mrd. Euro p.a. neu in Anleihen investiert haben, folgte im Jahr 2008
ein abrupter Einbruch. Die Sparer haben seitdem in fast jedem Jahr - teilweise
in erheblichem Umfang - Geld aus Anleihen abgezogen. Lediglich 2018 kam es zu
minimalen Mittelzuflüssen. Als Ergebnis hat sich der Anleiheanteil am
Finanzvermögen der Deutschen in den letzten 20 Jahren auf unter 2% gedrittelt.
Als Anlage für private Haushalte spielen Anleihen daher aktuell fast keine Rolle
mehr.

Zinskrise treibt Fonds-Investments

Auch Fonds und Sparer waren schon einmal engere Freunde. So investierten
deutsche Sparer auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase im Jahr 2000 Rekordmittel von
50 Mrd. Euro in Fonds. Dies entsprach damals 45% des jährlichen Sparvolumens. In
der Dotcom-Krise ging das Investmentvolumen jedoch ab dem Jahr 2002
kontinuierlich deutlich zurück. In den Jahren 2006 bis 2008 flossen sogar
insgesamt fast 80 Mrd. Euro aus Fonds ab. Erst seit der Zinskrise im Jahr 2014
investieren deutsche Sparer wieder nachhaltig in Fonds. Auch wenn der
entsprechende Sparanteil noch deutlich geringer als zu Beginn des Jahrtausends
ist, haben sich die Investments im entsprechenden Zeitraum bereits auf über 170
Mrd. Euro summiert.

Zinskrise und Corona befeuern Boom des Bargeldsparens

In der Zinskrise hat die Bargeldhaltung in Deutschland einen regelrechten Boom
erlebt. Seit Ende 2013 haben sich die Bargeldbestände der Sparer auf 253 Mrd.
Euro mehr als verdoppelt.

"Die beschriebenen Entwicklungen haben dazu geführt, dass die Deutschen in den
letzten Jahren einen Teil ihres Geldes unter das Kopfkissen gelegt haben. Die
Corona-Krise scheint diesen Trend nochmals zu beschleunigen. Verglichen mit der
Entwicklung in den Vormonaten lässt sich laut Analyse bereits im März 2020 ein
"Corona-Sondereffekt" für die Euro-Zone von ca. 30 Mrd. Euro ermitteln. Von
diesem entfallen ca. 6 Mrd. Euro auf die deutschen Privathaushalte", erläutert
Thomas Dwornitzak, Leiter Sparen & Anlegen, bei der ING Deutschland.

"Bargeldsparen ist aus Renditesicht dennoch nicht sinnvoll. Durch die Inflation
hatten die Deutschen damit in den letzten Jahren einen Wertverlust von
durchschnittlich ca. ein bis zwei Prozent. Eine sinnvollere Lösung für den
langfristigen und diversifizierten Vermögensaufbau könnte beispielsweise ein
ETF- oder Fondssparplan sein. Gerade in der Corona-Krise haben wir hier
Rekordabschlüsse gesehen und das günstige Kursniveau hat dazu geführt, dass im
ersten Quartal 2020 schon mehr Aktien von unseren Kunden gekauft wurden, als im
gesamten Jahr 2019", so Dwornitzak weiter.

Bankeinlagen profitieren von jeder Krise

Bankeinlagen hingegen haben auch bereits vor Corona deutlich von allen Krisen
profitiert. Ihr Anteil am Sparvolumen privater Haushalte ist in den letzten 20
Jahren in jeder der vier identifizierten Krisen angestiegen. In der Zinskrise
ist mit 52% im Durchschnitt mehr als jeder zweite Spar-Euro in Bankeinlagen
geflossen.

Finanzvermögen in 20 Jahren dennoch fast verdoppelt

Trotz der nicht weniger als vier aufgezeigten Sparkrisen ist das Finanzvermögen
deutscher Privathaushalte in den vergangenen 20 Jahren bis Ende 2019 aber um
insgesamt 3,1 Bio. Euro gestiegen. Das Finanzvermögen hat sich damit auf aktuell
insgesamt 6,5 Bio. Euro nahezu verdoppelt (+95%). Dies entspricht einem
durchschnittlichen Anstieg von 3,4% p.a. In den vergangenen 10 Jahren hat sich
der jährliche Zuwachs mit 4,3% p.a. sogar noch beschleunigt.

Jährliches Sparvolumen erreicht 2019 sechsten Rekordwert in Folge

Seit 1999 hat sich allerdings auch das jährliche Sparvolumen signifikant, um
insgesamt 80% oder 3,0% jährlich erhöht. 2019 wurde mit insgesamt 268 Mrd. Euro
nun bereits der sechste Rekordwert in Folge erreicht. Während der vergangenen 10
Jahre lag der Zuwachs entsprechend bei durchschnittlich 6,1% per annum.

Thomas Dwornitzak von der ING Deutschland sagt: "Die in den letzten zwei
Jahrzehnten bewiesene Widerstandsfähigkeit des deutschen Sparers spricht dafür,
dass er letztlich auch die aktuelle Corona-Krise meistern wird."

Zur Analyse:

Die Daten der Analyse von Barkow Consulting im Auftrag der ING Deutschland
stammen von der Deutschen Bundesbank, der EZB sowie dem Statistischen Bundesamt
(destatis).

Pressekontakt:

ING Deutschland
Alexander Baumgart
Tel.: +49 (69) 27222 666145
E-Mail: alexander.baumgart@ing.de

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/59133/4612890
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