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03.06.2020 um 20:37 Uhr

Langer Atem gefragt, Kommentar zur Lufthansa von Lisa Schmelzer
Frankfurt (ots) - Wer sich in den vergangenen Wochen gefragt hat, warum die
Lufthansa eine so gewaltige Summe wie 9 Mrd. Euro vom Staat braucht, bekam die
Antwort am Mittwoch schwarz auf weiß geliefert. Bei der verspäteten Vorlage der
Quartalszahlen teilte die Fluggesellschaft mit, wie es in den nächsten Jahren
weitergehen wird. Nämlich in Trippelschritten. Die Lufthansa wird jahrelang ihr
Vorkrisenniveau nicht erreichen, nicht beim Angebot und vermutlich auch nicht
bei der Gewinnentwicklung.

Zeitweise hatte die Airline in der Coronakrise 700 ihrer 763 Flugzeuge geparkt,
damit ist es nun vorbei. Die Ausweitung des Flugangebots geht aber nur langsam
voran. Im September sollen 40 Prozent des vor einem Jahr angebotenen
Flugprogramms absolviert werden. 2021 wird noch mit 300 geparkten Fliegern
gerechnet, 2022 werden es noch 200 sein. Auch nach der Krise, also ab 2023,
plant das Lufthansa-Management mit einer um 100 Maschinen geschrumpften Flotte.
Der Übersatz an - derzeit unverkäuflichen - Flugzeugen und vor allem
Mitarbeitern verursacht im Konzern hohe Kosten, ein nun lanciertes
Restrukturierungsprogramm dürfte erst nach und nach Abhilfe schaffen.

Es wird vor diesem Hintergrund wohl einige Jahre dauern, bis Lufthansa wieder
positive Ergebnisse einfliegen kann. Allein im ersten Quartal wurde ein Verlust
von über 2 Mrd. Euro generiert. Im laufenden Vierteljahr, das am stärksten von
der Krise betroffen ist, dürfte es noch mehr sein.

Der Fokus liege nun auf dem Cash-flow, gab Konzernchef Carsten Spohr die Devise
aus. Doch in den vergangenen - und kommenden - Wochen wird nur Cash verbrannt,
800 Mill. Euro monatlich. Unternehmensteile sollen verkauft werden,
Flugzeugauslieferungen werden, wenn möglich, verschoben. Was das alles in Euro
und Cent bedeutet, ist noch nicht abzusehen. Auch zu welchen Zugeständnissen die
Gewerkschaften bereit sind, steht noch in den Sternen.

Die Rückkehr an den Kapitalmarkt hält Spohr erst im kommenden Jahr für möglich.
Den drohenden Rauswurf aus dem Dax bezeichnet der Lufthansa-Chef in dieser
Gemengelage zu Recht als "nicht so relevant".

Einen ganz langen Atem brauchen die Investoren der Lufthansa.
Dividendenzahlungen sind sowieso erst wieder erlaubt, wenn die Staatskredite
zurückgezahlt sind, also frühestens 2024. Auch was sonst in der
Aktienkursentwicklung für Luft nach oben sorgt - mögliche Zukäufe etwa -, fällt
erst einmal flach und das vermutlich noch länger als bis 2024. Kein Wunder also,
dass institutionelle Anleger längst die Flucht ergriffen haben.

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