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ROUNDUP/Abgas-Skandal: VW-Leiharbeiter müssen bangen - Razzia in Frankreich

18.10.2015 um 15:48 Uhr

WOLFSBURG/STUTTGART (dpa-AFX) - Erstmals im Abgas-Skandal bei Volkswagen sind nun Jobs in Gefahr. Tausende Leiharbeiter müssen um ihre Perspektiven bangen. Der Vorstand diskutiere über eine Reduzierung der Leiharbeit, sagte ein Sprecher des VW -Betriebsrats am Samstag der dpa in Hannover. Unterdessen durchsuchten französische Ermittlungsbehörden den VW-Sitz in Frankreich. Drei Wochen nach seinem Rücktritt als VW-Chef trat Martin Winterkorn auch als Chef der Porsche-Holding ab. Nachfolger wird zum 1. November der neue VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch.

VW hatte mit einer Software Abgastests bei Dieselautos manipuliert. Dem Konzern drohen Milliardenkosten wegen Klagen und Strafzahlungen. In Frankreich hatte die Justiz Vorermittlungen wegen schweren Betrugs eingeleitet. Die Durchsuchungen in der französischen VW-Zentrale fanden nach Angaben eines VW-Sprechers bereits am Freitag statt. Eine Razzia hatte es zuvor auch in Wolfsburg und an anderen Orten gegeben. Dabei stellten Ermittler Akten und Computer sicher. In Italien waren ebenfalls mehrere Büros des Autobauers durchsucht worden.

Damit der Wolfsburger Konzern die Affäre auch finanziell übersteht, hatte der neue VW-Chef Matthias Müller einen verschärften Sparkurs angekündigt. Mit Blick auf eine mögliche Reduzierung der Leiharbeit sagte der Betriebsratssprecher: "Als Betriebsrat werden wir alle Möglichkeiten unterstützen, um die Arbeitsplätze unserer Kolleginnen und Kollegen mit Leiharbeitsverträgen zu sichern."

Ein Konzernsprecher schloss einen Einbruch bei den Verkäufen und damit einhergehende Folgen für Produktion und Jobs nicht aus. "Sollte sich ein vorübergehender Beschäftigungsrückgang ergeben, wird Kurzarbeit wie in der Vergangenheit eine sinnvolle Möglichkeit sein." Zurzeit sei die Entwicklung der Absatz- und Beschäftigungssituation nicht absehbar. Der Vorstand unternehme auch in der jetzigen Krise alles, um die Jobs zu sichern.

Bei dem Wolfsburger Konzern mit weltweit rund 600 000 Beschäftigten arbeiten nach dpa-Informationen im Mutterunternehmen der Volkswagen AG in Deutschland gut 7000 Leiharbeiter. Die Leiharbeiterquote liegt zurzeit bei rund 6 Prozent.

VW hat eine eigene Leiharbeitsfirma, die meisten Leiharbeiter sind von der konzerneigenen Tochter Autovision Zeitarbeit verliehen. Bisher übernimmt Volkswagen nach 36 Monaten Leiharbeiter in die Stammbelegschaft. Dadurch haben in der Vergangenheit Tausende von Leiharbeitern feste Arbeitsverträge bekommen.

Der designierte neue IG Metall-Chef Jörg Hofmann kündigte Widerstand gegen die Sparpläne bei dem Autobauer an. "Die Belegschaften bei VW und bei den Zulieferern treffen an dem Skandal keine Schuld", sagte Hofmann der "Bild am Sonntag". "Es macht mich wütend, dass die Beschäftigten jetzt Angst um ihre Zukunft haben müssen." Die Gewerkschaft werde alles tun, damit die Belegschaft nicht ausbaden müsse, was Manager angerichtet hätten.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte Anfang Oktober angekündigt, dass im Zuge des Abgas-Skandals eine Ausweitung der Kurzarbeiterregel auch auf Leiharbeiter geprüft werde. Die Union lehnte den Vorstoß aber ab.

Der Rückzug des früheren VW-Vorstandschefs Winterkorn auch von der Spitze der Porsche-Holding, der Muttergesellschaft des VW-Konzerns, am Samstag kam nicht überraschend. Der Druck auf ihn, weitere Ämter abzugeben, war zuletzt gestiegen. Sowohl das Land Niedersachsen als VW-Großaktionär als auch die Vertreter der Arbeitnehmerseite hatten nach dpa-Informationen auf eine endgültige Trennung gedrängt.

Der 68-Jährige hatte mit seinem Rücktritt als VW-Vorstandschef die Verantwortung in der Abgas-Affäre übernommen. Winterkorn beteuerte aber seine Unschuld und erklärte, nichts von den Manipulationen gewusst zu haben. Er ist derzeit noch Chef in den Aufsichtsräten von Audi und der Nutzfahrzeugholding mit den Marken Scania und MAN .

Unterdessen wurde bekannt, dass VW mit den Abgas-Manipulationen gegen Europarecht verstieß. Das teilte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Freitag in einem Schreiben an 31 europäische Amtskollegen mit, wie die "Bild am Sonntag" berichtete. Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums bestätigte das Schreiben.

Das Kraftfahrt-Bundesamt habe festgestellt, dass es sich bei den von VW in bestimmte Diesel-Fahrzeuge eingebauten Softwareprogrammen um unzulässige Abschalteinrichtungen handle - nach einem Artikel der EU-Verordnung Nr. 715/2007. Diese setzt Abgaslimits für Autos, definiert Tests und verbietet Schummel-Software./loh/DP/he

MAN SE ST O.N. Chart
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