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DGAP-News: Hannover Rück rechnet mit deutlichen Preissteigerungen in der Schaden-Rückversicherung (deutsch)

14.09.2020 um 07:30 Uhr

Hannover Rück rechnet mit deutlichen Preissteigerungen in der Schaden-Rückversicherung

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DGAP-News: Hannover Rück SE / Schlagwort(e): Sonstiges
Hannover Rück rechnet mit deutlichen Preissteigerungen in der
Schaden-Rückversicherung

14.09.2020 / 07:30
Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent / Herausgeber verantwortlich.

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Unternehmensmeldung

Hannover Rück rechnet mit deutlichen Preissteigerungen in der
Schaden-Rückversicherung

* Niedrigzinsumfeld, Großschäden und Covid-19-Pandemie belasten Erst- und
Rückversicherer

* Steigende Nachfrage nach Deckung durch finanzstarke Rückversicherer

* Marktumfeld stützt bereits erkennbare Trendwende zu steigenden Preisen

* Hannover Rück sieht profitable Wachstumschancen auf breiter Ebene

Hannover, 14. September 2020: Die Hannover Rück rechnet mit
spartenübergreifenden, deutlichen Preissteigerungen in der
Schaden-Rückversicherung in der Vertragserneuerungsrunde zum 1. Januar 2021.
Grund dafür sind die Belastungen für Erst- und Rückversicherer, die sich aus
der Covid-19-Pandemie, aus den abermals zurückgegangenen, niedrigen Zinsen
sowie den Großschäden der vergangenen drei Jahre ergeben.

"Unser Mitgefühl gilt allen, die Angehörige und Freunde durch das Virus
verloren haben oder anderweitig dadurch betroffen sind", sagte Jean-Jacques
Henchoz, der Vorstandsvorsitzende der Hannover Rück. "Wir stehen an der
Seite unserer Kunden und legen Wert auf kontinuierliche, partnerschaftliche
Geschäftsbeziehungen. Unser Geschäftsmodell und unsere Kapitalausstattung
sind auf die Bewältigung von Extremszenarien ausgelegt. Die niedrigen Zinsen
werden uns noch lange Zeit begleiten. Dies erfordert eine hohe Disziplin bei
der Preisfindung, da die Profitabilität der Versicherungstechnik Rückgänge
aus den Kapitalanlageerträgen noch stärker ausgleichen muss. Deshalb sind
Preiserhöhungen auf der Erst- und Rückversicherungsseite im Januar und
darüber hinaus unumgänglich."

Neben einer generell höheren Nachfrage nach qualitativ hochwertigem
Rückversicherungsschutz fragen Erstversicherer auch vermehrt
maßgeschneiderte Lösungen zur Solvenzentlastung nach. Hier kommen vor allem
Rückversicherer mit besonders großer Risikotragfähigkeit und
überdurchschnittlichem Rating zum Zuge.

Bei den zurückliegenden Erneuerungsrunden des Jahres 2020 hat die Hannover
Rück teils Konditionsverbesserungen und Preissteigerungen erreicht.
Insbesondere bei schadenbetroffenen Verträgen waren Preissteigerungen im
überwiegend zweistelligen Prozentbereich zu verzeichnen. Allerdings sind
auch diese aufgrund der niedrigen Zinsen nicht immer technisch ausreichend,
sodass weitere Preiserhöhungen notwendig sind.
Die Covid-19-Pandemie wirkt sich in unterschiedlichem regionalen Ausmaß auf
die weltweiten Rückversicherungsmärkte aus. Bis dato sind die größten
Schäden aus Deckungen von Betriebsunterbrechungen, Warenkrediten und
Veranstaltungsausfällen zu erwarten, wobei die Bandbreite der möglichen
Szenarien weiterhin zu groß für konkrete Prognosen ist. Zudem gelten viele
staatliche Hilfsprogramme nur für einen begrenzten Zeitraum. Vor diesem
Hintergrund hat das Risikobewusstsein der Erstversicherer und damit der Wert
von qualitativ hochwertigem Risikoschutz in den vergangenen Monaten deutlich
zugenommen.

Im Einzelnen erwartet die Hannover Rück für die Erneuerungsrunde zum 1.
Januar 2021 folgende Entwicklungen:

Europa
Das Geschäft in Deutschland war im Verlauf des Jahres deutlich von Covid-19
mitbestimmt. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie und ihre Auswirkungen
auf den Betrieb vieler Unternehmen sind vor allem im Bereich der kleinen und
mittelständischen Unternehmen (KMU) zu spüren. Hier sind deutliche
Schadenbelastungen in der Betriebsschließungsversicherung festzustellen.
Dies gilt, wenn auch bisher weniger stark ausgeprägt, ebenfalls für den
Bereich der Veranstaltungsausfallversicherung.

Für das Jahr 2021 rechnet die Hannover Rück im Vergleich zu den vergangenen
Jahren mit einem deutlich geringeren Wachstum im Erstversicherungsmarkt. Der
pandemiebedingte Konjunktureinbruch wirkt sich dabei insbesondere im
KMU-Segment aus. Die Einflüsse auf das Privatkundengeschäft sollten dagegen
eher begrenzt sein.

Der Sanierungsbedarf in der Sachsparte in Gewerbe und Industrie verschärft
sich durch die Schadenbelastung weiter. Eine Verbesserung der
Rückversicherungskonditionen wird insbesondere bei schadenbelasteten
Programmen erwartet.

Die Folgen einer Pandemie, die ein systemisches Risiko darstellt, können
insgesamt nur sehr eingeschränkt von der Versicherungswirtschaft getragen
werden. Entsprechend erfolgen sowohl im Erstversicherungsmarkt als auch im
Rückversicherungsmarkt Klarstellungen oder Ausschlüsse in Bezug auf die
Deckung im Pandemiefall.

In der Kraftfahrtversicherung zeichnet sich für das laufende Jahr eine
Entlastung durch das zeitweise reduzierte Verkehrsaufkommen und entsprechend
geringere Schäden ab. Da dies eher ein Einmaleffekt sein wird und für 2021
eine normalisierte Schadenbelastung mit unverändert steigenden Ersatzteil-
und Reparaturkosten wahrscheinlich ist, haben Erst- und Rückversicherer kaum
Spielraum für weitere Konditionsverbesserungen.

In Großbritannien und Irland ist bei Erstversicherern eine deutliche
Marktverhärtung zu beobachten.
Lloyd's of London verfolgt für ausgewählte Sparten sowie für Syndikate, die
nicht profitable Ergebnisse ausweisen, weiterhin einen restriktiveren
Ansatz. Dies wiederum führte zu einer fortgeführten Verknappung des
Angebots. Insbesondere der Markt für Ausfalldeckungen (Contingency) ist
durch signifikante Ratensteigerungen trotz Pandemie-Ausschlüssen
gekennzeichnet. Unter anderem getrieben durch die Unsicherheit hinsichtlich
des Ausmaßes von Covid-19 Schäden verzeichnet das Haftpflichtgeschäft ebenso
deutliche Preisreaktionen und eine Verbesserung der Bedingungen.
Internationales Sachgeschäft der Lloyd's-Syndikate hat bereits in den
vergangenen Jahren aufgrund der weltweiten Schäden aus Naturgefahren
Preissteigerungen erfahren. Dieser Trend setzt sich fort und wird auch durch
momentane Fragen in Bezug auf die Deckung von Covid-19-Schäden als Folge von
Betriebsunterbrechung ohne zugehörigen Sachschaden getrieben.

Diese originalseitigen Veränderungen bilden sich analog und teilweise noch
betonter im nichtproportionalen Rückversicherungsbuch der Hannover Rück ab.

Das britische Motor-Geschäft, welches die Hannover Rück nichtproportional
zeichnet, verzeichnete deutliche Preisanstiege. Hier hat die letztjährig
vorgenommene Anpassung der Ogden-Raten, welche unterhalb der Erwartungen von
Erst- und Rückversicherern lag, Korrekturen ausgelöst. Auch für das kommende
Jahr sind deutliche Preisanstiege für das britische Motor-Geschäft zu
erwarten.

Aufgrund ihrer guten Geschäftsbeziehungen mit langjährigen Kunden kann die
Hannover Rück ihre Marktposition verteidigen und trifft auf eine sehr gute
Nachfrage.

In Frankreich sind im Erstversicherungsgeschäft Preissteigerungen zu
erwarten. Grund dafür sind unter anderem die weiter rückläufigen Erträge aus
den Kapitalanlagen sowie die anhaltende Schadenbelastung. Gleichzeitig
unterstützt auch eine steigende Nachfrage nach
Industrieversicherungsdeckungen. Dies sollte sich auch positiv auf die
Entwicklung der Rückversicherungspreise auswirken, zumal hier auch die
Großschäden der vergangenen Jahre durch unter den Erwartungen liegende
Abwicklungsergebnisse belasten.

In den Märkten Zentral- und Osteuropas hat die Covid-19-Pandemie wie in
vielen anderen Regionen auch die ohnehin herausfordernde wirtschaftliche
Lage zusätzlich negativ beeinflusst, auch wenn aus dieser Region mit keinen
oder nur geringen Covid-19-Schäden zu rechnen ist. Preiserhöhungen sind bei
schadenbelasteten Verträgen und bei nicht-risikoadäquaten Programmen zu
erwarten. Mittel- bis langfristig rechnet die Hannover Rück mit einer
Erholung der Wirtschaft und höheren Wachstumsraten im
Erstversicherungsgeschäft, um die Versorgungslücke zu schließen.

Nordamerika
Der Erstversicherungsmarkt in Nordamerika entwickelt sich, trotz der
Unwägbarkeiten durch Covid-19 und den daraus resultierenden ökonomischen
Einschränkungen, weiterhin positiv. Alle Sparten weisen deutliche
Ratensteigerungen auf, mit Ausnahme der Arbeiterunfallversicherung (Workers'
Compensation). Tornados, Hagelunwetter und Hurrikane haben im Jahresverlauf
zu einer relativ hohen Anzahl von Schäden geführt. Nach den Feuerschäden in
Kalifornien der vergangenen Jahre werden damit weitere Gebiete in
Nordamerika Raten- und Konditionsanpassungen erfahren.

Die mit der Covid-19-Krise einhergehenden Herausforderungen hinsichtlich
Deckungsumfang und Schadenpotential aus verschiedenen Sparten haben bei
vielen Erstversicherungskunden den Blick auf die Finanzstärke ihrer
Rückversicherungspartner gelenkt. Es ist ein klarer Fokus auf eine
herausragende Kapitalausstattung und langfristige
Rückversicherungsbeziehungen zu beobachten. Sowohl in den Sach-, als auch in
den Haftpflichtsparten sind deutliche Preissteigerungen oder präzisierte
Deckungseinschränkungen die Regel.

Lateinamerika
Der Wachstumstrend bei der Nachfrage von Erstversicherungsdeckungen der
Länder Zentral- und Südamerikas wird sich auch vor dem Hintergrund der
aktuellen Pandemie fortsetzen. In Folge der Gefahren aus Naturkatastrophen
und sozialen Unruhen steigt in Lateinamerika die Nachfrage nach hochwertigem
Risikoschutz. Das unterliegende Wachstum in einigen Ländern kombiniert mit
dem Rückzug anderer Marktteilnehmer führt aktuell zu einer Verhärtung der
Erst- und Rückversicherungskonditionen.

Die einzelnen Länder Lateinamerikas zeigen eine auch weiterhin stark
zunehmende Nachfrage nach Versicherungen, vor allem in den Bereichen rund um
die Deckung von Kraftfahrzeugen, Produktionsanlagen und Immobilien.

Ebenfalls verzeichnet die Hannover Rück ein unverändert starkes Interesse an
der Entwicklung von Deckungskonzepten auf der Basis von parametrischen
Indizes. Jüngst wurde beispielsweise in Partnerschaft mit Global Parametrics
die Deckung von Korallenriffen in Mexiko begleitet. Parametrische Deckungen
eignen sich insbesondere für Länder mit einer geringen Versicherungsdichte.
Regierungen können mit Hilfe dieser Lösungen den Katastrophenschutz für ihre
Bevölkerung verbessern.

Asiatisch-pazifischer Raum
Die Region Asien-Pazifik ist die wachstumsstärkste Wirtschaftsregion der
Welt und entwickelt sich zu einem der größten Versicherungsmärkte weltweit.
Dieses Wachstum birgt weitere signifikante Geschäftschancen, auch da die
Versicherungsdichte noch immer geringer ist als in den weiter entwickelten
Märkten. So ist sowohl in der Schaden-Rückversicherung als auch im Bereich
Gesundheit und Vorsorge mittel- und langfristig von deutlichen Zuwachsraten
auszugehen, wovon auch Rückversicherer profitieren werden.

Die Hannover Rück hat ihre Präsenz in der Region in den vergangenen Jahren
kontinuierlich ausgebaut und verfügt heute über ein effizientes Netzwerk aus
lokalen Tochtergesellschaften, Niederlassungen und Repräsentanzen. So ist
sie bereits heute sehr gut positioniert, um Geschäftschancen wahrzunehmen
und ihre Marktstellung durch punktuelle Maßnahmen in Teilsegmenten weiter
auszubauen und zu verstärken.

Die Hannover Rück unterstützt ihre Kunden in dieser Wachstumsregion bei
ihrer Entwicklung und den Herausforderungen der nächsten Jahre durch
kapitalstützende Konzepte oder auch die Optimierung von Distribution und
Ausgestaltung ihrer Produkte. Auch im Zuge einer zunehmenden
Städteverdichtung in den Ballungszentren Asiens gilt es, geeignete
Versicherungslösungen als Schutz vor Naturkatastrophen zu konzipieren und
die Versicherungsdichte weiter zu erhöhen. Die Verringerung von
Deckungslücken bietet Chancen für Erst- und Rückversicherer, ihre
gesellschaftliche Relevanz zu unterstreichen.

Darüber hinaus hat die Hannover Rück eine strategische Initiative gestartet,
um das Wachstumspotenzial ihres Geschäfts in der Region Asien-Pazifik noch
stärker auszuschöpfen.

Für die anstehenden Erneuerungsrunden zum 1. Januar 2021 und 1. April 2021
in der Region Asien-Pazifik ist die Hannover Rück optimistisch, wenngleich
sich die Preisveränderungen regionsabhängig je nach Schadenlast
uneinheitlich gestalten sollten. Als Unsicherheitsfaktor sind hier die
Auswirkungen der Covid-19-Pandemie zu berücksichtigen.

Naturkatastrophengeschäft
In den Jahren 2017 bis 2019, und damit drei Jahre in Folge, hat der
Rückversicherungsmarkt große Verluste durch Naturkatastrophen erlitten. Dies
hat sich sowohl auf traditionelle Rückversicherer als auch auf Akteure des
ILS-Markts ausgewirkt. Obwohl in der ersten Hälfte des Jahres 2020 keine
Großschäden aus Naturkatastrophen zu verzeichnen waren, stellen die globalen
Auswirkungen der Covid-19-Pandemie den bereits unter Druck geratenen
Rückversicherungsmarkt vor weitere Herausforderungen. In Bezug auf das
Sachkatastrophengeschäft hat dies bei allen Erneuerungsrunden des Jahres
2020 zu einem insgesamt günstigen Marktumfeld für Rückversicherer geführt.
Die Preisdynamik war besonders ausgeprägt in Gebieten und Programmen, die in
letzter Zeit erhebliche Verluste erlitten hatten, wie die USA, Japan und die
Karibik.

Unter der Annahme, dass es keine weiteren marktverändernden Ereignisse gibt,
erwartet die Hannover Rück für das Jahr 2021 folgende Entwicklungen in den
einzelnen Märkten für Naturkatastrophenrisiken:

Nordamerika: Insgesamt haben die Raten für das US-Sachkatastrophengeschäft
ein zufriedenstellendes Niveau erreicht. Da die USA jedoch für die meisten
Rückversicherer ein Schwerpunktmarkt sind, erwartet die Hannover Rück einen
anhaltenden Aufwärtsdruck auf die Raten, insbesondere bei schadenbelasteten
Programmen. Die Kombination aus Schäden und eingeschränkter Kapazitäten
führte den Markt insgesamt 2019 an einen Preiswendepunkt. Für 2021 wird ein
weiter verbessertes Umfeld erwartet.

Europa: Im laufenden Jahr 2020 verzeichnete die Hannover Rück stabile Raten
und in einigen Fällen eine verbesserte Preisgestaltung. Da auch Europa
derzeit im Mittelpunkt der Auswirkungen von Covid-19 auf den Erst- und
Rückversicherungsmarkt steht, ist für 2021 eine materielle Verhärtung zu
erwarten. Dies gilt insbesondere für die Programme, die erhebliche Schäden
durch die Pandemie zu verzeichnen haben.

Japan: Nach den schweren Taifunen der Jahre 2018 und 2019 konnte die
Hannover Rück bei den Erneuerungen zum 1. April bereits signifikante
Preissteigerungen für japanische Rückversicherungsprogramme für Wind- und
Hochwasserkatastrophen erzielen. Die großen Rückversicherer haben die
jüngsten Ereignisse genutzt, um ihre Risikomodelle und damit ihre
Einschätzung des japanischen Taifunrisikos und ihre Exponierungen zu
adjustieren. Dies wird im Jahr 2021 voraussichtlich zu weiteren deutlichen
Preiserhöhungen führen und dazu beitragen, eine technische Angemessenheit zu
erreichen, die die Grundlage für die langfristige Unterstützung dieses
Marktes durch die Rückversicherer darstellt.

Australien/Neuseeland: Aufgrund signifikanter und wiederholter
Frequenzschäden in Australien in den vergangenen Jahren bestand eine
erhebliche Notwendigkeit, im Jahr 2020 risikoadäquate Preise zu erzielen um
Konditionsverbesserungen, insbesondere für Aggregatdeckungen und niedrige
Haftungsabschnitte, zu erreichen. Für 2021 erwartet die Hannover Rück, dass
sich dieser Trend für alle Naturkatastrophendeckungen fortsetzt.

Spezialgeschäft
Die Aktivitäten im globalen Luftfahrtsektor sind deutlich durch Covid-19
beeinträchtigt, was sich etwa in einem signifikanten Einbruch der
Passagierzahlen ausdrückt. Diese Entwicklungen wirken sich auch auf den
dazugehörigen Versicherungsmarkt aus. Hierbei ist allerdings zu
berücksichtigen, dass ein Teil des Prämienrückgangs dadurch kompensiert
wird, dass sich der bereits in den Vorjahren beobachtete Trend der
Ratensteigerungen unverändert fortgesetzt und in Teilen sogar noch verstärkt
hat.

Der Hannover Rück ist es gelungen, die Vertragskonditionen bei
proportionalem Geschäft durchweg zu ihren Gunsten zu verbessern und die
Prämien für nicht-proportionale Rückversicherungslösungen deutlich zu
erhöhen. Trotz dieser guten Entwicklung ist hierbei allerdings zu
berücksichtigen, dass sich der Rückversicherungsmarkt erst am Beginn einer
Korrekturphase befindet, weshalb die Hannover Rück unverändert an ihrem
disziplinierten und auf Langfristigkeit ausgerichteten Zeichnungsansatz
festhält.

Der Transportmarkt war im Jahr 2019 von einer größeren Anzahl von
Frequenzschäden betroffen. Auch als Folge der schlechten Ergebnisse der
Vorjahre führte diese Entwicklung zu einer weiteren Notwendigkeit der
Versicherer, Preise zu erhöhen. Beschleunigt wurde diese Entwicklung im
ersten Halbjahr 2020 durch Covid-19-Einflüsse.

In den unterjährigen Erneuerungen des Jahres machte sich bereits eine
spürbare Verhärtung im Rückversicherungsmarkt bemerkbar.

Die Raten in der Meerestechnik-Sparte bleiben sowohl auf der Erst- als auch
auf der Rückversicherungsseite stabil. Dies ist insbesondere vor dem
Hintergrund sinkender Fördermengen, bedingt durch weniger Flug- und
Schiffsverkehr im Zuge der Covid-19-Krise, sowie dank ausbleibender
Großschadenereignisse, erwähnenswert. Die Hannover Rück beobachtet ein
gestiegenes Interesse ihrer Kunden, sich verstärkt in Versicherungslösungen
für alternative Energieproduktion (Renewable Energies) zu engagieren und
spezifische Rückversicherungsdeckungen dafür zu erwerben.

Für die Vertragserneuerungsrunde 2021 werden stabile
Rückversicherungsbedingungen sowie ein verbessertes Preisgefüge erwartet.

In der Kredit- und Kautionsversicherung sowie im Bereich der politischen
Risiken sind bisher trotz der weltweiten Rezession im Vergleich zu den
Vorjahren nur leicht ansteigende Schadenquoten zu verzeichnen. In den
kommenden Monaten ist aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage jedoch
mit einem Anstieg der Schadenbelastung zu rechnen. Angesichts dessen sollten
die Preise in der Erst- und Rückversicherung deutlich steigen.

In der landwirtschaftlichen Versicherung führt der zunehmende Bedarf an
Agrarrohstoffen und Nahrungsmitteln sowie die Zunahme von extremen
Wetterereignissen insbesondere in den Schwellen- und Entwicklungsländern zu
einer weiter steigenden Nachfrage nach entsprechenden
Rückversicherungslösungen. Die Hannover Rück engagiert sich hier sowohl in
der klassischen Rückversicherung als auch in verstärkter Zusammenarbeit mit
Kunden und Partnern bei der Entwicklung neuer Versicherungsinstrumente.
Wachstumspotenzial bieten indexbasierte Produkte und parametrische Deckungen
oder auch öffentlich-private Partnerschaften.

Der Markt für Insurance-Linked Securities (ILS) ist in den letzten zwei
Jahren um etwa 10 % auf ein Volumen von jetzt rund 90 Mrd. USD
zurückgegangen. Unzufriedenheit mit den Ergebnissen und Gelder, die für
mögliche negative Schadenabwicklungen einbehalten sind (trapped collateral),
und daher zumindest temporär nicht für neue Investitionen zur Verfügung
stehen, begründen diesen Rückgang. Wie auch in der Rückversicherung
verbessern sich die Konditionen und es ist mittelfristig das Erreichen neuer
Höchststände zu erwarten.

Die Hannover Rück nutzt den ILS-Markt sowohl für den Schutz ihrer eigenen
Katastrophenrisiken als auch dazu, Personen- und Sachversicherungsrisiken
für ihre Kunden in den Kapitalmarkt zu transferieren. Dies geschieht
vorrangig durch besicherte Rückversicherung (Collateralised Reinsurance),
dem unverändert größten Geschäftssegment im ILS-Bereich der Hannover Rück,
aber auch durch Katastrophenanleihen.

So hat die Hannover Rück im Jahr 2020 bisher fünf Katastrophenanleihen für
amerikanische Kunden im Gesamtvolumen von rund 1,2 Mrd. USD in den
Kapitalmarkt begleitet. In den nächsten Jahren sollte die Nachfrage
insgesamt moderat steigen. Darüber hinaus investiert die Hannover Rück
selbst in Katastrophenanleihen und nutzt somit alle Möglichkeiten des
ILS-Markts.

Im Bereich Strukturierte Rückversicherung entwickelt sich das Geschäft im
laufenden Jahr weiterhin entsprechend den Erwartungen. Auch für die Zukunft
rechnet die Hannover Rück mit einer weiter steigenden Nachfrage nach
innovativen und maßgeschneiderten Rückversicherungslösungen.

Neugeschäftschancen zeichnen sich dabei vor allem in Nordamerika, Europa und
Asien ab. Das Kaufverhalten vieler Kunden hat sich in den letzten Jahren
geändert, hin zu ganzheitlichen Rückversicherungslösungen. Dieser Trend hält
an, sodass immer mehr Kunden strukturierte Rückversicherungslösungen
nachfragen. Die außerordentlichen Marktbedingungen aufgrund der
Covid-19-Pandemie begünstigen in diesem Segment nahezu global die weitere
Verschiebung in Richtung eines Anbietermarktes.

Die geplante Einführung von IFRS 17 wird die Nachfrage nach
maßgeschneiderten Rückversicherungslösungen tendenziell erhöhen, getrieben
durch die weiterhin zunehmende Komplexität des Kapital- und
Risikomanagements der Kunden.

Ausblick
Das Jahr 2020 ist für Erst- und Rückversicherer von der anhaltenden
Covid-19-Pandemie und den damit einhergehenden Belastungen sowie von den
anhaltend niedrigen Zinsen und den daraus resultierenden Ergebnisbelastungen
geprägt. Damit rückt sowohl auf der Erst- als auch auf der
Rückversicherungsseite die Profitabilität der Versicherungstechnik
nachhaltig in den Vordergrund, auch um die zukünftige Risikotragfähigkeit
der Branche zu erhalten. Im Zuge dessen sind Ratenerhöhungen unumgänglich.

"Covid-19 ist aus unserer Sicht ein ähnlich marktveränderndes Ereignis wie
die Terroranschläge des 11. September 2001 oder die Hurrikane Katrina, Rita
und Wilma im Jahr 2005", sagte Sven Althoff, im Vorstand der Hannover Rück
zuständig für die Schaden-Rückversicherung. "Das wahre Ausmaß der durch die
Pandemie entstandenen Schäden wird erst langfristig erkennbar sein. Wir
sehen die Covid-19-Pandemie als Katalysator für fundamentale Preis- und
Konditionsanpassungen bei Erst- und Rückversicherern. Die Ausprägungen
werden allerdings je nach Region und Sparte unterschiedlich sein."

Die Hannover Rück erwartet, dass sich die zunehmende Dynamik von
Preiserhöhungen der zurückliegenden Vertragserneuerungsrunden auch im
kommenden Jahr fortsetzt. Zum 1. Januar 2021 ist von segmentübergreifend
deutlich steigenden Preisen auszugehen. Ebenso sind spürbare Verbesserungen
der Konditionen aufgrund der Auswirkungen der Pandemie und der damit
einhergehenden hohen Unsicherheiten zu erwarten.

"Wir sind durch die Covid-19-Pandemie mit einem systemischen, weltweiten
Risiko konfrontiert. Ein solches Kumulrisiko kann die
Versicherungswirtschaft schon aufgrund ihrer Kapitalausstattung nicht
alleine schultern", sagte Jean-Jacques Henchoz. "Es braucht
partnerschaftliche Ansätze zwischen Staaten und Versicherungswirtschaft, um
erfolgversprechende Lösungen zur Deckung systemischer Risiken beispielsweise
aus Cyberangriffen oder Pandemien zu schaffen. Wir sehen uns bestens
positioniert, die Entwicklung und Umsetzung solcher Deckungskonzepte zu
begleiten und damit dafür zu sorgen, dass die Kosten aus künftigen Pandemien
zu entsprechend risikoadäquaten Prämien zu einem höheren Anteil gedeckt
sind."

In Folge der Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie hat das
digitale Arbeiten an Akzeptanz und Bedeutung gewonnen. Entsprechend werden
sich auch Cyberdeckungen, digitale Dienstleistungen und Produkte weiter
durchsetzen und innovative Insurtechs einen Nachfrageschub verzeichnen. Die
Hannover Rück setzt dabei auf die partnerschaftliche Zusammenarbeit bei der
Entwicklung von digitalen Lösungen zusammen mit ihren Kunden sowie auf die
Unterstützung von Insurtechs mit Know-how und Rückversicherungsdeckung.

Im zweiten Halbjahr kam es zu einer Reihe von Großschäden. Die schwere
Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut Anfang August hat
viele Todesopfer gefordert und zu schweren Verwüstungen geführt. Zusammen
mit Schäden aus Naturkatastrophen in den USA und Asien dürften die
Großschäden des dritten Quartals (ohne Berücksichtigung von Covid-19) im
Rahmen der Erwartungen liegen.

Aufgrund der anhaltend hohen Unsicherheiten über den weiteren Verlauf der
Covid-19-Pandemie und die Wirkmechanismen staatlicher Stützungsmaßnahmen
sind Gewinnprognosen für den Konzern noch nicht seriös zu treffen. Auch ist
es nach wie vor nicht möglich, die konkreten Auswirkungen der Pandemie auf
die Rückversicherungsmärkte und Kapitalanlagen präzise zu beziffern. Die
Hannover Rück führt die entsprechenden Szenario-Berechnungen im Rahmen des
Risikomanagements laufend durch und wird wieder Ergebnisziele nennen, sobald
die zugrundeliegenden Wahrscheinlichkeiten belastbar genug sind.

Die Hannover Rück ist als verlässlicher und langfristig orientierter
Rückversicherer Partner ihrer Kunden. Der konsistente Geschäftsansatz und
die Kapitalstärke der Hannover Rück bieten in der gegenwärtigen
Marktsituation Möglichkeiten für profitables Wachstum und den weiteren
Ausbau der Geschäftsbeziehungen. Die breite Produktpalette, die
Bereitschaft, neue digitale Lösungsansätze zu unterstützen und die
Kundenorientierung werden auch in der nächsten Zeit für zunehmende
Geschäftschancen sorgen.

Die Hannover Rück ist mit einem Bruttoprämienvolumen von mehr als 22 Mrd.
EUR der drittgrößte Rückversicherer der Welt. Sie betreibt alle Sparten der
Schaden- und Personen-Rückversicherung und ist mit mehr als 3.000
Mitarbeitern auf allen Kontinenten vertreten. Gegründet 1966, umfasst der
Hannover Rück-Konzern heute mehr als 150 Tochtergesellschaften,
Niederlassungen und Repräsentanzen weltweit. Das Deutschland-Geschäft wird
von der Tochtergesellschaft E+S Rück betrieben. Die für die
Versicherungswirtschaft wichtigen Ratingagenturen haben sowohl Hannover Rück
als auch E+S Rück sehr gute Finanzkraft-Bewertungen zuerkannt: Standard &
Poor's AA- "Very Strong" und A.M. Best A+ "Superior".

Bitte beachten Sie den Haftungshinweis unter:
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