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WOCHENAUSBLICK: Dax weiter auf Richtungssuche

18.09.2020 um 15:53 Uhr

FRANKFURT (dpa-AFX) - Das Tauziehen zwischen Bullen und Bären mit derzeit gleich verteilten Kräften droht sich in der neuen Woche am deutschen Aktienmarkt fortzusetzen. Der Dax könnte so weiter um seine Marke von 13 200 Punkten pendeln, von der er sich seit Tagen nicht entscheidend absetzen kann. Um den Weg nach oben frei zu machen, sehen Börsianer die Marke von 13 460 Punkten als wichtig an. Dort hatte der Leitindex vor etwa zwei Wochen sein bisheriges Hoch seit dem Ausbruch des Corona-Crashs markiert.

Die Rally bei den zuletzt treibenden Branchen, darunter vor allem die Technologiewerte, ist Experten zufolge versiegt. Nun fehle es den Märkten auf hohem Niveau an neuen Kurstreibern. Laut Markus Reinwand von der Helaba suggeriert die Tatsache, dass einige US-Indizes vor der Korrektur Anfang September immer neue historische Höchststände markierten, dass es "die Pandemie mit all ihren ökonomischen Verwerfungen nie gegeben hat". Und auch wenn der Dax von seinem Rekord bei 13 795 Punkten noch mehr als 500 Punkte entfernt steht, hat er sich vom Corona-Tief bei knapp 8256 Punkten bereits deutlich um gut 60 Prozent erholt.

Die wieder hohen Corona-Infektionen in Europa spielen keine große Rolle mehr. Laut dem Marktexperten Robert Halver von der Baader Bank haben sich die Unternehmen nach einem halben Krisenjahr auf die Situation eingestellt. "Und die Regierungen werden auf steigende Neuinfektionen nur mit regionalen, nicht aber gesamtwirtschaftlichen Einschränkungen reagieren", so der Experte. Laut Ulrich Kater von der Deka Bank werden neue landesweite Stilllegungen des Wirtschaftslebens von Marktteilnehmern als sehr unwahrscheinlich angesehen.

Die Aktienmärkte müssen sich aber weiter an ihrer schon hohen Bewertung messen lassen, dies gilt vor allem für die tonangebenden US-Börsen und die dort bedeutenden Technologiewerte. Laut dem Helaba-Experten Reinwand hat das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den marktbreiten New Yorker S&P-500-Index zuletzt zeitweilig die Spitzenwerte aus dem Jahr 2000 erreicht. Wirklich verbessert habe sich das Chance-Risiko-Profil nun noch nicht. "Kurzfristig ist das Kurspotenzial aus unserer Sicht daher überschaubar", so der Experte.

Hinsichtlich der Perspektiven für den Rest des Jahres am Aktienmarkt gebe es derzeit zu viele Variablen, konstatiert Marktbeobachter Craig Erlam vom Broker Oanda. Corona-Impfstoffe, politische Klarheit oder staatliche Hilfsmaßnahmen könnten seiner Einschätzung nach in den kommenden Wochen über eine Richtung entscheiden. Politisch bleiben die Brexit-Saga, der weiter wogende US-chinesische Handelsstreit und die Vorwehen der im November anstehenden US-Präsidentschaftswahl übergelagerte Themen.

So oder so mangelt es Investoren ohne Zinsperspektive an Alternativen zum Aktienmarkt. Laut Reinwand hat sich ihre Stimmung zwar kurzfristig abgekühlt, auf mittlere Sicht wachse die Zuversicht aber weiter. "Diese Kombination spricht eher dafür, dass Anleger mit einer vermeintlich zu geringen Aktienquote die Korrektur nutzen, um Positionen aufzubauen", so der Experte.

Auf den Prüfstand gestellt wird die Stimmungslage unter den Anlegern im Wochenverlauf von frischen Wirtschaftsdaten. Ein zuletzt überraschend hoher ZEW-Index sorgt für Spannung im Vorfeld der am Mittwoch erwarteten Einkaufsmanagerdaten und des tags darauf anstehenden Ifo-Index. Baader-Experte Halver rechnet damit, dass diese Indikatoren aufzeigen werden, dass sich die Wirtschaftserholung mit gebremster Dynamik fortsetzt.

"Insbesondere die Einschätzung der augenblicklichen Lage sollte die Einkaufsmanagerumfragen und den Ifo-Geschäftsklimaindex weiter stabilisieren", so Deka-Experte Kater. "Dagegen könnten sich die Unternehmenserwartungen über die kommenden Monate etwas eingetrübt haben."

Aktienseitig werden zu Wochenbeginn die bereits angekündigten Indexänderungen wirksam. Dabei steigen unter anderem Wacker Chemie und die als Krisengewinner geltende Shop Apotheke in den MDax auf, wo die Startup-Schmiede Rocket Internet und der Medienkonzern RTL Platz machen. Weitere Umplatzierungen gibt es im SDax sowie auf europäischer Bühne im EuroStoxx 50 , dem künftig der Immobilienkonzern Vonovia angehört./tih/tav/fba

--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---

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