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ROUNDUP: Experten halten Madrids Maßnahmen gegen Corona für unzureichend

26.09.2020 um 12:50 Uhr

MADRID (dpa-AFX) - Gesundheitsexperten halten die neuen Maßnahmen der Regionalregierung Madrids zur Eindämmung der drastisch steigenden Corona-Zahlen für unzureichend und unwirksam. "Sie haben kein solides epidemiologisches Fundament, sie sind unverantwortlich im Hinblick auf die öffentliche Gesundheit und werden Leiden bereiten sowie Leben kosten", zitierte die Zeitung "La Vanguardia" am Samstag den Epidemiologen und früheren Krisendirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Daniel López Acuña.

Am Vortag hatte die konservative Regionalregierung der spanischen Hauptstadt den Rat der linken Zentralregierung missachtet, fast ganz Madrid abzuriegeln. Stattdessen ordnete sie nur die Ausweitung bestehender Beschränkungen der Bewegungsfreiheit von 37 auf 45 Gebiete an. Die Stadtregierung befürchtet, dass die Wirtschaft durch einen neuen Lockdown wie im Frühjahr völlig in die Knie gehen könnte.

Am Samstag forderte Spaniens Gesundheitsminister Salvador Illa die Regionalregierung erneut auf, dem Rat der Experten zu folgen. "Die Lage in Madrid ist kompliziert und stellt ein ernsthaftes Risiko dar", warnte er. "Es kommen schwere Wochen auf uns zu. Dies ist ein epidemiologischer Kampf gegen das Virus, kein ideologischer", betonte der Sozialist.

Auch der Wissenschaftler des nationalen Zentrums für Biotechnologie, Saúl Ares, lässt kaum ein gutes Haar an der Strategie der Regionalregierung. "In einer dicht besiedelten Stadt wie Madrid macht es wenig Sinn, einzelne Stadtgebiete abzuriegeln, die oft nur durch einen Bürgersteig voneinander getrennt sind", sagte er der Zeitung "El País". Zudem liege die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen 14 Tagen in Madrid schon lange über der Marke, ab derer mit Entschlossenheit hätte gehandelt werden müssen, betonte Ares. Zurzeit liegt diese Zahl bei 720, in Deutschland auf sieben Tage gerechnet bei etwa 13.

Spanien ist in Westeuropa im Hinblick auf die absoluten Infektionszahlen das am härtesten von der Corona-Pandemie getroffene Land. Bis Freitag wurden mehr als 715 000 Corona-Infektionen und mehr als 31 000 Todesopfer gezählt./ro/DP/nas

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