Daimler AG
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ROUNDUP 2: Streit ums Stammwerk - Daimler droht mit Verlagerung von E-Campus

25.11.2020 um 16:34 Uhr

(neu: Aktuelles Statement des Betriebsrats)

STUTTGART (dpa-AFX) - Bei Daimler schaukelt sich der Streit um den k√ľnftigen Kurs und die Sparpl√§ne der Konzernf√ľhrung um Vorstandschef Ola K√§llenius weiter hoch. Nach diversen Angriffen der Betriebsr√§te in den vergangenen Tagen reagierte der Autobauer am Mittwoch. In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter drohte er mit einem Aus f√ľr das geplante Kompetenzzentrum Elektromobilit√§t im Stammwerk Stuttgart-Untert√ľrkheim, wenn die Arbeitnehmervertreter weiter auf ihren Forderungen beharrten. Truck-Chef Martin Daum wies derweil, ebenfalls per Schreiben an die Belegschaft, die Warnungen vor einem "Kahlschlag" in den deutschen Lastwagenwerken zur√ľck.

Betriebsr√§te und IG Metall hatten sich zuletzt immer offener gegen die Umbau- und Sparpl√§ne positioniert und erst am Montag zu einer bundesweiten "Solidarit√§tsaktion" an s√§mtlichen Standorten aufgerufen. "In den Werken zittern die Besch√§ftigten und haben Angst um ihre Zukunft. Die Belegschaft in der Verwaltung f√ľhlt sich versto√üen", hie√ü es. Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht warf dem Management vor, es agiere "absolut beratungsresistent".

Besonders im Fokus steht, wie schon oft in der Vergangenheit, das Stammwerk in Untert√ľrkheim. Am Sitz der Unternehmenszentrale direkt am Neckar entwickelt und fertigt Mercedes-Benz Motoren, Getriebe und Achsen. Damit ist das Werk deutlich st√§rker von der Transformation der Branche betroffen als etwa die Fahrzeugfertigung in Sindelfingen, 4000 der rund 19 000 Stellen sollen nach Angaben der Arbeitnehmerseite bis 2025 wegfallen.

Daimler will in Untert√ľrkheim einen "Campus Mercedes-Benz Drive Systems" errichten und Batterien und elektrische Antriebe entwickeln. Der Betriebsrat will das auch, besteht aber darauf, dass f√ľr wegfallende Arbeit im Zuge des Umstiegs eine Kompensation in Form anderer Produktionsauftr√§ge geschaffen wird - so wie es einst mit dem Unternehmen vereinbart worden war. Der E-Campus allein reiche nicht aus, die beim Verbrenner wegfallenden Stellen zu kompensieren.

"Die Verhandlungsf√ľhrer der Arbeitnehmerseite beharren darauf, dass alle bestehenden Vereinbarungen unver√§ndert umgesetzt werden", hei√üt es nun in dem Schreiben des Managements, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zwar seien die aus damaliger Sicht sinnvoll und richtig gewesen, doch die Lage habe sich grundlegend ver√§ndert. "Festhalten am Status quo ist daher keine Option", schreiben die Vorst√§nde Markus Sch√§fer und J√∂rg Burzer.

Streitpunkt ist unter anderem die Fertigung von Kurbelwellen. "Klar ist: Kommt die neue Kurbelwellenfertigung in vollem Umfang nach Untert√ľrkheim, m√ľssen wir f√ľr den Campus Mercedes-Benz Drive Systems alternative Szenarien pr√ľfen. Denn eine B√ľndelung von Zukunftstechnologien ist dann aus Platzgr√ľnden in Untert√ľrkheim nicht mehr m√∂glich."

Eine Daimler-Sprecherin best√§tigte, dass derzeit verschiedene Alternativen gepr√ľft w√ľrden. Um wie geplant Zukunftstechnologien in Untert√ľrkheim umzusetzen, m√ľssten dort entsprechende Voraussetzungen zum Beispiel bei den Fl√§chen geschaffen werden. Dazu geh√∂re auch, dass nicht am angestammten Portfolio festgehalten werden k√∂nne. Man strebe aber weiterhin eine konstruktive L√∂sung zusammen mit den Arbeitnehmervertretern an.

In dem Schreiben hei√üt es, die Vereinbarung zum Ausschluss betriebsbedingter K√ľndigungen bis Ende 2029 habe selbstverst√§ndlich Bestand. Zugleich bitten Sch√§fer und Burzer die Besch√§ftigten darum, flexibel zu sein und im Einzelfall auch einen Wechsel in ein anderes Werk in der N√§he in Erw√§gung zu ziehen.

"Die Kluft zwischen der Konzernf√ľhrung und der Belegschaft wird immer gr√∂√üer", beklagte der Untert√ľrkheimer Betrebsratschef Michael H√§berle am Mittwoch. "Dass der Vorstand die Kolleginnen und Kollegen jetzt aber zus√§tzlich verunsichert, indem er droht, wichtige Zukunftsthemen an andere Standorte zu geben, ist ein Schlag ins Gesicht." Man sei durchaus bereit, Vereinbarungen anzupassen, und man h√§nge auch nicht einseitig am Verbrenner. Aber die Pr√§misse sei eben die Kompensation.

"Wir haben immer mehr den Eindruck, dass der angebotene E-Campus in erster Linie ein 'Trojanisches Pferd' ist, mit dem der Vorstand versucht, in Untert√ľrkheim vereinbarte Regelungen zu kippen und bereits heute einen Abbau von Arbeitspl√§tzen k√ľnstlich zu erzwingen", sagte H√§berle.

Auch im Truck-Bereich ist die Stimmung aufgeheizt, auch dort stehen Tausende Stellen zur Disposition. "Kahlschlag droht, wenn wir uns nicht wehren!", hatten die Betriebsr√§te mehrerer Standorte k√ľrzlich an die Besch√§ftigten geschrieben. "Das k√∂nnen wir so nicht stehenlassen", hei√üt es nun in einem Schreiben, das unter anderem von Daimler-Trucks-Vorstandschef Daum und Personalvorstand J√ľrgen Hartwig unterzeichnet ist und der dpa ebenfalls vorliegt. ""Kahlschlag" unterstellt, dass wir willk√ľrlich Arbeitspl√§tze abbauen wollen, und das ist schlicht falsch."

Man m√ľsse einerseits die Kosten senken, vor allem in Europa, und andererseits die technologische Transformation schaffen. Man suche den Dialog mit den Arbeitnehmervertretern, um gemeinsam die besten L√∂sungen zu finden. "Aber eines wollen wir Ihnen ganz offen sagen: Wir k√∂nnen nur Ma√ünahmen ergreifen, die wirtschaftlich sind", schreibt das Management. Daher m√ľsse man sich darauf einstellen, dass in einigen Bereichen Besch√§ftigung wegfallen werde.

Eine Sprecherin best√§tigte, dass es "sp√ľrbare Ver√§nderungen" in den Werken geben werde. Der damit verbundenen Verantwortung sei man sich bewusst und werde in den kommenden Monaten mit dem Betriebsrat √ľber die zuk√ľnftige Ausrichtung der Standorte verhandeln./eni/DP/nas

Daimler AG Chart
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