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Neues Kontrollsystem für Einfuhr von Konfliktmineralen

30.11.2020 um 05:22 Uhr

HANNOVER (dpa-AFX) - Über weltweite Lieferketten gelangen sie in Handys und Autos, und schlimmstenfalls tragen sie zur Finanzierung von Bürgerkriegen und Menschenrechtsverletzungen bei - sogenannte Konfliktminerale wie Zinn, Tantal, Wolfram und Gold. Die Europäische Union will vom Jahr 2021 an mit neuen Pflichten für die Importeure sicherstellen, dass die Herkunft der Rohstoffe, die in Europa verarbeitet werden, sauber ist. Auch in Deutschland wurde dafür eine neue Kontrollstelle geschaffen, genannt Deksor (Deutsche Kontrollstelle EU-Sorgfaltspflichten in Rohstofflieferketten).

"Das Problem der Konfliktminerale ist seit mehr als 20 Jahren bekannt", sagt Deksor-Leiter Matthias Beier. Er erklärt, dass der Abbau von Zinn, Tantal, Wolfram und Gold besonders anfällig sei für Menschenrechtsverletzungen. "Das liegt vor allem daran, dass diese Erze im nicht-industriellen Kleinbergbau abgebaut werden." Auf Tantal treffe das in mehr als 60 Prozent der Fälle zu, auf Zinn in etwa 50 Prozent. Bei Gold und Wolfram seien die Quoten niedriger, dennoch gebe es Risiken wie illegale Abgaben, niedrige Arbeitsstandards, der Abbau in Handarbeit oder sogar Kinderarbeit. Betroffen seien vor allem ärmere Länder in Afrika, Asien sowie Mittel- und Südamerika.

Um den Importeuren eine Orientierung zu bieten, um welche Regionen es genau geht, will die EU Ende dieses Jahres eine nicht verbindliche Liste der Konfliktgebiete bekanntgeben. Zu den Vorgaben für die Unternehmen zählen unter anderem eine Risikobewertung der gesamten Lieferkette sowie Strategien zur Minderung dieser Risiken und eine unabhängige Überprüfung. "Das ist ein kleiner Quantensprung, dass die Unternehmen diesen Pflichten künftig bis ins Ursprungsland nachkommen müssen", sagt Baier.

In Kraft ist die EU-Verordnung für Konfliktminerale schon seit 2017, aktiv nachkommen müssen die Importeure ihr aber erst 2021. "Das ist eine knapp vierjährige Übergangszeit, die die Industrieverbände durchgesetzt haben", sagt Baier. "Das ist teilweise verständlich, weil so ein Risikomanagementsystem nicht in zwei Wochen aufgebaut ist, andererseits ist das schon sehr viel Zeit."/cwe/DP/zb

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