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ROUNDUP: 'Deutsche Firmen haben viel aufzuholen' - Wenig Frauen in Topetagen

05.03.2021 um 14:19 Uhr

FRANKFURT (dpa-AFX) - StĂ€rkere Belastungen in der Corona-Pandemie und vergleichsweise wenig Posten in der Topetage der deutschen Wirtschaft: AnlĂ€sslich des Internationalen Frauentags an diesem Montag gibt es Experten zufolge kaum Grund zum Jubeln. In börsennotierten deutschen Unternehmen, aber auch im Mittelstand sind Managerinnen in der FĂŒhrungsebene nach wie vor klar in der Minderheit. "Frauen sind als Chefinnen kleiner und mittlerer Unternehmen weiterhin unterreprĂ€sentiert, ihre Zahl steigt im Corona-Jahr 2020 nur gering", erlĂ€uterte Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der staatlichen Förderbank KfW am Freitag.

Ähnlich sieht es in der obersten deutschen Börsenliga aus, auch wenn der Frauenanteil in den Dax -VorstĂ€nden zuletzt deutlich zulegte. "Die deutschen Unternehmen haben im internationalen Vergleich ... sehr viel aufzuholen", sagten die GeschĂ€ftsfĂŒhrer der gemeinnĂŒtzigen Allbright Stiftung, Wiebke Ankersen und Christian Berg.

Der Frauenanteil in der Topetage der 30 Dax-Konzerne lag demnach Anfang MĂ€rz bei 16,6 Prozent, nachdem er vor sechs Monaten auf nur 12,8 Prozent gesunken war. "Der Druck von Öffentlichkeit und Investoren hat sich in den vergangenen Monaten deutlich erhöht. HĂ€lt die Dynamik an, werden wir im kommenden Herbst den grĂ¶ĂŸten Zuwachs der letzten fĂŒnf Jahre verzeichnen", sagten Ankersen und Berg voraus.

In den VorstĂ€nden der insgesamt 160 Unternehmen der Dax-Familie einschließlich MDax und SDax arbeiten Anfang MĂ€rz 613 MĂ€nner und 86 Frauen. Das entsprach einem Frauenanteil von 12,3 Prozent.

FĂŒr einen Schub könnte auch die Einigung der Bundesregierung auf eine Frauenquote in Großunternehmen sorgen. In VorstĂ€nden börsennotierter und paritĂ€tisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern soll kĂŒnftig mindestens eine Frau sitzen. Das Gesetz soll vor der Bundestagswahl verabschiedet werden.

Der KfW zufolge trifft die Corona-Krise Frauen, die sich erst vor wenigen Jahren selbststĂ€ndig gemacht haben, besonders hart. Denn Branchen mit einem traditionell hohen Frauenanteil wie zum Beispiel das Sozialwesen oder das Kreativgewerbe verzeichnen in der Pandemie besonders starke UmsatzeinbrĂŒche.

Im vergangenen Jahr fĂŒhrten etwa 638 000 Managerinnen eines der insgesamt etwa 3,8 Millionen mittelstĂ€ndischen Unternehmen oder waren selbststĂ€ndig. Der Frauenanteil lag damit bei 16,8 Prozent (Vorjahr: 16,1 Prozent). Im Jahr 2013 waren es noch 19,4 Prozent. "Dass die FĂŒhrungsetagen des Mittelstands absehbar stĂ€rker weiblicher werden, ist wenig wahrscheinlich", sagte Köhler-Geib.

Auch nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fĂŒhrt die Corona-Pandemie besonders in solchen Berufen zu Problemen, die mehrheitlich von Frauen ausgeĂŒbt werden. Hohe Infektionsrisiken und Dauerbelastung trĂ€fen beispielsweise den Einzelhandel, die Altenpflege sowie den Bereich Erziehung und Sozialarbeit mit einem Frauenanteil von jeweils mehr als 80 Prozent. Unter den Krisenbranchen ragen das Gastgewerbe (64,6 Prozent) sowie die ĂŒber Monate geschlossenen Friseur- und Kosmetiksalons (86,5 Prozent) beim Frauenanteil heraus.

ErwerbstĂ€tige MĂŒtter mĂŒssen zudem den Spagat zwischen Arbeit und Kindererziehung bewĂ€ltigen. Nach den Erhebungen aus dem Jahr 2019 sind rund 75 Prozent der Frauen mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren erwerbstĂ€tig. Bei den VĂ€tern ist der Anteil mit 92,9 Prozent höher. Sie arbeiten allerdings wesentlich seltener in Teilzeit (6,4 Prozent) als die MĂŒtter (66,2 Prozent) und tragen damit mutmaßlich weniger zur Kinderbetreuung bei.

Der großen Mehrheit der Frauen (68 Prozent) in Deutschland ist es allerdings egal, ob sie fĂŒr einen mĂ€nnlichen Vorgesetzten oder eine Chefin arbeiten. Bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov gaben nur 8 Prozent der Frauen an, dass sie eine Chefin vorziehen. 18 Prozent bevorzugen einen Mann.

Fast jeder zweite BundesbĂŒrger ist laut einer Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsunternehmens Ipsos grundsĂ€tzlich der Meinung, dass die ungleiche Bezahlung von MĂ€nnern und Frauen ein wichtiges Thema ist. Nur eine kleine Minderheit (13 Prozent) glaubt, dass die Forderung nach gerechter Bezahlung ein Beispiel fĂŒr ĂŒbertriebene politische Korrektheit ist.

Skeptisch beurteilen die Befragten die Aussichten fĂŒr die Zeit nach der Pandemie. Nur 6 Prozent vermuten, dass sich die Gleichstellung von Mann und Frau bessern wird. Etwa jeder Zweite prognostiziert keinerlei VerĂ€nderungen, fast jeder FĂŒnfte vermutet, dass die Corona-Krise eher negative Auswirkungen auf die Geschlechtergerechtigkeit haben wird./mar/juc/ceb/DP/jha

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