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ROUNDUP: Altersvorsorge unter Druck - Corona verfestigt Niedrigzinsen

21.04.2021 um 15:43 Uhr

BONN (dpa-AFX) - Die Corona-Krise verfestigt die Zinsflaute am Finanzmarkt, der Druck vor allem auf Pensionskassen wĂ€chst. Im vergangenen Jahr hĂ€tten rund 30 Pensionskassen finanzielle UnterstĂŒtzung von ihren TrĂ€gerunternehmen oder AktionĂ€ren erhalten, die in der Regel auf mehrere Jahre gestreckt wĂŒrden, berichtete Deutschlands oberster Versicherungsaufseher Frank Grund am Mittwoch. "Es bleibt aber abzuwarten, wie leistungsfĂ€hig die TrĂ€gerunternehmen selbst in der Corona-Krise bleiben."

Die Finanzaufsicht Bafin hĂ€lt derzeit rund 40 der mehr als 130 Pensionskassen und rund 20 von 80 Lebensversicherern unter verschĂ€rfter Beobachtung. Corona habe die grĂ¶ĂŸte Herausforderung fĂŒr Pensionskassen und Lebensversicherer - das Niedrigzinsumfeld - noch verfestigt, sagte der Bafin-Exekutivdirektor bei der Online-Jahreskonferenz der Versicherungsaufsicht.

Erst jĂŒngst hatte die Finanzaufsicht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis entzogen, weil diese die Mindestkapitalanforderung nicht erfĂŒllten und ihre FinanzierungsplĂ€ne zur Beseitigung der Unterdeckung unzureichend seien. Die Untersagung war bereits 2018 angeordnet worden, nach einem Widerspruchsverfahren wurde sie am 1. Januar 2021 rechtskrĂ€ftig.

Nach Angaben der Bafin haben in den vergangenen Jahren insgesamt 60 Pensionskassen ihr NeugeschĂ€ft eingestellt. Eine besondere HĂ€ufung von FĂ€llen in der jĂŒngsten Vergangenheit habe er aber nicht beobachtet, sagte Grund.

Nach seinen Angaben haben Lebensversicherer einen grĂ¶ĂŸeren Spielraum zur BewĂ€ltigung der wegen der Corona-Krise wohl noch Jahre anhaltenden Niedrigzinsen am Finanzmarkt. Das gelte vor allem fĂŒr Produkte im NeugeschĂ€ft, sagte Grund. Erste Versicherer haben sich bei NeuvertrĂ€gen beispielsweise von der vollstĂ€ndigen Garantie der eingezahlten BeitrĂ€ge verabschiedet. In der Zinsflaute fĂ€llt es der Branche immer schwerer, die hohen Zusagen der Vergangenheit fĂŒr den Altersvorsorgeklassiker am Finanzmarkt zu erwirtschaften.

Insgesamt zeigte sich Grund mit Blick auf die Lage der gesamten Versicherungsbranche verhalten optimistisch. "FĂŒr Entwarnung ist es dennoch zu frĂŒh", mahnte er. "Wir wissen nicht, wie sich die Corona-Pandemie weiterentwickelt und wie schnell sich die nationale und internationale Realwirtschaft erholt."

Das Bundesfinanzministerium hĂ€lt eine Begrenzung der Kosten beim Verkauf von Lebensversicherungen weiter fĂŒr notwendig. "Wir mĂŒssen immer noch ĂŒber eine Begrenzung der Kosten sprechen", sagte FinanzstaatssekretĂ€r Jörg Kukies bei der Veranstaltung. Die geplante Deckelung der Provisionen war mangels Einigung zwischen Union und SPD zurĂŒckgestellt worden. Die Deckelung der Abschlussprovision bei Restschuldversicherungen sei im Bundestag dagegen auf einem guten Weg, sagte Kukies.

Die Bundesregierung will es Verbrauchern einfacher machen, einen Kredit beispielsweise fĂŒr den Hauskauf abzusichern. Die Restschuldversicherung springt ein, wenn der Darlehensnehmer arbeitsunfĂ€hig beziehungsweise arbeitslos wird oder stirbt. Zuletzt hatten Versicherer fĂŒr die Vermittlung dieser Policen Provisionen von teils mehr als 50 Prozent der VersicherungsprĂ€mie geboten. KĂŒnftig sollen nur noch maximal 2,5 Prozent der versicherten Darlehenssumme erlaubt sein./mar/DP/zb

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