dpa-AFX Compact

OTS: Börsen-Zeitung / Heißer Sommer, Kommentar zur EZB von Mark Schrörs

22.04.2021 um 20:27 Uhr

Heißer Sommer, Kommentar zur EZB von Mark Schrörs
Frankfurt (ots) - EZB-Präsidentin Christine Lagarde konnte jetzt kaum anders,
als die Diskussion über ein Herunterfahren der Anleihekäufe im Zuge des
Corona-Notfallanleihekaufprogramms PEPP oder gar ein Ende desselben als verfrüht
abzutun. Nachdem der EZB-Rat wegen steigender Anleiherenditen erst Mitte März
eine zeitweise Beschleunigung der Käufe im zweiten Quartal be­schlossen hatte,
wäre alles andere auch nur allzu erra­tisch erschienen. Genauso we­nig sollte es
aber überraschen, wenn die Debatte jetzt trotzdem nicht verschwindet - und das
ist auch gut so. Schon im Juni muss der EZB-Rat Farbe bekennen.

Wenn sich die Euro-Wirtschaft dank der Impulse aus den USA und China, aber auch
infolge der sich endlich einstellenden Impffortschritte und der perspektivischen
Rücknahme der Corona-Eindämmungsmaßnahmen im weiteren Jahresverlauf kräftig
erholt, ist es angezeigt, das PEPP-Kauftempo ab dem dritten Quartal zu drosseln.
Der EZB-Rat sollte sich einem geordneten Anstieg der Anleiherenditen nicht
entgegenstemmen, wenn dieser mit erhöhten Wachstums- und Inflationserwartungen
einhergeht. Mehr Zinsnormalität tut Not. Natürlich gilt es, den Euro im Blick zu
behalten. Trotz des erneuten Überschreitens der 1,20-Dollar-Marke besteht da
bislang aber keinerlei Anlass für Alarmismus.

Eine gute Nachricht für die EZB ist zweifelsohne, dass das
Bundesverfassungsgerichts just am Tag vor der Zinssitzung einen Eilantrag gegen
den 750-Mrd.-Euro Wiederaufbaufonds der EU abgelehnt hatte - womit eine zentrale
Hürde bei der Ratifizierung aus dem Weg geräumt ist. Auch wenn Lagarde betont,
dass die Geldpolitik nicht die Finanzpolitik ersetzen kann, steigt der Druck auf
die EZB, je weniger die EU-Politik ihrer Verantwortung gerecht wird. Essenziell
ist aber, dass die Länder die EU-Hilfen auch produktiv einsetzen und zugleich
bei Strukturreformen ernst machen. Das gilt vor allem für Italien, wo Mario
Draghi früheren Reformappellen als EZB-Chef nun als Regierungschef Taten folgen
lassen muss.

Womöglich schon im September muss der EZB-Rat zudem Stellung beziehen, was mit
PEPP über das bisherige Enddatum März 2022 hinaus geschieht. Wenn sich die
Wirtschaft wie erhofft erholt, sollte die EZB das Ende von PEPP ins Visier
nehmen. Ein Ende der ultralockeren Geldpolitik wäre das aber nicht, zumal wenn
im Gegenzug etwa beim parallelen Anleihekaufprogramm APP nachgelegt würde.
Zusätzliche Brisanz bekommt all das, weil die EZB im Herbst auch ihre große
Strategieüberprüfung abschließen will, die reichlich Konfliktthemen birgt. Die
EZB steht vor einem heißen Sommer.

Pressekontakt:

Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/30377/4896746
OTS: Börsen-Zeitung

Hinweis: Die veröffentlichten Tradingsignale und Empfehlungen dienen lediglich der allgemeinen Information, sie sind keine Beratung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes und stellen kein Angebot und keine Aufforderung zum Kauf, Halten oder Verkauf von Wertpapieren oder Derivaten dar. Sie entsprechen lediglich der aktuellen Einschätzung des verwendeten Handelssystems.
TraderFox GmbH: Impressum & Datenschutz - Allgemeine Geschäftsbedingungen - Cookie-Erklärung