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ROUNDUP 2/Datenschutz und KI: Apple verschärft Wettbewerb mit Facebook & Co.

08.06.2021 um 11:13 Uhr

CUPERTINO (dpa-AFX) - Apple wirbt seit Monaten mit dem Thema Datenschutz. Zuletzt sorgte ein Update der Betriebssysteme f√ľr iPhone und iPad daf√ľr, dass Anwenderinnen und Anwender nerviges Werbe-Tracking wirksam unterbinden k√∂nnen. Auf der Entwicklerkonferenz WWDC legten Apple-Chef Tim Cook und sein Team jetzt noch einmal nach. So wird die E-Mail-App beispielsweise k√ľnftig verhindern, dass √úberwachungsprogramme nachvollziehen k√∂nnen, ob jemand eine Mail ge√∂ffnet hat oder nicht.

Mit seinem Vorsto√ü in Sachen Datenschutz lenkt Cook den iPhone-Konzern auf einen Kollisionskurs mit gro√üe Internetkonzernen, vor allem mit Facebook. Das Imperium von Mark Zuckerberg lebt davon, Daten √ľber Menschen zu sammeln, um Werbung zielgerichtet ausliefern zu k√∂nnen. Doch die Proteste aus der Werbeindustrie haben Apple nicht zum Einlenken bewegt, ganz im Gegenteil.

So wird der Apple-Browser Safari k√ľnftig seine eigene technische Adresse im Web verschleiern k√∂nnen. Und wer alle Netz-Verbindungen seiner Apps abschirmen m√∂chte, kann k√ľnftig auf die Funktion "Private Relay" zur√ľckgreifen. Sie ist Teil eines neuen Abos iCloud+.

√Ąhnlich wie bei einem sogenannten VPN wird der User mit Private Relay bei seinen Bewegungen im Netz anonymisiert. Im Gegensatz zu einem klassischen VPN-Dienst ("Virtual Private Network") k√∂nnen die Kunden aber keinen virtuellen Standort ausw√§hlen, zum Beispiel um von Deutschland aus Streaming-Inhalte anschauen zu k√∂nnen, die eigentlich Zuschauern in den USA vorbehalten sind.

Selbst beim verst√§rkten Einsatz der K√ľnstlichen Intelligenz, den Apple quer durch alle Produktgruppen vorantreibt, steht der Datenschutz im Vordergrund. Denn in der Regel werden beim maschinellen Lernen √† la Apple Daten nicht an irgendwelche Server √ľbertragen, sondern lokal auf den Ger√§ten verarbeitet. Die am Montag angek√ľndigte neue iPhone-Software soll Text in Fotos auslesen k√∂nnen, auf den Ger√§ten wird automatisches √úbersetzen in andere Sprachen m√∂glich.

Die Videochat-App Facetime wird nach dem Boom von rivalisierenden Diensten wie Zoom in der Corona-Krise deutlich ausgebaut. Apple tritt dabei aber nicht nur gegen Zoom an, sondern auch gegen Facebook. Denn die erneuerte Videochat-Software von Apple erm√∂glicht nun auch gemeinsame Filmabende mit Freundinnen und Freunden, obwohl jeder zu Hause ist. Das funktioniert quer √ľber die Apple-Produktpalette - iPhone, iPad, Mac und Apple TV - hinweg. Und es klappt nat√ľrlich am besten, wenn alle Beteiligten zur Apple-Kundschaft geh√∂ren.

Apple hatte zum Auftakt der WWDC aber auch eine Botschaft an die Menschen, die bislang gar kein Ger√§t mit dem Apfel-Logo besitzen. Nutzer von Android-Smartphones und Windows-Computern k√∂nnen sich n√§mlich k√ľnftig auch in Facetime-Videochats einw√§hlen. Daf√ľr wird man Nutzer in einen Facetime-Chat √ľber einen Link einladen k√∂nnen - so wie es etwa beim Videokonferenzdienst Zoom √ľblich ist. Auch dabei legt Apple Wert darauf, dass alle Verbindungen mit einer Ende-zu-Ende-Verschl√ľsselung gegen ein Aussp√§hen gesch√ľtzt werden.

Eine andere Botschaft richtete sich an die Geschäftspartner von Apple. So können Hersteller von Hausgeräten die Sprachassistentin Siri integrieren. Diesen Weg gehen bereits Amazon mit der Assistenzsoftware Alexa und Google mit seinem Assistant. Zusammen mit den Konkurrenten Google und Amazon will Apple im Smart Home nun den gemeinsamen Standard "Matter" vorantreiben.

Mit der Funktion "Universal Control" l√§sst Apple nebeneinander positionierte Mac-Computer und iPad-Tablets mit Maus und Tastatur bedienen als w√§re es ein Ger√§t, ohne dass sie daf√ľr speziell verbunden sein m√ľssen. Neue Ger√§te wurden am Montag aber nicht vorgestellt.

Immer weiter ausgebaut werden die Gesundheitsfunktionen der Apple-Ger√§te. So werden das iPhone und die Apple Watch k√ľnftig den Gang eines Nutzers analysieren k√∂nnen, um ihn vor einem erh√∂hten Fallrisiko zu warnen. In den USA kooperiert Apple mit medizinischen Einrichtungen, damit die Gesundheits-Anwendung "Health" aktuelle Laborergebnisse direkt in der App anzeigen und interpretieren kann.

Die neuen Funktionen sorgten daf√ľr, dass verschiedene Elemente von Apples √Ėkosystem enger miteinander verzahnt werden, kommentierte der langj√§hrige Branchenanalyst Gene Munster von Loop Ventures die Ank√ľndigungen. Das erleichtere die Nutzung der Produkte. Die neuen Betriebssysteme macht Apple traditionell im Herbst verf√ľgbar. Die Funktionen werden aber bereits jetzt vorgestellt, damit Entwickler sie rechtzeitig in ihre Apps integrieren k√∂nnen.

Ein wichtiges Thema, das viele Entwickler direkt betrifft, klammerten Apple-Chef Tim Cook und seine Mitstreiter auf der WWDC-B√ľhne aber komplett aus. "Die H√∂he der Kommission, die Apple von den Entwicklern verlangt, ist der Elefant im Raum auf der diesj√§hrigen WWDC", sagte Munster. Bislang kassiert Apple von den App-Entwicklern 30 Prozent der Einnahmen. Bei Firmen, die weniger als eine Million Dollar Umsatz machen, liegt die Quote bei 15 Prozent.

Das App-Store-System von Apple steht aber gerade unter Beschuss - und das nicht nur wegen der H√∂he der Umsatzbeteiligung. Die EU-Kommission wirft dem iPhone-Konzern unfairen Wettbewerb im Gesch√§ft mit Musikstreaming-Apps vor. Die Spielefirma Epic ("Fortnite") will mit einer Klage in Kalifornien erreichen, dass sie und andere Anbieter eigene App Stores auf dem iPhone betreiben k√∂nnen, an Apple vorbei. Tim Cook hatte zuletzt vor Gericht betont, der App Store sei eine f√ľr App-Entwickler lukrative Plattform und sch√ľtze gleichzeitig die Nutzer vor Betrugsversuchen. Auf der WWDC √§u√üerte sich der Konzernlenker dazu nicht weiter./chd/so/DP/stw

Zoom Video Communications Chart
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