dpa-AFX Compact

OTS: Börsen-Zeitung / 5,0 - Kommentar zur Geldpolitik von Mark Schrörs

10.06.2021 um 20:27 Uhr

5,0 - Kommentar zur Geldpolitik von Mark Schrörs
Frankfurt (ots) - Was für eine Überraschung - und was für eine Marke: Die
US-Inflation ist im Mai auf 5,0 Prozent gesprungen. Natürlich hat das viele
temporäre Gründe, so dass es so kaum auf Dauer weitergehen dürfte. Aber auch die
Kernrate, die als besserer Indikator für den zugrunde liegenden Preisdruck gilt,
hat erneut kräftig auf 3,8 Prozent zugelegt - ein 29-Jahres-Hoch. Vor allem
aber: Der Anstieg fiel erneut sehr viel stärker aus als prognostiziert. Sicher,
für Inflationspanik besteht kein Grund. Aber genauso wenig sollte der
Inflationsanstieg auf die leichte Schulter genommen werden. Spätestens nach
Donnerstag sollte jedem klar sein: Die Inflation ist sicher nicht tot.

Vor allem die US-Notenbank Fed, die nächste Woche tagt, darf die
Inflationsgefahr nicht unterschätzen und nicht zu lange untätig zuschauen. Auch
das Lohnwachstum zieht bereits an. Jetzt geht es beileibe nicht darum, gleich
auf eine restriktive Geldpolitik umzuschalten. Aber es scheint nötig, zumindest
ein wenig vom Gas zu gehen. Anleihekäufe von 120 Mrd. Dollar pro Monat sind
überholt. Der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik nach der
Corona-Pandemie erfordert wohl auch eine schnellere Gangart als nach der
Weltfinanzkrise. Wenn die Fed die US-Wirtschaft zu lange heiß laufen lässt,
drohen bei einer späteren Wende enorme makroökonomische Kosten - und auch der
Weltwirtschaft Ungemach.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) sollte genau hinschauen, was in den USA
passiert. Am Donnerstag hat die EZB trotz stark verbesserter Wirtschaftslage und
ebenfalls kräftig anziehender Inflation beschlossen, das im Frühjahr noch einmal
erhöhte Kauftempo beim Corona-Notfallanleihekaufprogramm PEPP vorerst
beizubehalten. Zu groß schien die Angst einer Mehrheit im EZB-Rat, dass es sonst
zu einer Verschärfung der Finanzierungsbedingungen kommt. Damit wird das Problem
aber nur in die Zukunft verschoben - und der Druck größer.

Spätestens im September muss der EZB-Rat wohl Farbe bekennen. Wenn sich Wachstum
und Inflation - und die Pandemie - bis dahin so entwickeln wie erwartet, gilt es
dann, die Käufe zu reduzieren und im März 2022 auslaufen zu lassen. Dann bliebe
die EZB-Politik immer noch sehr expansiv, und im Notfall ließe sich auch das
parallele Anleihekaufprogramm APP aufstocken. EZB-Präsidentin Christine
La­gar­de hat am Donnerstag in der Manier ihres Vorgängers Mario Draghi erklärt,
jede Debatte über ein PEPP-Ende komme jetzt "verfrüht". Aber Lagarde & Co.
können - und dürfen! - der Tapering- und Exit-Debatte nicht auf Dauer
ausweichen.

Pressekontakt:

Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/30377/4938574
OTS: Börsen-Zeitung

Hinweis: Die veröffentlichten Tradingsignale und Empfehlungen dienen lediglich der allgemeinen Information, sie sind keine Beratung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes und stellen kein Angebot und keine Aufforderung zum Kauf, Halten oder Verkauf von Wertpapieren oder Derivaten dar. Sie entsprechen lediglich der aktuellen Einschätzung des verwendeten Handelssystems.
TraderFox GmbH: Impressum & Datenschutz - Allgemeine Geschäftsbedingungen - Cookie-Erklärung