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17.05.2022 um 19:59 Uhr

Weiterer Rückschlag, Kommentar zur Adler Group von Helmut Kipp
Frankfurt (ots) - Die Wirtschaftsprüfer von KPMG Luxembourg zeigen dem Kunden
Adler Group die kalte Schulter. Sie haben kein Interesse mehr, die Bücher des
angeschlagenen Wohnungskonzerns unter die Lupe zu nehmen. Das allein schon ist
ein höchst ungewöhnlicher Vorgang. Das gilt erst recht, wenn man bedenkt, dass
Adler von dieser Entscheidung komplett überrascht wurde. Denn noch am Morgen
hatte das Unternehmen angekündigt, KPMG erneut als Abschlussprüfer
vorzuschlagen.

Für Adler Group ist das Ganze ein weiterer Rückschlag. Ein neuer Prüfer muss
sich erst einmal in eine komplexe Materie einarbeiten. Das kostet Zeit, was eine
zusätzliche Hürde für das Bestreben darstellt, ein uneingeschränktes Testat für
2022 zu erreichen. Zudem nährt der KPMG-Entscheid abermals Zweifel an Solidität
und Stabilität der Bilanz. Aktionäre und Bondhalter werden sich fragen, ob der
bisherige Prüfer womöglich aus Sorge vor der Entdeckung finanzieller Löcher
kalte Füße bekommen hat. Vor diesem Hintergrund mutet der Aktienkursrückgang von
12,5 % am Dienstag noch ziemlich verhalten an.

Sicher, das Verhältnis sowohl zur Luxemburger KPMG-Einheit, die dem
Jahresabschluss 2021 das Testat versagt hat, als auch zu den KPMG-Forensikern,
die den Sonderprüfungsbericht zu den Anschuldigungen des Shortsellers Fraser
Perring erstellt haben, ist stark angespannt. Beide sind verärgert, weil ihnen
nach eigener Überzeugung wichtige Informationen vorenthalten wurden. Das mag
einer Weiterführung der Mandatsbeziehung im Wege stehen.
Adler-Verwaltungsratschef Stefan Kirsten wiederum hat zusätzliches Öl ins Feuer
gegossen, als er öffentlich sein Missfallen über Teile des Sondergutachtens
artikulierte. Nur warum hat KPMG Luxembourg ihre ablehnende Haltung nicht im
Vorfeld an den Mandanten weitergereicht und ihn stattdessen ins offene Messer
rennen lassen? Das ist in der Tat ein irritierendes Vorgehen.

Womöglich spielen auch andere Aspekte eine Rolle. Der Wirecard-Skandal zeigt,
dass Wirtschaftsprüfern immense Haftungsrisiken drohen, falls ihnen
Bilanzmanipulationen verborgen bleiben. Dieser Gefahr will sich KPMG Luxembourg
offenbar nicht weiter aussetzen. Wobei festzuhalten bleibt, dass diese
Gesellschaft den Adler-Abschluss 2020 durchgewinkt hat. Spannend wird nun sein,
welche renommierte Adresse bereit ist, das heikle Mandat zu übernehmen. Denn die
KPMG-Entscheidung könnte andere abschrecken. Auf jeden Fall wird der neue
Wirtschaftsprüfer unter besonderer Beobachtung stehen.

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