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OTS: Atradius Kreditversicherung / Verschleppter Transformationsprozess ...

24.05.2022 um 10:20 Uhr

Verschleppter Transformationsprozess verstärkt Schwierigkeiten der
Automobilbranche
Köln (ots) -

- Warenkreditversicherer Atradius rechnet mit einem Anstieg der Zahlungsausfälle
und Insolvenzen
- Der Krieg in der Ukraine hat der Branche einen neuerlichen Dämpfer versetzt

Die Erträge der deutschen Autoindustrie haben alle Prognosen für das Jahr 2021
übertroffen. Das sollte eigentlich ein Grund zum Jubeln sein für die größte
Wirtschaftsbranche Deutschlands. Doch Warenkreditversicherer Atradius warnt vor
allzu großem Optimismus: "Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die
Insolvenzzahlen in der Branche noch in diesem Jahr um 20 Prozent ansteigen
werden", Michael Karrenberg, Regional Director Risk Services Germany, Central,
North, East Europe & Russia/CIS bei Atradius. Fakt ist nämlich: Die Erträge sind
zwar deutlich gestiegen, doch der Absatz liegt weiterhin unter dem Niveau von
2019, dem Jahr vor Beginn der Coronakrise. "Der Krieg in der Ukraine und die
Wirtschaftssanktionen gegen Russland erhöhen aktuell den Druck auf die Branche,
doch die Krise hatte sich schon seit vielen Jahren angebahnt", so Karrenberg.

Rund 410,9 Milliarden Euro betrug der Umsatz der deutschen Automobilindustrie im
Jahr 2021 - und wuchs damit gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent. Zwar wuchs
auch die Zahl der Autoexporte im Jahr 2021 gegenüber dem Vorjahr, doch im
Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 gingen die deutschen Autoexporte um 8,2
Prozent zurück. "Die gegenläufige Entwicklung der Zahlen ist darauf
zurückzuführen, dass die großen Autobauer ihren Fokus zuletzt auf die Produktion
von Autos mit hohen Margen gesetzt haben", erläutert Karrenberg. "Angesichts der
Materialengpässe im vergangenen Jahr, haben sie das verfügbare Material in Autos
aus dem hochpreisigen Segment investiert. Dadurch konnten sie den eigenen
Produktionsrückgang zumindest auf der Ertragsebene ausgleichen." Hinzu komme,
dass die Autobauer aktuell kaum noch Rabatte im Verkauf geben, da die Nachfrage
insbesondere das Angebot im Elektrosegment deutlich übersteige. "Die
Lieferzeiten liegen teilweise bei 12 Monaten, oft werden keine Bestellungen mehr
angenommen. Durch den Verzicht auf Rabatte verbessern die Autobauer zusätzlich
ihre Marge."

Der Krieg erhöht den Druck auf eine ohnehin angeschlagene Branche

Unterm Strich werden also weniger Autos verkauft: Allein im April waren es rund
21 Prozent weniger registrierte Neuwagen in Deutschland als im Vorjahr.
Leidtragende sind die Zulieferer, bei denen von den zusätzlichen Gewinnen der
Autobauer nichts ankommt. Stattdessen befinden sie sich in einer Lage, aus der
es im Augenblick kaum ein Entrinnen gibt: Auf der einen Seite ist da die
sinkende Nachfrage durch ihre Abnehmer, auf der anderen Seite erzeugen
Lieferengpässe und teilweise deutliche Preissteigerungen bei wichtigen
Rohstoffen Druck. Dieser Druck wird derzeit durch den Krieg in der Ukraine und
die Wirtschaftssanktionen gegen Russland zusätzlich erhöht, da die
Versorgungssicherheit mit insbesondere für die Halbleiterproduktion wichtigen
Rohstoffen, dauerhaft auf der Kippe steht. Nickel und Aluminium beispielsweise
werden zu großen Anteilen aus Russland importiert, große Mengen des Gases Neon
stammen aus der Ukraine. Im März hatten die Rohstoffpreise in Folge des
Kriegsausbruchs vorübergehend deutlich angezogen, der Preis für Nickel ist
seitdem um rund 18 Prozent gestiegen. Zusätzlich fehlen Transportmöglichkeiten
für Güter aus dem Osten. "In dieser Gemengelage ist es für die Zulieferer extrem
schwierig, zu kalkulieren", führt Karrenberg aus. "Die steigenden Materialpreise
und der geringe Output führen zu verringerter Liquidität der Firmen. Damit
steigt auch das Zahlungsausfallrisiko."

Viele haben die Trendwende zur Elektromobilität knapp verpasst

Der Krieg ist für die Branche jedoch nur ein zusätzlicher Faktor in einer sich
schon seit längerer Zeit anbahnenden Krise. Viele Unternehmen leiden seit der
Coronapandemie unter Liquiditätsengpässen, bei manchen setzte der Trend
schrumpfender Margen jedoch schon vor Pandemiebeginn ein: "Der Rückgang bei den
Autoexporten zwischen den Jahren 2019 und 2021 ist vor allem auf eine sinkende
Nachfrage bei Autos mit Verbrennungsmotor zurückzuführen", erläutert Karrenberg.
"Der Absatz von Elektro- und Hybridfahrzeugen nahm in dieser Zeit um 78 Prozent
zu." Weite Teile der Autobranche hätten die Transformation zur Elektromobilität
noch nicht oder stark verzögert vollzogen, sagt Karrenberg "Wo die bestehende
Liquidität nicht genutzt wurde, um sich auf den Wandel der Branche einzustellen,
hinterlassen die Auswirkungen der Coronapandemie und die Verlängerung der
Wirtschaftskrise durch den Ukrainekrieg besonders starke Blessuren",
schlussfolgert der Risiko-Experte.

Vor allem kleineren Zulieferern droht die Pleite

Viele Firmen haben sich im Verlauf der Coronakrise stark verschuldet. Mit den
voraussichtlich steigenden Zinsen wird es für Unternehmen schwieriger die
laufende Belastung aus Zins und Tilgung zu bedienen. Zudem werden Banken in der
aktuellen Situation bei der Neukreditvergabe noch genauer auf die Bonität
schauen. Gleichzeitig fallen die Corona-Hilfen der letzten Jahre weg und die
vorübergehend ausgesetzte Insolvenzantragspflicht ist ebenfalls wieder in Kraft.
"Unternehmen, die sich dank dieser Erleichterungen im vergangenen Jahr noch über
Wasser halten konnten, werden nun vermehrt Insolvenz anmelden müssen", sagt
Karrenberg. Das gelte besonders für sogenannte "Zombie-Firmen", also
Unternehmen, die bereits vor der Krise Probleme hatten und die bislang nur dank
der coronabedingten Sonderregelungen noch überlebt haben. Früher oder später
werde es also zu einer gewissen Marktbereinigung kommen: "Noch liegen die
Insolvenzzahlen in der Automobilbranche um etwa 20 Prozent unter dem Wert aus
der Zeit vor Corona. Es ist aber zu erwarten, dass sich die Zahlen mittelfristig
deutlich nach oben korrigieren werden."

Vorrangig von Insolvenzen betroffen sein werden nach Einschätzung der
Risikoexperten von Atradius kleinere Zulieferer aus der zweiten oder dritten
Reihe. Hier sieht man bereits jetzt eine negative Entwicklung. "Zwischen den
Zulieferern der ersten Reihe, also den direkten Zulieferern, und den großen
Autobauern besteht eine starke gegenseitige Abhängigkeit", erläutert Karrenberg.
"Den Autobauern ist viel daran gelegen, die Versorgung mit Autoteilen
aufrechtzuerhalten. Es besteht durchaus die Bereitschaft, ihren Zulieferern bei
bestehenden Verträgen entgegenzukommen." So gelänge es zumindest den großen
Automotive-Suppliern, auch in Krisenzeiten nicht in die Insolvenz zu rutschen.
"Einen Automatismus, dass die großen Zulieferer ihre Preiserhöhungen bei den
Autobauern durchsetzen können, wird es aber wohl kaum geben. Der Spielraum für
Mehraufwendungen ist auch bei den Autobauern begrenzt. Die Regel lautet: Je
wichtiger der Zulieferer, desto weniger wahrscheinlich die Insolvenz", sagt
Karrenberg.

Über Atradius

Atradius ist ein globaler Anbieter von Kreditversicherungen, Bürgschaften,
Inkassodienstleistungen und Wirtschaftsinformationen mit einer strategischen
Präsenz in mehr als 50 Ländern. Die von Atradius angebotenen Produkte schützen
Unternehmen weltweit vor den Ausfallrisiken beim Verkauf von Waren und
Dienstleistungen auf Kredit. Atradius ist Mitglied der Grupo Catalana Occidente
(GCO.MC), einer der größten Versicherer in Spanien und einer der größten
Kreditversicherer der Welt. Weitere Informationen finden Sie online unter
http://www.atradius.de .

Pressekontakt:

Atradius Kreditversicherung
Niederlassung der Atradius Crédito y Caución S.A. de Seguros y
Reaseguros

Astrid Goldberg
Pressesprecherin
Telefon: +49 (0) 221 2044 - 2210
E-Mail: mailto:astrid.goldberg@atradius.com

Stefanie Heilken
Pressereferentin
Telefon: +49 (0) 221 2044 - 1034
E-Mail: mailto:stefanie.heilken@atradius.com

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