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25.05.2022 um 08:37 Uhr

KfW-Konjunkturkompass: Krieg macht Hoffnung auf kräftige
Konjunkturerholung zunichte
Frankfurt am Main (ots) -

- Kriegsbedingt verschärfte Materialengpässe und Energiepreisanstieg belasten
neben Corona-Pandemie die Konjunktur
- KfW Research erwartet Zunahme des deutschen BIP um real 1,6 % für 2022 und 1,2
% für 2023; Eurozone: 2,5 % (2022) und 1,3 % (2023)
- Deutsche Inflationsrate 2022 bei 6,3 % und 2023 bei 3,0 %; Eurozone: 6,4 %
(2022) und 3,1 % (2023)
- Außergewöhnlich hohe Prognoserisiken aufgrund kaum antizipierbarer weiterer
Entwicklung des Ukraine-Krieges

Während die Bremseffekte der Pandemiemaßnahmen in Deutschland nachlassen und
sich die kontaktintensiven Dienstleistungen erholen, verlängert der russische
Angriffskrieg die globalen Materialengpässe, treibt die Energiekosten in die
Höhe und belastet die private Kaufkraft. Zusätzlich stressen die Auswirkungen
der No-Covid-Politik Chinas mit dem strikten Lockdown im weltweit wichtigen
Wirtschaftszentrum Schanghai die ohnehin gestörten globalen Lieferketten. Vor
diesem Hintergrund wuchs das deutsche preis-, saison- und kalenderbereinigte
Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2022 immerhin noch um 0,2 %
gegenüber dem Vorquartal. Auch in den kommenden Quartalen werden diese
Entwicklungen das Wirtschaftswachstum hierzulande hemmen. Die Konsumerholung im
Sommerhalbjahr dürfte folglich relativ schwach ausfallen, im Winterhalbjahr wird
die Wirtschaft nahezu stagnieren. KfW Research senkt seine Realwachstumsprognose
für Deutschland deshalb auf 1,6 % (Vorprognose, erstellt kurz vor
Kriegsausbruch: +3,2 %). 2023 dürfte die deutsche Wirtschaft sogar nur um 1,2 %
zulegen (Vorprognose: +2,9 %), wobei der ungünstige Start in das Jahr die
Wachstumsrate spürbar nach unten drückt. In der neuen Prognose unterstellt sind
anhaltend hohe Energiepreise, aber kein Gasembargo.

Bei der monatlichen deutschen Inflationsrate dürfte im Verlauf der zweiten
Jahreshälfte 2022 ein Abwärtstrend einsetzen, solange die Energiepreise
zumindest stagnieren. Im Jahresdurchschnitt 2022 dürfte sich die Inflationsrate
gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex bei 6,3 % einpendeln. Die
anhaltende Überwälzung der höheren Produktionskosten auf die Verbraucherpreise
und ein Anstieg der Löhne unter anderem aufgrund einer deutlichen Anhebung des
Mindestlohns im Oktober 2022 dürften die Inflation auch 2023 mit 3,0 % noch
deutlich über der geldpolitischen Zielmarke von durchschnittlich 2 % halten.

"Der ehemals erhoffte kräftige Aufschwung erstickt im Würgegriff des Krieges.
Mit einer durchgreifenden konjunkturellen Belebung ist, anders als vor dem
russischen Angriff auf die Ukraine erwartet, erst wieder zu rechnen, wenn die
hemmenden Faktoren nachlassen", sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der
KfW. "Wegen des Krieges werden die Energiepreise längerfristig hoch sein und so
die Kaufkraft belasten. Außerdem kann es wegen Chinas strikter Lockdowns selbst
bei kleinen Corona-Ausbrüchen immer wieder zu zusätzlichen Störungen in den
globalen Lieferkette kommen. Für den Rest des Jahres erwarte ich deshalb nur
moderat positive Quartalswachstumsraten in Deutschland, auch stagflationäre
Tendenzen sind durchaus möglich."

Auf die Konjunktur in der Eurozone insgesamt wirken dieselben maßgeblichen
Kräfte ein wie in Deutschland: der Krieg in der Ukraine, die Materialengpässe,
der Energiepreisanstieg und die Corona-Pandemie. Unterschiede in den
Wachstumsprofilen der Euroländer zueinander wie im Vergleich zu der Eurozone als
Ganze sind im Wesentlichen die Folge zeitlicher Verschiebungen im Verlauf der
einzelnen Corona-Wellen einschließlich der damit einher gehenden
gesundheitspolitisch motivierten Interventionen im Zusammenspiel mit der
Wirtschaftsstruktur der Länder. In den anderen drei großen Euroländern Italien,
Frankreich und Spanien war das Bruttoinlandsprodukt 2020 nach Ausbruch der
Corona-Pandemie und den daraufhin verfügten strikten Lockdowns viel stärker
eingebrochen als in Deutschland, wo der hohe Industrieanteil zunächst
stabilisierte. Entsprechend höher war dort nach Rücknahme der Corona-Maßnahmen
die Aufholbewegung im Jahr 2021, sodass die Eurozone mit erheblich mehr Schwung
in das Jahr 2022 starten konnte als Deutschland. Unterm Strich ist für die
Eurozone daher wie schon 2021 für das laufende Jahr nochmals ein merklich
höheres Realwachstum von 2,5 % zu erwarten (Vorprognose: +3,6 %). Im Jahr 2023
wird sich das Realwachstum dem deutschen aber wieder stark annähern und dürfte
bei 1,3 % liegen (Vorprognose: +2,7 %). Für die jahresdurchschnittliche
europäische Verbraucherpreisinflation sind die Erwartungen mit 6,4 % für 2022
und 3,1 % für 2023 nur unwesentlich höher als in Deutschland.

Angesichts der kaum antizipierbaren weiteren Entwicklung des Ukraine-Krieges
sowie der daraufhin noch ergriffenen Sanktionen ist das Prognoserisiko
gegenwärtig weit über das übliche Maß hinaus erhöht. Zudem schwelt die
Corona-Pandemie weiter und könnte direkt, etwa falls wegen einer neuen
Virusvariante wieder wirtschaftlich relevante Einschränkungen notwendig würden,
oder auch indirekt, wie der strenge Lockdown in Schanghai aktuell illustriert,
Auswirkungen auf die Konjunktur in Deutschland und der Eurozone haben. Neben der
offensichtlichen Verschärfung der Lieferkettenprobleme könnten immer
wiederkehrende oder flächendeckende Lockdowns in China auch einen globalen
Nachfrageeinbruch auslösen. Letzterer droht ebenfalls, falls die Zentralbanken
beim Kampf gegen die Inflation übersteuern oder die gegenwärtig sehr hohen
Inflationsraten sogar nur über eine geldpolitisch induzierte Rezession gesenkt
werden können. Besonders akut ist außerdem das Szenario eines Lieferstopps von
russischem Gas. Neben einem zusätzlichen Anstieg der Inflation durch noch höhere
Energiepreise wäre in diesem Fall auch ein gewisser Rationierungsbedarf zu
erwarten, der gemäß der aktuellen Gesetzeslage vor allem das Verarbeitende
Gewerbe betreffen würde.

Aber auch positive Überraschungen sind möglich, die für mehr Wachstum sorgen als
vorhergesagt, insbesondere im kommenden Jahr. So könnte die Substitution
russischer Energie und Rohstoffe reibungsloser gelingen als gegenwärtig
erwartet, etwa weil rasch neue Lieferquellen erschlossen werden oder die
Transformation hin zu Erneuerbaren Energien substanziell beschleunigt wird. Eine
allseits akzeptierte Friedenslösung für die Ukraine würde die kriegsbedingten
Unwägbarkeiten schlagartig eliminieren, den Unternehmen wieder deutlich mehr
Vertrauen in die Zukunft geben, den Wiederaufbau anstoßen und könnte so vor
allem über den Investitionskanal der Konjunktur gerade in Europa neue Impulse
geben.

Der aktuelle KfW-Konjunkturkompass ist abrufbar unter:

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