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Arbeitgeberpräsident sieht schwierige Zeiten - Kritik an Verdi-Streik

30.06.2022 um 08:23 Uhr

BERLIN (dpa-AFX) - Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger sieht Deutschland vor schweren Zeiten. "Die fetten Jahre sind jetzt erst mal vorbei", sagte Dulger am Mittwochabend in Berlin. Deutschland sei viele Jahre durch eine "Wohlstands- und Wohlfühloase" getaumelt. "Aber damit ist jetzt Schluss", sagte Dulger. "Wir müssen jetzt gemeinsam immer häufiger darüber reden: Was tun wir, dass unsere Wirtschaft weiter am Laufen bleibt?" Deutschland sei nur stark, wenn die Wirtschaft stark sei.

Dulger kritisierte zudem Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi in Seehäfen - in einer Zeit, in der die Unternehmen dringend Materialien bräuchten. Dies habe ihm sehr missfallen. Vielleicht brauche man einen "nationalen Notstand", der auch Streikrecht breche, sagte Dulger. Er sei aber auf keinen Fall dafür, das Streikrecht einzuschränken. Dieses sei eines der Grundrechte. In einem Tarifkonflikt zwischen Verdi und dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe hatten Hafenarbeiter mit einem 24-stündigen Warnstreik die Abfertigung von Container- und Frachtschiffen in großen Nordseehäfen weitgehend lahmgelegt.

Zur konzertierten Aktion von Kanzler Olaf Scholz mit Gewerkschaften, Arbeitgebern und Experten am Montag sagte Dulger, dort würden keine Tarifverhandlungen geführt. Scholz hatte zu dem Treffen angesichts des rasanten Anstiegs der Preise eingeladen. Dulger sagte, es werde eine Mischung aus verschiedenen Dingen geben müssen. Er nannte steuerliche Begünstigungen und höhere Transferleistungen für Bedürftige. Es seien viele kleine Schritte notwendig. Dulger nannte auch eine Stabilisierung der Lieferketten.

Die Lage der Wirtschaft bezeichnete der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände als schwierig. Er nannte als große Herausforderungen Digitalisierung, Dekarbonisierung und demografischen Wandel. Dazu seien die Folgen der Pandemie und des Ukraine-Kriegs gekommen. Dieser führt zu Lieferengpässen bei wichtigen Rohstoffen. "Wir haben volle Auftragsbücher und sind trotzdem mitten in der Krise", sagte Dulger.

Er forderte für die Wirtschaft erneut ein Belastungsmoratorium bei Sozialausgaben, Steuern oder beim Lieferkettengesetz. Nötig seien mehr Flexibilität, mehr Geschwindigkeit und mehr Generationengerechtigkeit. "Jetzt ist die Zeit, die Steine umzudrehen." Als ein zunehmend großes Problem sieht Dulger den Mangel an Fachkräften./hoe/DP/jha

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