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Wintershall-Chef: Gasversorgung eher im Winter 2023/24 ein Problem

18.11.2022 um 08:24 Uhr

KASSEL (dpa-AFX) - Der Wintershall-Dea-Chef Mario Mehren sorgt sich um die Gasversorgung Deutschlands im Winter 2023/24 mehr als in diesem Winter. "Wenn es jetzt nicht noch extrem kalt wird und Unternehmen und Haushalte in Europa den Aufforderungen nachkommen, sparsam zu sein, dann können wir sicher durch diesen Winter kommen", sagte der Vorstandsvorsitzende des deutschen Öl- und Gaskonzerns dem "Handelsblatt" (Freitag).

"In diesem Jahr hat Europa bis Juli noch 75 Milliarden Kubikmeter Gas bekommen. Das ist ungefähr die Hälfte dessen, was Europa aus Russland vor dem Krieg importiert hat", erklärte Mehren. Diese Menge werde Europa im kommenden Jahr möglicherweise nicht zur Verfügung stehen. Zudem rechne er damit, dass die Speicher, die derzeit voll sind, dann relativ leer seien.

Wintershall Dea steht seit Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine in der Kritik, weil es an seinem Russlandgeschäft festhält. Neugeschäft gebe es zwar nicht. "Aber die einzige Möglichkeit, uns aus Russland zurückzuziehen, wäre es, dem russischen Staat unsere Aktivitäten zu schenken", sagte Mehren. Die Vermögenswerte in Russland betrügen rund 2,5 Milliarden Euro.

Mehren räumte ein, den russischen Präsidenten Wladimir Putin unterschätzt zu haben. "Rückblickend muss man natürlich sagen, dass wir und ich spätestens 2014/2015, nach der Annexion der Krim, nicht verstanden haben, wie gefährlich Russland und Putin sind." Einen Angriffskrieg mitten in Europa habe er dennoch auch nach der Annexion der Krim nicht für möglich gehalten. "Aus heutiger Sicht war das ein Fehler. Wir haben die Gefahren von Putins Russland stark unterschätzt."

Wintershall Dea ist 2019 aus der Fusion der Wintershall Holding und der Dea hervorgegangen. BASF hält gut 70 Prozent an Wintershall Dea. Der Rest gehört LetterOne, einer Beteiligungsgesellschaft, in der der russische Oligarch Michail Fridman seine Dea-Anteile gebündelt hat./juc/DP/jha

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