Reuters

Metro-Tochter Real verabschiedet sich aus der Tarifbindung

17.06.2015 um 15:41 Uhr
Düsseldorf (Reuters) - Die Supermarktkette Real kehrt den Flächentarifverträgen der Handelsbranche trotz zahlreicher Warnungen der Gewerkschaft Verdi den Rücken. Die Kette sei "nicht mehr tarifgebunden", teilte die Metro-Tochter am Mittwoch mit. Sie wolle mit der Gewerkschaft Verdi nun über einen eigenen Haustarifvertrag verhandeln. Metro-Chef Olaf Koch hatte in der Vergangenheit kritisiert, Konkurrenten hätten wegen der Struktur der Tarifverträge oder des Ausstiegs aus den Verträgen deutlich bessere Kostenstrukturen als Real. Dies sei auf Dauer nicht hinnehmbar. Nun zieht die Metro-Tochter die Konsequenzen.Real sehe keine Möglichkeit, dass der Arbeitgeberverband HDE und die Gewerkschaft in der notwendigen Geschwindigkeit eine Modernisierung der Flächentarifverträge umsetzen können, begründete die Supermarktkette den Schritt. "Wir brauchen daher einen eigenen Haustarifvertrag", betonte Arbeitsdirektor Jörg Kramer. Real wolle aber die monatlichen Entgelte der bestehenden Belegschaft nicht verändern. Kehre Real dem Tarifvertrag den Rücken, um Löhne zu drücken, werde es eine Gegenreaktion geben, hatte Verdi bereits angekündigt. Real konkurriert im hart umkämpften Markt der Lebensmittelhändler unter anderem mit Rewe und Edeka, deren selbstständigen Händlern von Verdi Lohndrückerei vorgeworfen worden war. Beide Konzerne hatten die Kritik zurückgewiesen. Der Tarifbindung den Rücken gekehrt haben unter anderem die Karstadt-Warenhäuser und die Supermarktkette Globus. Real beschäftigte in Deutschland nach eigenen Angaben zuletzt über 37.000 Menschen.

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