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VW-Chef M├╝ller f├╝rchtet nicht mehr um Existenz des Konzerns

11.09.2016 um 13:21 Uhr

Frankfurt (Reuters) - Knapp ein Jahr nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals sieht VW-Chef Matthias M├╝ller die Gefahr einer existenziellen Bedrohung f├╝r den Konzern gebannt.

"VW hat die Kunden entt├Ąuscht und zahlt daf├╝r am Ende einen hohen Preis. Aber das Unternehmen wird weiter bestehen, auch wenn die Belastung extrem ist", sagte M├╝ller der "Bild am Sonntag". "Anders w├Ąre die Lage, wenn wir erkennen m├╝ssten: Die Amerikaner wollen unser Unternehmen ruinieren. Dann w├Ąren viele, viele Arbeitspl├Ątze in Gefahr, und die Politik im Spiel. Aber danach sieht es wirklich nicht aus." Analysten sch├Ątzen, dass die Aufarbeitung des Skandals den Konzern am Ende insgesamt zwischen 20 und 35 Milliarden Euro kosten wird, sogar von bis zu 50 Milliarden ist vereinzelt die Rede.

"Jetzt bekommen wir immer mehr das Heft des Handelns in die Hand, k├Ânnen neben Krisenmanagement wichtige Themen f├╝r das Unternehmen vorantreiben", sagte M├╝ller. Dem Traditionskonzern hat der 63-J├Ąhrige eine neue F├╝hrungskultur verordnet, hat Manager an Schl├╝sselpositionen ausgetauscht und die Macht der Konzernzentrale beschnitten. Er will den Wolfsburger Tanker mit seinen zw├Âlf Marken umkrempeln, ihn fit f├╝r die neuen Mobilit├Ątsdienste machen und in der Elektromobilit├Ąt ganz vorne mitspielen.

M├╝ller r├Ąumte Vers├Ąumnisse bei Elektroautos ein, doch schon bald werde der Konzern aufholen. "2020 kommt VW geballt mit einer v├Âllig neuen Plattform. Dann werden wir 30 elektrisch betriebene Modelle anbieten und reden ├╝ber Reichweiten von 500 bis 600 Kilometer." Zudem arbeite der Konzern unter Federf├╝hrung von Porsche an einem Schnelllade-Projekt, in 15 Minuten 80 Prozent der Batterie zu laden. "Das wird schon bald spruchreif."

Bei selbstfahrenden Autos habe VW mit Apple und Google ├╝ber eine Zusammenarbeit verhandelt. "Das Rollenverst├Ąndnis war dann doch zu unterschiedlich, deshalb wurden die Gespr├Ąche abgebrochen", sagte M├╝ller. "Was wir verhindern werden, ist, dass wir als Hersteller zum reinen Zulieferer von Hardware werden", machte der VW-Chef deutlich. "Wer die Kundenschnittstelle bedient, hat das Sagen. Das m├╝ssen wir sein, als klare Nummer eins."

Durch die Beteiligung an Gett ist Volkswagen vor wenigen Monaten in das Gesch├Ąft mit Fahrdienstleistungen eingestiegen. "Das ist ein Markt, in den gerade richtig Bewegung kommt", begr├╝ndete M├╝ller die 300 Millionen Dollar schwere Investitionen in das relativ kleine Start-up aus Israel. Der japanische Rivale Toyota hatte sich dagegen mit einer nicht bezifferten Investition den Zugang zum Branchenprimus Uber gesichert. VW habe auch Gespr├Ąche mit Uber gef├╝hrt, sagte M├╝ller. "Aber wir wollten uns nicht in die Rolle des Zulieferers dr├Ąngen lassen."

VERSTÄRKTE KOOPERATION MIT CHINESISCHEN TECHNOLOGIERIESEN

Hingegen baut der Konzern seine Zusammenarbeit mit chinesischen Technologieriesen aus. Gemeinsam mit dem Onlineh├Ąndler Alibaba, der Internetsuchmaschine Baidu und dem Facebook-Rivalen Tencent will der Konzern Funktionen f├╝r das vernetzte Auto der Zukunft entwickeln, wie die VW-Tochter Audi am Sonntag mitteilte. Audi und das VW-Joint-Venture FAW-Volkswagen wollen ihre Zusammenarbeit mit den chinesischen Konzernen auf den Gebieten Datenanalyse, fahrzeugbezogene Internet-Plattform und intelligente Mobilit├Ątsl├Âsungen f├╝r St├Ądte vertiefen.

"China ist zu einem wichtigen Leitmarkt f├╝r digitale Technologien geworden", sagte Audi-China-Chef Joachim Wedler. In Zusammenarbeit mit Alibaba hat das Unternehmen bereits Echtzeit-Verkehrsinformationen in das Audi-Infotainmentsystem eingeflochten, mit Tencent arbeitet Audi an der Integration von WeChat-Funktionen wie das Teilen von Standortinformationen und Musik in seine Modelle. Mit mehr als 700 Millionen aktiven Nutzern ist WeChat die f├╝hrende Kommunikations-App in Asien.

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