Reuters

Trump-Treffen verschoben - Kein "Merkel-Blizz" in Washington

13.03.2017 um 20:06 Uhr

- von Andreas Rinke

Berlin (Reuters) - Um 18.45 Uhr kommt Angela Merkel in den hinteren Teil des Regierungs-Airbus "Theodor Heuss" zu den Journalisten.

Das ist ungewöhnlich. Und ihre ersten Worte sind es auch: "Die Reise ist abgesagt - das ist kein Scherz", sagt Merkel in die ungläubigen Gesichter hinein. Denn alle hatten auf den verzögerten Abflug für die mit Spannung erwartete Reise nach Washington gewartet. Dort sollte Merkel am Dienstag erstmals mit US-Präsident Donald Trump zusammentreffen. Spannung lag deshalb auf beiden Seiten des Atlantiks in der Luft.

Aber jetzt macht der Wetter dem seit Wochen vorbereiteten Treffen einen Strich durch die Rechnung. Schon auf dem Weg zum Flughafen hat Merkel im Auto von dem heraufziehenden Blizzard in der US-Hauptstadt erfahren - von Trump selbst, der sie anruft. In einem zehnminütigen, von Merkel als entspannt bezeichneten Gespräch, informiert der US-Präsident sie vom umkippenden Wetter in Washington. Er rät ihr angesichts des Risikos, möglicherweise zwar noch in der US-Hauptstadt landen, aber in einer vom Unwetter stillgelegten Stadt keine Gespräche mehr führen zu können, zur Verschiebung. Nach einem kurzen Blick in die Terminkalender wird das Treffen kurzerhand auf Freitag umgelegt.

Und kaum hat Merkel die Journalisten informiert, bringt auch das Präsidialamt die Information mit dem Ausweichtermin. Dasselbe Programm soll es geben, mit denselben Themen und denselben Leute. Die drei Wirtschaftsvertreter - darunter Siemens-Chef Joe Kaeser - waren zwar schon am Flughafen, aber vorsichtshalber noch nicht in den Airbus eingestiegen.

Merkel wirkt gelassen. Denn Zwischenfälle dieser Art sind in ihrer fast zwölfjähriger Amtszeit nichts Neues. Immer wieder hat das Wetter sorgfältig ausgetüftelte Besuchsprogramme umgeschmissen - manchmal mit bedeutungsschweren Folgen. So begann 2012 die anfangs ruppige Beziehung mit dem französischen Sozialisten Francois Hollande damit, dass in dessen Flugzeug beim Antrittsbesuch nach Berlin der Blitz einschlug und er nach Paris zurückkehren und eine neue Maschine nehmen musste. Diese persönliche Note hat die Annäherung der beiden, wie sie später erzählten, trotz der politischen Differenzen von Anfang an erleichtert. Und Merkel selbst strandete einmal auf einer USA-Reise im April 2010, als der isländische Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach. Mit der gesamten Delegation bescherte ihr dies einen ungewöhnlichen Rückflug über Lissabon, Rom und Bozen nach Berlin - und die kleine Erinnerung, dass auch die mächtigsten Menschen der Welt manchmal vor der Macht des Wetters kapitulieren müssen.

In Regierungskreisen in Berlin nimmt man die Absage am Montagabend deshalb auch mit Humor. Denn der Zwischenfall beseitigt mit einem Schlag auch die transatlantischen Spannung für einen Moment. Merkel und Trump wird ein kaum erhoffter persönlicher Start in ihren Beziehung beschert - ungeachtet aller Differenzen gilt das wichtige Grundlage für ihre weitere Arbeit. Und wenn das Wetter mitspielt, findet die Kopie der geplanten Reise nun am Freitag statt.

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