Reuters

K+S setzt Zeichen im Übernahmepoker - Deal mit US-Firma

18.08.2015 um 17:41 Uhr
Frankfurt (Reuters) - Der Düngemittelkonzern K+S treibt ungeachtet der Übernahmeofferte des Konkurrenten Potash den Ausbau seines Geschäfts in Nordamerika voran. Der Dax-Konzern aus Kassel gab am Dienstag eine Vereinbarung mit dem US-Unternehmen Koch Fertilizer bekannt, das künftig Kali-Düngemittel aus einer neuen K+S-Mine in Kanada in den Vereinigten Staaten vertreiben soll. Nach Einschätzung von Analysten der Scotiabank macht sich K+S durch diesen Deal als Übernahmeziel für Potash weniger interessant. K+S-Aktien verloren zeitweise knapp zwei Prozent und gehörten damit zu den größten Verlierern im deutschen Leitindex.Sie hätten mit einigen größeren K+S-Aktionären gesprochen und diese seien sauer über die Vereinbarung mit Koch, erklärten die Scotiabank-Analysten. Ein Sprecher des hessischen Unternehmens betonte dagegen, K+S habe keine kritischen Rückmeldungen seiner Aktionäre erhalten. Im Rahmen der mehrjährigen Vereinbarung mit Koch sollen die Amerikaner pro Jahr rund 500.000 Tonnen Düngemittel von K+S vermarkten. Das entspricht einem Viertel der Kapazität, die das Unternehmen Ende 2017 in Kanada fördern will. "Dieser Vertrag stärkt unsere Marktposition als zuverlässiger und unabhängiger Lieferant", erklärt K+S-Vorstand Andreas Radmacher. Das Interesse von aktuellen und neuen Kunden an K+S-Düngemittel aus Kanada sei enorm groß.Bisher wird der US-Düngemittelmarkt von den großen nordamerikanischen Herstellern Potash, Agrium und Mosaic dominiert. Wenn K+S über Koch nun große Mengen an Düngemitteln auf den amerikanischen Markt bringt, könnte das zu fallenden Preisen führen. Aus Sicht von Analysten zählt die neue K+S-Mine, die nächstes Jahr in Betrieb gehen soll, zu den wichtigsten Gründen, warum Potash Ende Juni ein knapp acht Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für K+S in Aussicht gestellt hat. Der kanadische Konzern würde durch einen Kauf der Hessen seine Marktmacht ausbauen und könnte den Kali-Preis somit leichter auf einem für sich attraktivem Niveau halten. Durch die K+S-Vereinbarung mit Koch wird der Handlungsspielraum von Potash nun aber möglicherweise eingeschränkt.K+S hat das Angebot von Potash wiederholt als zu niedrig abgelehnt und fordert darüber hinaus verbindliche Zusagen für Arbeitsplätze und Standorte. Ob und wann beide Seiten aufeinander zugehen, steht in den Sternen. Der K+S-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern, ob K+S den Vertrag mit Koch stornieren oder modifizieren kann, falls eine Übernahme durch Potash am Ende doch zustande kommt. Zu den Einzelheiten des Vertrags sei Stillschweigen vereinbart worden.

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