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Metall-Tarifabschluss mit mehr Geld und Freizeit

06.02.2018 um 06:56 Uhr

- von Ilona Wissenbach

Stuttgart (Reuters) - Die Tarifparteien der Metall- und Elektroindustrie haben sich auf neue Regeln für flexiblere Arbeitszeiten und Lohnerhöhungen in zwei Stufen geeinigt.

Die Tariferhöhung belaufe sich auf 4,3 Prozent ab April sowie mehrere Pauschalen bei einer Laufzeit von 27 Monaten, erklärte IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger am Dienstag in Stuttgart nach gut 13 Stunden Verhandlungen. Der Chef des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, Stefan Wolf, bezeichnete den Kompromiss als tragbar, wenn auch als schmerzhaft. Arbeitnehmer können außerdem ab 2019 die Wochenarbeitszeit befristet mit Rückkehrrecht auf bis zu 28 Stunden verkürzen, die Unternehmen im Gegenzug mehr Beschäftigte als bisher länger als 35 Wochenstunden arbeiten lassen[L8N1PV62Z].

Der Abschluss von Baden-Württemberg - ein sehr komplexes Tarifwerk nach einer der längsten Tarifrunden der Metallindustrie - soll von den anderen Bezirken für die insgesamt knapp 3,9 Millionen Beschäftigten übernommen werden. Die Tarifparteien haben damit eine weitere Eskalation des Konflikts mit Flächenstreiks abgewendet. Die IG Metall setzte die Unternehmen erstmals mit ganztägigen Warnstreiks unter Druck, um ihre Forderungen durchzusetzen.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann lobte die Einigung als ein Novum, das den Beschäftigten eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben vor allem in Zeiten familiärer Verpflichtungen wie Kindererziehung oder Pflege ermögliche. Die Zeit gehöre nicht mehr allein den Arbeitgebern. "Flexibilisierung in den Betrieben ist keine Einbahnstraße mehr", sagte Hofmann. Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger erklärte, mehr Spielraum für die Beschäftigten und Betriebe sei auch im Sinne der Arbeitgeber. "Die Mühe hat sich gelohnt", sagte er mit Blick auf sechs Verhandlungsrunden im Südwesten. "Wir haben heute den Grundstein für ein flexibles Arbeitszeitsystem gelegt."

MEHR ABWEICHUNGEN VON DER 35-STUNDEN-WOCHE

Die Lösung sieht vor, die verschiedenen Quoten für den Anteil von Beschäftigten aufzulockern, die an Stelle der geltenden 35 bis zu 40 Stunden pro Woche arbeiten können. Im Gegenzug erhalten Betriebsräte ein wirksameres Widerspruchsrecht. Für die Arbeitgeber war die Sonderbehandlung von Schichtarbeitern sowie Beschäftigten, die Zeit für Kinder oder Pflege brauchen, eine Kröte. Hier führt die IG Metall ein Wahlrecht ein, wie es schon die Eisenbahngewerkschaft EVG praktiziert: Statt eines Zusatzentgeltes in der zweiten Stufe ab Juli 2019 in Höhe von 27,54 Prozent eines Monatsgehaltes können diese acht Tage zusätzliche Freizeit zur 28-Stunden-Woche nehmen.

Die IG Metall hatte ursprünglich sechs Prozent mehr Geld für zwölf Monate gefordert. Das jetzt beschlossene Paket bezifferte Südwestmetall-Chef Wolf auf eine Kostenbelastung von unter vier Prozent jährlich in diesem und dem kommenden Jahr. Der Abschluss sei angesichts der weiterhin moderaten Inflation einer der besten der vergangenen zwölf Jahre, sagte IG-Metall-Chef Hofmann.

Der Abschluss im größten deutschen Industriezweig könnte Signalcharakter für andere Branchen zu einer Flexibilisierung der Arbeitszeit haben. In diesem Jahr stehen noch Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst, der Chemie-Industrie, dem Bauhauptgewerbe sowie bei Post, Bahn und Telekom an. Der Haustarifvertrag von Volkswagen entspricht in der Regel dem Metall- und Elektroabschluss.

Die Gewerkschaft hatte angesichts der weiter brummenden Konjunktur gute Karten, die zuletzt angestrebte "starke Vier vor dem Komma" zu erreichen. Das Münchener Ifo-Institut erwartet in diesem Jahr eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums auf 2,6 Prozent nach 2,2 Prozent im vergangenen Jahr. Viele Unternehmen investieren wieder mehr wegen der gut gefüllten Auftragsbücher. Der Internationale Währungsfonds erhöhte kürzlich seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr auf 3,9 Prozent. Die Exportaussichten bleiben damit gut.

Die Unternehmen gingen daher mit überraschend viel Optimismus ins neue Jahr. Die Verbraucher sind in Kauflaune, steigende Löhne könnten den Konsum noch mehr ankurbeln. Allerdings drohen vom stärkeren Euro, höheren Ölpreisen und hausgemachten Problemen wie dem Fachkräftemangel künftig Gegenwind. Dieses Thema hoffen die Metaller nun in den Griff zu bekommen: Nach Ansicht der IG Metall wird die Option auf eine zeitweise kürzere Arbeitszeit die Jobs in der Branche, vor allem für Frauen, attraktiver machen. Die Arbeitgeber sind beruhigt, genug Bremsen eingebaut zu haben für den Fall, dass zu viele von den dringend gebrauchten Fachkräften kürzer treten wollen.

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