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Glyphosat-Urteil verschreckt Bayer-Anleger

13.08.2018 um 10:51 Uhr

Frankfurt (Reuters) - Bayer-Anleger haben nach einer Millionenstrafe für die Tochter Monsanto wegen des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat Reißaus genommen.

Die Aktien des Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzerns brachen am Montag um fast zwölf Prozent auf 82,31 Euro den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren ein und waren mit Abstand größter Verlierer im Dax. Ein Geschworenengericht in Kalifornien hatte Monsanto am Freitag dazu verurteilt, einem an Krebs erkrankten Mann Schadenersatz in Höhe von 289 Millionen Dollar zu zahlen. Es handelte sich um den ersten Prozess in den USA, der sich mit der Frage befasste, ob Glyphosat Krebs verursachen kann. Der US-Saatgutriese Monsanto, der von Bayer für rund 63 Milliarden Dollar übernommen wurde, sieht sich mehr als 5000 ähnlichen Klagen in den USA gegenüber.

"Das sorgt für massive Unsicherheit", sagte ein Händler. "Es geht nicht so sehr um die Summe, die gezahlt werden muss, sondern mehr darum, dass jetzt noch viel mehr Klagen erwartet werden." Das Brokerhaus Mainfirst stufte die Bayer-Aktie herunter und senkte das Kursziel auf 90 von 135 Euro. Auch in Australien waren die Schockwellen des Urteils gegen Monsanto zu spüren. Die Aktien des Agrarchemiekonzerns Nufarm Ltd, der Glyphosat in einigen seiner Produkte benutzt, sackten um fast 17 Prozent ab.

Das kalifornische Geschworenengericht hatte erklärt, Monsanto habe es versäumt, den an Krebs erkranktem Mann und andere Verbraucher vor den Krebsrisiken seiner Unkrautvernichter zu warnen. Der als Schädlingsbekämpfer an Schulen tätige Dewayne Johnson hatte bis zu 30 Mal im Jahr Glyphosat eingesetzt. Der 46-Jährige warf dem Unternehmen vor, durch die Mittel am Non-Hodgkin-Lymphom, eine bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems, erkrankt zu sein.

Monsanto kündigte Berufung gegen das Urteil an. Das Unternehmen bestreitet, dass Glyphosat Krebs verursacht. Wissenschaftliche Studien hätten gezeigt, dass die Chemikalie für den menschlichen Gebrauch unbedenklich sei. Der Anwalt von Johnson erklärte dagegen, die Geschorenen hätten zum ersten Mal interne Firmenunterlagen gesehen, die bewiesen, dass Monsanto seit Jahrzehnten wisse, dass Glyphosat Krebs verursachen könne.

Glyphosat ist hochumstritten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte die Chemikalie 2015 als "wahrscheinlich krebserregend für den Menschen" eingestuft. Die US-Umweltschutzbehörde hatte dagegen 2017 eine jahrzehntelange Bewertung der Risiken von Glyphosat abgeschlossen und erklärt, dass die Chemikalie für Menschen wahrscheinlich nicht krebserregend ist. In der EU war die Zulassung von Glyphosat im vergangenen November für weitere fünf Jahre verlängert worden. In Deutschland will Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner den Gebrauch von Glyphosat aber einschränken.

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