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Die Huawei-Affäre und ihre Folgen für den Technologiesektor

14.12.2018 um 10:01 Uhr

- von Nadine Schimroszik

Berlin (Reuters) - Der weltgrößte Netzwerkausrüster Huawei ist seit der Festnahme der Finanzchefin in Kanada und dem Ausschluss vom 5G-Ausbau in Ländern wie Australien und Neuseeland in aller Munde.

Es folgt eine Auflistung der Probleme des chinesischen Technologieriesen und zweitgrößten Smartphone-Herstellers sowie mögliche Profiteure und Konsequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G:

WORAUF BERUHEN DIE BEDENKEN GEGEN HUAWEI?

Geheimdienste werfen dem Unternehmen vor, Verbindungen zur Regierung in Peking zu pflegen und vermuten, Ausrüstung oder Handys könnten für Spione eine Hintertür enthalten, um an Staats- oder Firmengeheimnisse zu gelangen. Huawei weist dies zurück. "Bisher gibt es keine handfesten Beweise dafür, dass Huawei unerlaubt Daten aus Mobilfunknetzen abzieht", sagt Branchen-Experte Torsten Gerpott, Wirtschaftsprofessor an der Universität Duisburg-Essen. Skeptiker ließ aber ein in diesem Jahr in Kraft getretenes Gesetz in der Volksrepublik aufhorchen, wonach jede heimische Firma der Regierung zur Seite stehen muss, sollte dies gewünscht sein. Für Vorbehalte sorgt auch die völlig unbekannte Eignerstruktur bei Huawei. Zudem ist der Konzern im Gegensatz zum heimischen kleineren Konkurrenten ZTE nicht börsennotiert und muss deswegen weniger Einblick in sein Geschäft geben.

WELCHE LÄNDER WOLLEN AUF HUAWEI VERZICHTEN?

In den USA hat Huawei seit Langem kaum Bewegungsfreiheit. Das Unternehmen ist unter anderem von Regierungsaufträgen ausgeschlossen, und Mobilfunker wie Verizon und AT&T vertreiben keine Smartphones von Huawei mehr. Australien und Neuseeland wollen auf das 1987 vom ehemaligen Militäroffizier Ren Zhengfei gegründete Unternehmen beim 5G-Aufbau verzichten. Einem Medienbericht zufolge will der japanische Mobilfunker Softbank die von Huawei erworbene 4G-Ausrüstung gegen Produkte von Nokia und Ericsson austauschen. Zuvor hatte bereits die japanische Nachrichtenagentur Kyodo gemeldet, die drei größten japanischen Telekomkonzerne NTT Docomo, KDDI sowie Softbank würden künftig keine Ausrüstung von Huawei sowie des chinesischen Konkurrenten ZTE für bestehende wie auch kommende 5G-Netze einsetzen. Der frühere Staatsmonopolist BT in Großbritannien kündigte an, Huawei-Technologie aus bereits existierenden 3G- wie auch 4G-Netzen der übernommenen Tochter EE zu entfernen und bei 5G nahezu komplett auf Huawei zu verzichten.

WIE SIEHT ES IN DEUTSCHLAND AUS?

Auch in Deutschland gibt es Bedenken bezüglich einer Zusammenarbeit mit Huawei. Hinter den Kulissen drängen einige Politiker, über einen Ausschluss des Konzerns beim 5G-Aufbau nachzudenken. Die Bundesregierung hat sich allerdings gegen den Ausschluss konkreter Hersteller oder Produkte ausgesprochen. Gegebenenfalls müssten die Sicherheitsanforderungen im Telekommunikationsgesetz angepasst werden, hieß es. Der größte Netzbetreiber - die Deutsche Telekom - will jedenfalls keinen Fehdehandschuh werfen. Cybersicherheitsexperte Thomas Tschersich erklärte jüngst in einem Interview, angesichts der scharfen Überwachung sei es unwahrscheinlich, dass Netzwerk-Komponenten unbemerkt Daten nach China ableiten könnten. "Schließt man das chinesische Unternehmen aus, sinkt die Zahl der Anbieter, was in der Regel auch die Preise in die Höhe treibt. Deswegen möchten viele Netzbetreiber ungern auf Huawei verzichten", sagt 5G-Experte Hans Schotten von der Technischen Universität Kaiserslautern.

WER PROFITIERT VON HUAWEIS PROBLEMEN?

"Die wichtigsten Alternativen zu Huawei sind die beiden Konzerne Ericsson und Nokia aus Europa und in Teilen auch Cisco, Intel und Qualcomm aus den USA. "Schließt man Huawei aus, steht man nicht nackt da, sondern hat Alternativen", sagt Gerpott. Gänzlich anderer Meinung ist ein Analyst aus der Telekomindustrie, der namentlich nicht genannt werden will: "Ich befürchte, dass Ericsson und Nokia im Gegenzug in China bestraft werden und dort die Aufträge verlieren, die sie woanders gewinnen. Meine Einschätzung ist, dass niemand als Sieger vom Feld geht." Hinzu kommt, dass Huawei als Konzern gilt, der viel Geld und Mühen in Forschung und Entwicklung gesteckt hat und auch neuen Trends wie Künstlicher Intelligenz, Cloud-Computing und Chipentwicklung von Beginn an Aufmerksamkeit schenkte. Entsprechend viele Patente halten die Chinesen.

VERZÖGERT SICH DER 5G-AUSBAU?

"Ich glaube nicht, dass es beispielsweise in Australien oder den USA durch den Ausschluss von Huawei zu Verzögerungen beim 5G-Aufbau kommt", sagt Schotten. "Da hatten alle Beteiligten genug Zeit, sich auf die Situation einzustellen." Der 5G-Ausbau, der als Basis für die Weiterentwicklung von künftigen Schlüsseltechnologien wie Künstlicher Intelligenz und Industrie 4.0 gilt, hat ohnehin erst begonnen. China hat bislang deutlich die Nase vorn. Einer Studie der Wirtschaftsberatung Deloitte zufolge verfügt die Volksrepublik derzeit über mehr als 350.000 neue Mobilfunkmasten, die 5G-Kommunikation unterstützen. Das sind zehn Mal mehr als in den USA. In Deutschland wurden gerade die ersten 5G-Funkmasten zu Testzwecken aufgestellt.

Verizon Communications Inc. Chart
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