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Deutschland will schnelles Internet statt Sanduhr

25.02.2019 um 10:22 Uhr

- von Nadine Schimroszik

Berlin (Reuters) - Der Blick auf die Sanduhr kann ungeduldige Internetnutzer in den Wahnsinn treiben.

Allerdings sind langsame und schlechte Verbindungen in Zeiten, in denen Maschinen miteinander kommunizieren, sensible Daten in der Cloud gespeichert und Videotelefonate zum Alltag gehören, nicht mehr nur ärgerlich, sondern für die Wirtschaft sogar schädlich. Die Politik verspricht: Ab 2025 soll niemand in Deutschland mehr diese Erfahrung machen - dank des dann flächendeckenden Gigabit-Netzes. Doch um dieses Ziel aus dem Koalitionsvertrag zu erreichen, sind einige Anstrengungen nötig. Denn vor gut einem Jahr lag der Anteil der Glasfaseranschlüsse unter den Breitbandverbindungen in Deutschland laut OECD bei gerade einmal 2,3 Prozent. In Japan und Südkorea waren es dagegen mehr als 70 Prozent.

Dabei gilt schnelles Internet inzwischen als Grundvoraussetzung für wirtschaftlichen Fortschritt. Und Glasfaseranschlüsse ermöglichen Datenübertragungsraten von 1000 Megabit. "Wir diskutieren über Künstliche Intelligenz, Industrie 4.0 und das autonome Fahren. Die Infrastruktur dafür sind die Netze", erklärt die zuständige Expertin Carolin Proft vom Bundesverband der Deutschen Industrie - und schickt gleich eine Warnung hinterher: "Wenn diese nicht schnell ausgebaut werden, hat der Industriestandort Deutschland ein riesiges Problem."

Weder Telekomfirmen, Kabelbetreiber, kommunale Anbieter noch das federführende Bundesverkehrsministerium wollen sich vorwerfen lassen, den Glasfaserausbau zu vernachlässigen. Die Deutsche Telekom lässt nun nach und nach sogar die Finger vom viel kritisierten Vectoring - bei der das bestehende Kupfernetz nachgerüstet wird - und steckt stattdessen alle Kräfte in das Verlegen von Glasfasern. "Im laufenden Jahr sollen weitere 60.000 Kilometer hinzukommen", kündigte Vorstandschef Timotheus Höttges in dieser Woche an. Derzeit umfasst das Netz des Branchenprimus rund 500.000 Kilometer.

Aber der Netzausbau verschlingt viel Geld. So will die Telekom allein in diesem Jahr weltweit 12,7 Milliarden Euro investieren, der Großteil geht in den Netzausbau. Wieviel davon genau nach Deutschland wandert, ist bislang nicht bekannt. Kritiker sagen, die Telekomkonzerne seien nicht willens, in die Vollen zu gehen und auch die besonders teuren letzten Meter bis in die Wohnung mit Glasfaser auszustatten.

Telekom-Technikchef Walter Goldenits hält dagegen und verweist auf Probleme, die ganz praktischer Natur sind: Die Tiefbaukapazitäten seien nicht ausreichend, auf öffentliche Ausschreibungen habe sich kaum jemand beworben. Die Telekom schaut sich deswegen auch im Ausland nach Anbietern um, setzt verstärkt alternative Verlegemethoden wie das Spülbohrverfahren neben dem herkömmlichen Buddeln ein und sucht nach Partnern. "Am einfachsten und schnellsten wäre oberirdisches Verlegen wie es beispielsweise in Südkorea, Spanien oder Portugal erlaubt ist", sagt Goldenits. "An Kabelbäumen in den USA hängt nicht nur das Stromkabel sondern auch das Glasfaserkabel." Vor allem in weniger dicht besiedelten Gebieten könnte der teure Netzausbau dadurch wohl etwas lukrativer werden.

"WILDER WESTEN"?

Auch im Verkehrsministerium wird fieberhaft überlegt, wie nun innerhalb von sechs Jahren die viel kritisierten "weißen Flecken" - also komplett unerschlossene Gebiete - beseitigt werden können, um die Netzbetreiber bisher einen großen Bogen machen. Seit Sommer fördert die Bundesregierung ausschließlich nur noch gigabitfähige Netze - ein Schritt, der vielen als überfällig galt. Zudem hat sie inzwischen Schulen und Krankenhäuser gezielt ins Visier genommen und erarbeitet derzeit ein neues Förderprogramm, mit dem auch in Gebieten, die bereits mit 30 Megabit versorgt sind, ein geförderter Gigabit-Ausbau möglich werden soll. Auf informeller Ebene fand bereits ein erster Austausch mit der Europäischen Kommission statt.

Der Geschäftsführer des Telekommunikationsverbandes VATM, Jochen Grützner, fordert: "Wir müssen jetzt klug agieren, um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken. Es darf nicht dazu kommen, dass bei der Fördermittelvergabe 'Wilder Westen' herrscht." Die Bedürftigsten müssten zuerst versorgt werden. Die Prioritäten müssten klar gesetzt werden. Doch spätestens da tritt ein weiteres Problem zu Tage: Bisher ordern nur wenige Verbraucher die vergleichsweise teure Datenautobahn bei ihren Anbietern. Um die Nachfrage anzukurbeln, sollten laut dem Sprecher des Branchenverbandes Breko, Marc Kessler, neue Anreize geschaffen werden: "Eine Zukunftsprämie könnte helfen, mit der Gebäudeeigentümer die Kosten für die Verlegung des Glasfaseranschlusses vom Bürgersteig bis ins Haus decken können."

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