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Trump feuert Breitseite im Zollstreit mit China - Wirtschaft alarmiert

06.05.2019 um 16:47 Uhr

- von Ben Blanchard und Jeff Mason und Reinhard Becker

Peking/Washington/Berlin (Reuters) - Im Zollstreit mit China hat US-Präsident Donald Trump neues Öl ins Feuer gegossen und weltweit Konjunktursorgen geschürt.

An den Börsen von Shanghai bis New York kamen zu Wochenbeginn die Kurse ins Rutschen, nachdem Trump mit der Drohung neuer Zölle ein dickes Fragezeichen hinter eine gütliche Einigung in dem Konflikt der beiden Handelsmächte gesetzt hatte. Er bekräftigte seine harte Haltung am Montag. Die USA würden jährlich im Handel mit China 500 Milliarden Dollar verlieren. "Sorry, das werden wir nicht mehr tun", twitterte er. "Für die deutsche Wirtschaft ist das gar nicht gut", so DIHK-Chef Eric Schweitzer zu den neuen Spannungen zwischen Washington und Peking. China sei schließlich Deutschlands größter Handelspartner und die USA größter Exportmarkt deutscher Waren.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier setzt trotz der jüngsten Eskalation auf eine Einigung. "Wir hoffen alle miteinander, dass der Handelskonflikt zwischen den USA und China gelöst werden kann, weil er für niemanden in der Weltwirtschaft positive Folgen bereithält", sagte der CDU-Politiker in Berlin und warnte an die Adresse Trumps gerichtet: "Einseitige Maßnahmen wollen sehr überlegt sein."

Obwohl bereits am Freitag US-Importzölle für bestimmte chinesische Produkte auf 25 Prozent erhöht werden sollen, will die Führung in Peking aber offenbar den Verhandlungsfaden nicht abreißen lassen. Laut Chinas Außenministerium liefen die Vorbereitungen für die USA-Reise einer Handels-Delegation dennoch weiter. Dabei blieb jedoch vorerst offen, ob auch Verhandlungsführer und Vize-Regierungschef Liu He teilnehmen und wenn ja, ob er das volle Programm absolvieren wird. Laut der "South China Morning Post" könnte er den Besuch in Washington verkürzen oder ganz absagen.

Trumps Verhalten habe die Volksrepublik überrascht, die nicht unter Drohungen weiterverhandeln wolle, berichtete das "Wall Street Journal". Unlängst hatte sich Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow noch "vorsichtig optimistisch" gezeigt, dass die beiden größten Wirtschaftsmächte der Welt ihren Handelsstreit beilegen werden. Der Konflikt schwelt bereits seit längerem und belastet auch die globale Wirtschaft. Beide Seiten haben sich gegenseitig mit hohen Strafzöllen überzogen.

Das Szenario eines Scheiterns der Gespräche sorgte an den Börsen rund um den Globus für Schockwellen. Die Wall Street eröffnete deutlich im Minus. In Europa sackten der Dax und EuroStoxx50 um je rund 1,7 Prozent ab. Auch Anleger in China ergriffen die Flucht. Weltweit hatten die Börsen in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt, weil Anleger auf ein Ende des Streits setzten.

"MÄRKTE BERUHIGEN"

Chinas Zentralbank PBOC legt unterdessen im Kampf gegen die Konjunkturabkühlung nach. Ab Mitte des Monats müssen kleine und mittelgroße Banken weniger Geld bei ihr als Sicherheit hinterlegen. Durch diese Maßnahme sollen langfristige Finanzmittel in Höhe von umgerechnet etwa 37 Milliarden Euro freigesetzt werden. Ökonomen vermuten, dass die Notenbank diese Maßnahme bewusst vor dem Hintergrund des Handelsstreits bekanntgegeben hat. "Es war ein Schritt, um die Märkte zu beruhigen", sagte Commerzbank-Analyst Zhou Hao.

Auch hierzulande lastet der Handelsstreit auf der Wirtschaft. Der Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Schweitzer, sagte der "Augsburger Allgemeinen" vom Dienstag laut Vorabbericht: "Das wird Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben, wo die Lage doch ohnehin fragil ist, wenn es nicht doch noch eine Einigung gibt."

Auch im deutschen Maschinenbau läuft es nicht rund. Die Hersteller verbuchten im März den vierten Monat in Folge rückläufige Bestellungen. Insgesamt lag das Minus im März und ersten Quartal bei zehn Prozent, wie der Branchenverband VDMA mitteilte. "Die exportgetriebene deutsche Industrie kann sich nicht abkoppeln von der globalen Verunsicherung", sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Diese wurde durch den sich verschärfenden Handelsstreit zwischen den USA und China weiter angeheizt.

Nach Ansicht des Präsidenten des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr, könnten sich die USA mit zusätzlichen Zöllen ins eigene Fleisch schneiden: Während US-Produzenten tendenziell profitierten, würden die amerikanischen Verbraucher teils erheblich belastet. Die Drohung Trumps, auch die bisher unverzollten Importe im Ausmaß von mehr als 300 Milliarden Dollar mit Zöllen zu belegen, hält Felbermayr daher für "nicht sehr glaubwürdig".

Bereits jetzt spüren viele US-Firmen die Folgen des Handelsstreits am eigenen Leib. So hat die Handelsbehörde Zollerleichterungen auf den in China hergestellten Autopiloten "Brain" für das Model 3 des Elektroauto-Pioniers Tesla abgelehnt. Trump wirft China unfaire Handelspraktiken wie den Diebstahl geistigen Eigentums vor.

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