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IG Metall sieht Industrie schlecht für Umbruch gewappnet

05.06.2019 um 16:37 Uhr

Frankfurt (Reuters) - Digitalisierung und Klimaschutz könnten nach einer Untersuchung der IG Metall bei vielen kleineren Unternehmen Arbeitsplätze gefährden.

Das ergab der am Mittwoch vorgestellte "Transformationsatlas", mit dem die Gewerkschaft Beschäftigungsrisiken durch die Umstellung auf Elektromobilität, die Energiewende oder Rationalisierung per Software und Künstliche Intelligenz erfasst. Knapp die Hälfte der untersuchten fast 2000 Unternehmen mit zusammen mehr als 1,7 Millionen Arbeitnehmern habe noch keinen Plan, wie sie ihre Zukunft sichern wollten. "Wir fordern die Arbeitgeber auf, ihre Strategien zur Bewältigung der Transformation offen zu legen zur Sicherung der Beschäftigung", forderte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann in Frankfurt.

Aus Sicht des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall bereitet die größte deutsche Einzelgewerkschaft damit die nächste Tarifrunde vor. Die 25.300 Betriebe der Metall- und Elektroindustrie könnten den Strukturwandel meistern und packten das auch schon an, erklärte Hauptgeschäftsführer Oliver Zander. Die Tarifparteien müssten die Unternehmen deutlich von Kosten entlasten, damit diese mehr investieren könnten.

Der Umschwung zu Elektromobilität und Ökoenergie sei ein Beschäftigungsrisiko vor allem bei Autozulieferern, aber auch in anderen Industrien wie Maschinenbau und Energieversorgung, warnte hingegen die IG Metall. Mehr als die Hälfte der Unternehmen in der Autoindustrie rechne mit Beschäftigungsschwund in Deutschland, wie aus Befragungen von Betriebsräten und Arbeitgebern hervorging. In jedem zweiten Industriebetrieb fehle eine Personalplanung, um die Mitarbeiter für neue Aufgaben zu qualifizieren. Drei von vier Arbeitnehmern sähen sich nicht ausreichend informiert über die notwendigen Veränderungen. Das löse Angst um den Arbeitsplatz unter den Arbeitnehmern aus.

"Viele Betriebsräte, aber auch Unternehmen fahren auf Sicht im Nebel auf die Veränderung zu", kritisierte Hofmann. Die IG Metall will in den Unternehmen über Betriebsräte das Umsteuern anstoßen. Von der Bundesregierung fordert sie, ein neues Kurzarbeitergeld speziell für Beschäftigte in betroffenen Betrieben einzuführen. Für ihre Forderungen Druck machen will die IG Metall am 29. Juni mit einer Demonstration in Berlin.

VOLKSWAGEN-PAKT ZU DIGITALISIERUNG

Alle Unternehmen müssen laut Hofmann Zukunftsvereinbarungen abschließen. Bei den Autobauern wird schon länger über solche Pakte, die Investitionen und Kündigungsverzicht gegen Einsparungen und freiwilligen Stellenabbau umfassen, verhandelt. Bei der Marke Volkswagen ist das schon weit gediehen. Schon Ende 2016 wurde eine Vereinbarung zum Abbau von 23.000 Arbeitsplätzen in der Produktion geschlossen, weil der Umschwung von Autos mit Verbrennungsmotoren zu Elektroautos Beschäftigung teils überflüssig macht. Jetzt einigten sich Vorstand und Betriebsrat auf vier Milliarden Euro Investitionen in die Digitalisierung von Produktion und Verwaltung. Das geht mit einem Wegfall von 4000 Arbeitsplätzen in der Verwaltung einher, abermals vor allem über Altersfluktuation. 2000 neue Jobs sollen entstehen. VW sagte dabei den Verzicht auf Kündigungen bis 2029 zu. Mit der Digitalisierung sollen die Kosten sinken, damit das Renditeziel von sechs Prozent 2022 erreicht wird.

Andernorts wird noch an ähnlichen Programmen gefeilt: Bei der VW-Konzerntochter Audi sollen die Kosten in den kommenden Jahren um zehn Milliarden Euro runter. Das geht nicht ohne Jobabbau - eine Zahl steht noch nicht fest. BMW will bis Ende 2022 mindestens zwölf Milliarden Euro einsparen, ebenfalls über "sozialverträglichen" Stellenabbau. Mindestens 4000 Mitarbeiter sollen über Frühverrentung ausscheiden. Auch bei Daimler wird unter dem neuen Konzernchef Ola Källenius an einem Sparplan gearbeitet - die Schwaben haben im Zuge ihres Konzernumbaus den Beschäftigten in Deutschland ebenfalls bis Ende 2029 den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen zugesagt.

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