JPMorgan Chase & Co
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Deutsche Bank verprellt Anleger mit noch höherem Verlust

24.07.2019 um 15:17 Uhr

- von Patricia Uhlig und Andreas Framke

Frankfurt (Reuters) - Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing wird einen langen Atem brauchen: Schon zu Beginn der selbst verordneten Schrumpfkur ist abzusehen, dass der massive Umbau Deutschlands größtes Geldhaus viel Kraft kosten wird.

Milliardenkosten für die Neuausrichtung und heftiger Gegenwind im Investmentbanking rissen das Institut im zweiten Quartal noch tiefer in die roten Zahlen als bislang angekündigt. Im Kerngeschäft zeigten sich Schwächen. Sewing trommelte trotzdem für seine neue Strategie, der weltweit 18.000 Jobs zum Opfer fallen. 900 Stellen sind bereits weg. Anleger haben den Glauben an bessere Zeiten verloren: Die Aktie brach zeitweise um fast sechs Prozent ein und war mit Abstand größter Verlierer im Leitindex Dax.

"Wir sind nun so aufgestellt, dass wir bald wieder Boden gutmachen werden", beschwor Sewing am Mittwoch die insgesamt noch knapp 91.000 Mitarbeiter. "Jetzt geht es darum zu beweisen, dass wir unsere Pläne auch umsetzen können." Doch viele Mitarbeiter sind verunsichert, weil sich die Bank über Details des größten Stellenabbaus ihrer Geschichte noch immer in Schweigen hüllt. Die Nervosität bei den Kunden ist ebenfalls groß, wie Sewing, seit 15 Monaten im Amt, einräumen musste. Die Unsicherheiten über die künftige Ausrichtung des Konzerns hätten das Geschäft belastet, erklärte er.

Erst seit Anfang Juli herrscht nun Klarheit, wie sich die Deutsche Bank nach der abgeblasenen Fusion mit der Commerzbank im Alleingang aufstellt, um wieder nachhaltige Gewinne zu schreiben: Aus dem weltweiten Aktienhandel zieht sich das Institut komplett zurück; der Anleihehandel - in Zeiten vor der Finanzkrise das Aushängeschild - muss ebenfalls abspecken. Ein Fünftel der Bilanzrisiken wird in einer internen "Bad Bank" geparkt. Die Bestände sollen dort über die Zeit wertschonend abgebaut werden, um Kapital freizuschaufeln.

UMBAU KOSTET MEHR ALS SIEBEN MILLIARDEN EURO

Unter dem Strich stand im zweiten Quartal ein Verlust von 3,15 Milliarden Euro - in Aussicht gestellt hatte Sewing Anfang Juli ein Minus von 2,8 Milliarden Euro. Hauptgrund war vor allem, dass bereits knapp die Hälfte der auf insgesamt 7,4 Milliarden Euro veranschlagten Umbaukosten im vergangenen Vierteljahr verbucht wurden, mehr als ursprünglich geplant. Ohne diese Kosten wäre ein Gewinn von 231 Millionen Euro entstanden. Für das Gesamtjahr wird ein Verlust erwartet. 2020 hofft der seit Jahren kriselnde Konzern dann auf ein ausgeglichenes Ergebnis.

Dabei helfen soll vor allem das Geschäft mit Firmenkunden sowie das Transaktionsbanking, also Handelsfinanzierungen und Zahlungsverkehr. Im abgelaufenen Vierteljahr gingen die Erträge in dieser lange eher vernachlässigten, aber mittlerweile hoch gelobten Sparte allerdings um sechs Prozent zurück. Sewing führte das auf einen im Vorjahresquartal verbuchten Sondererlös zurück. Im Tagesgeschäft habe die Bank zugelegt. Auch die Kreditvergabe habe angezogen.

"ES SIND NOCH VIELE FRAGEN OFFEN"

Dennoch schlug Sewing Skepsis entgegen. Der Geschäftsverlauf im zweiten Quartal zeige, dass die Bank gut daran tue, ihre Strategie zu ändern, erklärte Anke Reingen, Analystin bei der Investmentbank RBC. "Es sind noch viele Fragen offen über die Zukunft der Bank und ob der angekündigte Umbau Früchte tragen wird", sagte Chefanalayst Neil Wilson vom Broker Markets.com. Problematisch seien die gesunkenen Gesamterträge des Instituts. Diese fielen um sechs Prozent auf 6,2 Milliarden Euro und sind seit Jahren unter Druck.

In dem zur Disposition stehenden Aktienhandel sackten die Erträge um knapp ein Drittel ab. Ebenso deutlich nach unten ging es im Beratungs- und Emissionsgeschäft, auf das die Bank auch in Zukunft setzt. Bei anderen Finanzhäusern lief es hier in den vergangenen Monaten ebenfalls nicht gut. Doch US-Institute wie JPMorgan machten dies mit Zuwächsen in stabileren Feldern wie dem Privatkundengeschäft wett. Dieses zeigte bei der Deutschen Bank jedoch auch Schwächen. Dagegen konnte die Vermögensverwaltungstochter DWS zulegen.

Mit den Aufräumarbeiten in der Bilanz hat die Deutsche Bank bereits begonnen: Von den insgesamt 288 Milliarden Euro an Bilanzpositionen, die ursprünglich in der "Bad Bank" landen sollten, sind nach offiziellem Bekunden bereits 38 Milliarden abgebaut. Insider rechnen aber damit, dass es Jahre dauern wird, um durch den Verkauf oder - in vielen Fällen wahrscheinlicher - das Auslaufen dieser Wertpapiere dringend benötigtes Kapital freizuschaufeln. Für die Deutsche Bank ist es bereits die zweite interne "Bad Bank", die erste wurde 2016 aufgelöst. Damals glaubte das Institut bereits, genesen zu sein.

JPMorgan Chase & Co Chart
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