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Thyssenkrupp - Aufstieg und Niedergang einer Industrie-Ikone

25.09.2019 um 12:07 Uhr

Der kriselnde Mischkonzern Thyssenkrupp gibt Vorstandschef Guido Kerkhoff den Laufpass.

An seiner Stelle soll Aufsichtsratschefin Martina Merz für bis zu zwölf Monate als Vorstandschefin einspringen. Die ehemalige Bosch-Managerin führt erst seit Februar das Kontrollgremium. Die Geschichte der Industrie-Ikone Thyssenkrupp ist um ein Kapitel reicher:

1998 - 2010

1998/1999 - Zusammenschluss der beiden mehr als 100 Jahre alten Traditionskonzerne Thyssen und Krupp. Zusammen erzielen sie mit 185.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 32 Milliarden Euro und einen Vorsteuergewinn von 616 Millionen Euro.

2000 - Der geplante Börsengang der Stahlsparte wird wegen einer schwachen Bewertung abgesagt.

2007 - Die EU-Kommission verdonnert Thyssenkrupp wegen der Beteiligung an einem Aufzugskartell zu einem Bußgeld von 480 Millionen Euro.

Bilanzjahre 2006/2007 und 2007/08 - Der Konzern fährt im weltweiten Stahlboom Rekordgewinne ein. 2007/08 steigt der Nettogewinn auf 2,3 Milliarden Euro. Die Aktionäre erhalten eine Dividende von 1,30 Euro pro Aktie.

2010 - Thyssenkrupp eröffnet im Juni ein neues Stahlwerk in Brasilien, im Dezember in den USA zwei Werke für Stahl und Edelstahl. Die Projekte kosten mehr als zehn Milliarden Euro.

2011 - 2013

Januar 2011 - Der ehemalige Siemens-Manager Heinrich Hiesinger übernimmt den Chefposten von Ekkehard Schulz.

Bilanzjahr 2010/11 - Das amerikanische Stahlgeschäft entwickelt sich zum Desaster. Die Sparte fährt einen operativen Verlust von 3,1 Milliarden Euro ein.

2011/12 - Thyssenkrupp lagert das Edelstahlgeschäft mit der Weltmarke Nirosta in die Tochter Inoxum aus und stößt diese an Outokumpu ab. Die Transaktion im Volumen von 2,7 Milliarden Euro muss später teilweise rückabgewickelt werden.

Mai 2012 - Hiesinger zieht die Notbremse bei Steel Americas. Die Werke sollen verkauft werden.

Geschäftsjahr 2011/12 - Thyssenkrupp schreibt 3,6 Milliarden Euro auf Steel Americas ab. Der Konzern fährt einen Verlust von 4,7 Milliarden Euro ein. Die Nettofinanzschulden steigen auf 5,8 Milliarden Euro. Die Dividende fällt erstmals aus.

Juli 2012 - Das Bundeskartellamt verhängt wegen des Schienenkartells gegen ThyssenKrupp Gleistechnik GFT ein Bußgeld von 103 Millionen Euro. Hinzu kommen später noch ein weiteres Bußgeld von 88 Millionen Euro und Schadenersatzzahlungen von deutlich über 100 Millionen Euro an die Deutsche Bahn

2013 - 2017

30. Juli 2013 - Im Alter von 99 Jahren stirbt Konzern-Patriarch Berthold Beitz. Die Uni-Rektorin Ursula Gather rückt an die Spitze der Krupp-Stiftung, die heute noch mit rund 21 Prozent der größte Einzelaktionär des Konzerns ist.

25. September 2013 - Der schwedische Finanzinvestor Cevian meldet, 5,2 Prozent der Anteile des Konzerns erworben zu haben.

November 2013 - Das US-Flachstahlwerk-Stahlwerk wird für gut eine Milliarde Euro an ArcelorMittal und Nippon Steel verkauft.

März 2014 - Cevian hält 15,1 Prozent der Anteile. Heutzutage sollen es rund 18 Prozent sein.

Februar 2017 - Mit dem Verkauf des verlustreichen Stahlwerks in Brasilien für 1,5 Milliarden Euro an Ternium beendet der Konzern das Stahlabenteuer in Amerika. Nach Abzug der Verkaufserlöse für die Werke in Brasilien und den USA verblieb unter dem Strich ein Verlust von rund acht Milliarden Euro.

2018

Januar - Cevian ist zunehmend unzufrieden mit Hiesinger und erhöht den Druck. "Die aktuelle Konglomeratsstruktur ist zu komplex und schwerfällig."

24. Mai - Der US-Hedgefonds Elliott teilt den Erwerb eines größeren Aktienpakets von Thyssenkrupp mit, das aber bis heute nicht die Meldeschwelle von drei Prozent erreicht hat.

30.Juni - Thyssenkrupp und Tata Steel beschließen die Zusammenlegung ihrer europäischen Stahlgeschäfte.

5. Juli - Nur fünf Tage später tritt Hiesinger zurück. In einem Brief an die Mitarbeiter deutet er auf einen fehlenden Rückhalt durch die Großaktionäre Krupp-Stiftung und Cevian hin.

13. Juli - Der Aufsichtsrat ernennt Finanzchef Guido Kerkhoff vorerst zum Vorstandsvorsitzenden.

16. Juli - Nach Hiesinger wirft Aufsichtsratschef Ulrich Lehner das Handtuch.

27. September - Vorstandschef Kerkhoff gibt Pläne zur Aufspaltung von Thyssenkrupp in einen Werkstoff- und einen Industriegüterkonzern bekannt.

30. September - Der Aufsichtsrat stimmt der Aufspaltung zu und macht Kerkhoff mit einem neuen Fünf-Jahres-Vertrag zum dauerhaften Vorstandschef.

November - Der Konzern verfehlt die bereits gesenkten Jahresziele. Das GJ 2017/18 schließt er mit einem bereinigtem Ebit von 1,6 Milliarden Euro ab. Unter dem Strich bleiben gerademal 60 Millionen Euro übrig.

2019

4. Februar - Die ehemalige Bosch-Managerin Martina Merz wird Aufsichtsratschefin.

Februar - Die EU-Kommission fordert von Thyssen und Tata Zugeständnisse für eine Freigabe der Joint-Venture-Pläne. Die IG Metall warnt vor zu großen Zugeständnissen.

10. Mai - Kerkhoff legt die Pläne mit Tata und die Aufspaltung zu den Akten. Stattdessen kündigt er einen Teilbörsengang der Aufzugssparte an und prüft später auch einen Verkauf.

11. Juni - Die EU-Kommission verbietet die Stahlfusion von Thyssenkrupp und Tata Steel Europe wegen Wettbewerbsbedenken.

14. Juni - Stahlchef Andreas Goss muss gehen. Nachfolger wird der bisherige Finanzchef, Premal Desai.

02. Juli - Tyssenkrupp setzt sich Klimaschutzziele. Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß um 30 Prozent gesenkt werden, bis 2050 soll die Produktion klimaneutral sein.

08. August - Kerkhoff senkt die Prognose für das GJ 2018/19 und verschärft den Sanierungskurs. Die Bereiche Systems Engineering, Federn & Stabilisatoren und Grobblech mit insgesamt 9300 Mitarbeitern werden auf den Prüfstand gestellt. Darüber hinaus sollen 6000 der rund 160.000 Jobs gestrichen werden.

04. September - Thyssenkrupp startet den Verkaufsprozess für die Aufzugssparte. Ein Interessent ist etwa der finnische Rivale Kone.

04. September - Die Deutsche Börse entscheidet, Thyssenkrupp aus dem Leitindex Dax herauszunehmen. Ab dem 23. September ist der Konzern nur noch im Nebenwerteindex MDax notiert.

24. September - Der Personalausschuss des Aufsichtsrats empfiehlt, den Vertrag mit Guido Kerkhoff zu beenden. AR-Chefin Martina Merz soll für bis zu zwölf Monate das Amt übernehmen.

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