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Zittern um Sunrise-Deal - Stimmrechtsberater ISS dagegen

10.10.2019 um 15:47 Uhr

Zürich (Reuters) - Die 6,3 Milliarden Franken schwere Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC durch den Schweizer Telekomkonzern Sunrise steht auf der Kippe.

Neben einigen großen Aktionären hat sich nun auch der einflussreiche Stimmrechtsberater ISS gegen den Deal ausgesprochen. Er empfiehlt den Aktionären, die für den Zukauf geplante milliardenschwere Kapitalerhöhung abzulehnen. Das geht aus einem Reuters am Donnerstag vorliegenden Dokument hervor. Offiziell will ISS seine Empfehlung erst am Freitag veröffentlichen. Berenberg-Analyst Usman Ghazi sieht die Chancen für die Übernahme damit schwinden. "Bereits vor der ISS-Empfehlung schienen die Nein-Sager in der Überzahl zu sein. Nun scheint eine Zustimmung zu dem Deal noch unwahrscheinlicher", sagte er.

Auch an der Börse gaben die Anleger dem Deal und der damit verbundenen Kapitalerhöhung offenbar weniger gute Chancen - die Sunrise-Aktie legte drei Prozent zu. Eine Sunrise-Sprecherin erklärte, der Konzern prüfe die Einzelheiten der ISS-Empfehlung und werde diese zu gegebener Zeit kommentieren.

Mit der Übernahme will Sunrise Boden auf den deutlich größeren Konkurrenten Swisscom gut machen. Ob es dazu kommt, dürfte spätestens am 23. Oktober feststehen: Dann stimmen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Generalversammlung über die bis zu 2,8 Milliarden Franken schwere Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Übernahme ab. Um diese in Angriff zu nehmen, benötigt Sunrise grünes Licht von mindestens der Hälfte der Aktionäre. Das könnte jedoch knapp werden - zumal bei solchen Aktionärstreffen nie alle Eigentümer anwesend sind. Bei der vergangenen Generalversammlung im April waren nur knapp 62 Prozent des Aktienkapitals vertreten gewesen.

Nach einer Erhebung von Reuters waren zuletzt Investoren mit einem Aktienanteil von über 30 Prozent gegen den Deal. Hinzu kommt nun noch die Ablehnung von ISS, der viele Pensionskassen und Anlageeinrichtungen folgen. Die Experten begründeten ihre negative Empfehlung mit dem Kaufpreis, der aus ihrer Sicht zu hoch ist. Zudem meldeten sie Zweifel an am langfristigen strategischen Wert von UPC.

Der aktivistische Investor AOC, der weniger als drei Prozent der Sunrise-Aktien hält, begrüßte diesen Entscheid. Damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass der Deal nicht zustande kommt, sagte ein AOC-Sprecher.

Doch Sunrise will einem Insider zufolge nicht klein beigeben. In Gesprächen mit Investoren wolle das Management die Argumente von ISS widerlegen, sagte er.

Berenberg-Analyst Ghazi sieht nun den UPC-Verkäufer Liberty Global am Zug, den Deal zu retten. "Für gewöhnlich ist es nicht Libertys Stil, ihre Verhandlungsposition aufzugeben, aber ich kann mich nicht erinnern, dass sie schon einmal in einer solchen Zwickmühle waren", sagte er. Auch viele andere Investoren hatten den aus ihrer Sicht hohen Kaufpreis kritisiert. Eine mit der Situation vertraute Person schätzte die Wahrscheinlichkeit für Nachverhandlungen allerdings als gering ein. Liberty war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

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