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Continental räumt auf - Milliardenabschreibungen

22.10.2019 um 16:42 Uhr

- von Alexander Hübner und Ilona Wissenbach

München (Reuters) - Continental macht sich auf eine längere Durststrecke in der Automobilbranche gefasst.

Die weltweite Nummer drei unter den Autozulieferern schreibt deshalb 2,5 Milliarden Euro ab und verschenkt die abgespaltene Antriebssparte Vitesco an die eigenen Aktionäre, statt einen Teil davon an der Börse zu verkaufen. "Wir rechnen (...) nicht damit, dass sich die weltweite Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in den kommenden fünf Jahren wesentlich beleben wird", erklärte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer am Dienstag. "Wir haben daher unsere Annahmen für die mittelfristige Marktentwicklung angepasst." Der Konzern rutscht wegen der Abschreibungen in diesem Jahr in die roten Zahlen. Trotzdem sprang die Aktie um 3,5 Prozent auf 123,36 Euro nach oben. Analysten sehen die komplette Trennung von Vitesco als positiv.

Vitesco Technologies könne als eigenständiges Unternehmen besser bei erwarteten Fusionen aktiv werden, sagte Schäfer. Getriebe-Hersteller wollen den Umbruch in der Motorentechnik vom Verbrennungs- zum Elektromotor gemeinsam bewältigen. "Das Powertrain-Geschäft muss sich schnell anpassen. Da werden sich neue Spieler zusammenfinden", sagte Schäfer. Doch auch bei Elektroauto-Antrieben werde es zu Konzentration kommen. Gespräche darüber werde es aber vor der Abspaltung nicht geben. "Wir sind bestens für den Übergang von Verbrennungsantrieben zu Elektromobilität und den damit verbundenen Wachstumschancen vorbereitet", sagte Vitesco-Chef Andreas Wolf.

Continental verabschiedet sich damit endgültig von seinen Plänen, mit einem Börsengang von Vitesco Geld einzunehmen. Die Vitesco-Aktien werden den Conti-Aktionären stattdessen einfach ins Depot gebucht. Ursprünglich wollte der Konzern die Mehrheit an Vitesco behalten und nur einen Teil seiner Aktien verkaufen. Doch die Skepsis von Investoren gegenüber Neuemissionen und gegenüber der Autoindustrie brachte Conti zum Umdenken. Eine geringere Nachfrage nach Verbrennungsmotoren geht mit unsicheren Gewinnaussichten für Stromautos einher. "Das ist das Ende einer schmerzvollen, mehr als zwei Jahre dauernden strategischen Überprüfung", kommentierten die Analysten von Evercore ISI. Sie werde Conti aber aus Sicht der Anleger nicht helfen.

VORBILD SIEMENS

Bisher hatte der Konzern beide Optionen für Vitesco parallel geprüft. Nun soll die Hauptversammlung am 30. April 2020 die Komplett-Abspaltung der Regensburger Tochter beschließen, die danach separat an der Börse gelistet wird. Den gleichen Schritt plant Siemens mit seiner renditeschwachen Energie-Tochter. Evercore ISI veranschlagt den Unternehmenswert von Vitesco auf 1,6 bis 2,2 Milliarden Euro. Die Conti-Tochter erwirtschaftete mit gut 40.000 Beschäftigten zuletzt 7,7 Milliarden Euro Umsatz. Weitere Spin-offs - etwa der angestammten Reifensparte - seien nicht geplant, betonte Finanzchef Schäfer.

Doch nicht nur in der Antriebssparte spürt Continental die Krise der Branche. Mit mehr als 1,5 Milliarden Euro entfällt der größte Teil der Wertberichtigungen auf das Geschäft mit der Innenausstattung von Autos. Sie rühren von insgesamt mehr als 100 Übernahmen aus der Zeit vor 2008 her, als Continental unter anderem Siemens VDO, die Autozuliefer-Sparte von Motorola, Temic und Teves erwarb. Die Firmenwerte stehen seither in der Bilanz. Die Abschreibungen darauf übersteigen die Gewinne, die Conti in diesem Jahr erwartet hatte. Nach sechs Monaten hatte Conti unter dem Strich 1,06 Milliarden Euro verdient. Zum Jahresende werde ein Verlust zu Buche stehen. An der Dividende, die vor allem dem Großaktionär Schaeffler zugute kommt, will der Konzern aber nicht rütteln.

"VERNÜNFTIG GESCHLAGEN"

In den erwarteten Sonderbelastungen von 2,8 Milliarden Euro zeigen sich auch die ersten Effekte des im Sommer beschlossenen Sparprogramms. Im dritten Quartal (Juli bis September) standen wegen der Abschreibungen auch vor Steuern und Zinsen (Ebit) rote Zahlen zu Buche. Ansonsten entsprach das Quartal den Erwartungen der Experten. "Angesichts von ungelösten Handelsstreitigkeiten, unklarem Brexit und rückläufiger Märkte haben wir uns operativ vernünftig geschlagen", sagte Schäfer. Der Umsatz stieg um drei Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Die bereinigte Umsatzrendite (Ebit-Marge) sank auf 5,6 (Vorjahreszeitraum: 7,1) Prozent. Das entspricht einem bereinigten Ebit von rund 620 Millionen Euro. An der im Juli gesenkten Umsatz- und Renditeprognosen will Conti nicht mehr rütteln: Geplant sind ein Konzernumsatz von 44 bis 45 Milliarden Euro und eine Ebit-Marge von 7,0 bis 7,5 Prozent.

CONTINENTAL AG O.N. Chart
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