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Prozesslawine überrollt Bayer - Rund 42.700 Glyphosat-Kläger

30.10.2019 um 13:17 Uhr

- von Patricia Weiss und Ludwig Burger

Frankfurt (Reuters) - Bayer wird von einer immer größeren Prozesslawine wegen des Unkrautvernichters Glyphosat überrollt.

In den USA schnellte die Zahl der Kläger wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Herbizids sprunghaft in die Höhe, auch weil die auf solche Klagen spezialisierten Kanzleien ihre Werbung deutlich hochfuhren. Bayer sieht sich nun mit rund 42.700 Klägern konfrontiert - sehr viel mehr als im Juli, als es etwa 18.400 waren. "Im dritten Quartal beliefen sich die geschätzten Ausgaben der Klägerseite alleine für Fernsehwerbung auf mehr als 50 Millionen Dollar. Das ist etwa doppelt so viel wie in der gesamten ersten Hälfte dieses Jahres", sagte Bayer-Chef Werner Baumann am Mittwoch. Die Zahl der Klagen sei aber weder ein Hinweis auf die Höhe eines Vergleichs noch für deren Begründetheit. Einem Vergleich werde Bayer nur zustimmen, wenn dieser "wirtschaftlich akzeptabel" sei und eine "weitestgehende Sicherheit" zum Abschluss des gesamten Rechtstreits biete.

Bayer-Aktien gehörten trotz der Klageflut zu den größten Gewinnern im Dax und stiegen um rund zwei Prozent. Seit der 63 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto im Sommer 2018 hat der Konzern jedoch mehr als 30 Milliarden Euro an Börsenwert eingebüßt; Baumann steht unter Druck. Bislang hat der Konzern in den USA drei Prozesse in erster Instanz verloren und wurde von den Geschworenen zu millionenschweren Schadenersatzzahlungen verurteilt. Bayer hat Berufung eingelegt und rechnet damit, dass das erste Revisionsverfahren Anfang 2020 beginnt. Die Vorwürfe gegen Glyphosat hat das Unternehmen stets zurückgewiesen und darauf verwiesen, dass Zulassungsbehörden weltweit das Herbizid bei sachgemäßer Anwendung als sicher bewerten. Auch die US-Landwirte halten dem Produkt weiter die Treue, wie Baumann beteuerte: Von diesen gebe es "extrem große Unterstützung" und "die inständige Bitte", alles dafür zu tun, um den Wirkstoff im Markt zu behalten.

"IDEALZUSTAND" IST SCHWER ZU ERREICHEN

In der Klagewelle will sich Bayer weiter "entschieden zur Wehr setzen". Die nächsten Verhandlungen stehen allerdings erst im Januar an, nachdem alle noch für dieses Jahr angesetzten Prozesse verschoben worden waren. Der Mediator Ken Feinberg versucht derweil, eine außergerichtliche Einigung zwischen Bayer und den US-Klägern zu erreichen. In die Gespräche will sich Bayer "konstruktiv und lösungsorientiert" einbringen, wie Baumann bekräftigte. Eine endgültige Beilegung des gesamten Rechtsstreits sei ein "Idealzustand" der wegen einiger Besonderheiten beim Thema Glyphosat aber nicht ohne weiteres erreicht werden könne. "Aber wir müssen da relativ nah dran kommen." Analysten schätzen, dass ein Vergleich zwischen acht und 20 Milliarden Dollar kosten könnte.

Für 2019 bekräftigte Bayer die Jahresziele, die Baumann im Sommer noch als zunehmend ambitioniert bezeichnet hatte. Er rechnet weiter mit einem währungsbereinigten Umsatzplus von etwa vier Prozent auf rund 43,5 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis soll sich auf etwa 11,5 Milliarden belaufen. Darin hat Bayer nun den Verkauf seines Tiergesundheitsgeschäfts und seiner Anteile am Chemieparkbetreiber Currenta berücksichtigt. Im dritten Quartal erhöhte sich der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) um 7,5 Prozent auf 2,29 Milliarden Euro. Dabei profitierte der Konzern vor allem von Zuwächsen im Agrarbereich und der Erholung im Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten. Der Umsatz stieg um rund sechs Prozent auf 9,83 Milliarden, währungsbereinigt war das ein Plus von gut fünf Prozent.

BAYER AG NA O.N. Chart
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