Reuters

Sorge vor Coronavirus wächst - Neun Todesfälle in China

22.01.2020 um 15:32 Uhr

- von Cate Cadell und Lusha Zhang

Peking/Shanghai (Reuters) - Angesichts zunehmender Todesfälle durch das neuartige Coronavirus verschärfen chinesische Behörden ihre Sicherheitsvorkehrungen.

Bis Mittwoch meldeten Gesundheitsbeamte neun Tote, zudem wurden 473 Erkrankungen bestätigt. Der Vizeminister der Nationalen Gesundheitskommission, Li Bin, warnte, es gebe Hinweise auf eine grippeähnliche Übertragung des Virus über die Luft durch Tröpfcheninfektion. In der Provinz Hubei, in deren Hauptstadt Wuhan der Ursprung des Virus vermutet wird, sollen öffentliche Versammlungen eingeschränkt werden. Unternehmen in China statteten ihre Mitarbeiter mit Mundschutz-Masken aus und warnten sie vor Reisen in die Millionenmetropole Wuhan. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berief ein Krisentreffen ein. Am Dienstag war die erste Infektion mit dem neuen Coronavirus in den USA bekanntgeworden.

Die chinesische Regierung informiert täglich über die Anzahl der bekannten Fälle, um Panik in der Öffentlichkeit zu vermeiden. Ab Freitag treten viele der 1,4 Milliarden Chinesen wegen Feierlichkeiten rund um das chinesische Neujahrsfest Reisen im In- und Ausland an. Das Risiko einer weiteren Ausbreitung der Epidemie erhöhe sich dadurch, die Prävention würde erschwert, sagte Li. Knapp 2200 Menschen, die mit infizierten Personen in Kontakt kamen, wurden isoliert. Die Regierung rief die Bevölkerung dazu auf, besonders vorsichtig beim Auftreten von Fieber und Erkältungssymptomen zu sein.

Viele Chinesen sagten Reisen ab und mieden öffentliche Plätze wie Kinos und Einkaufszentren. Manche suchten Zerstreuung in Katastrophenfilmen wie "The Flu" ("Die Grippe"), der am Mittwoch der am meisten gesuchte Film auf dem chinesischen sozialen Netzwerk Douban war. Der taiwanesische Apple-Zulieferer Foxconn riet Mitarbeitern, während der Neujahrsfeierlichkeiten nicht das chinesische Festland zu bereisen. Die Großbank HSBC riet ihren Angestellten zwar nicht von Reisen nach Wuhan ab, mahnte aber zu besonderer Vorsicht.

Hinter dem Ausbruch der neuartigen Lungenerkrankung steht ein neuer Stamm des Coronavirus, dessen Ursprünge auf einen Fischmarkt in Wuhan zurückgeführt werden. Auf ihm sollen Tiere auch illegal verkauft worden sein.

WHO IM KRISENMODUS

Die WHO prüfte am Mittwoch auf einer Krisensitzung, ob der Ausbruch einen internationalen Gesundheitsnotstand darstellt. Damit verbinden sich schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung einer Krankheit. Das Virus hat sich auch auf Städte wie Peking, Shanghai, Macau und Hongkong ausgebreitet. Zudem wurden neben den USA auch Erkrankungen in Thailand, Südkorea, Japan und Taiwan gemeldet. Der internationale Gesundheitsnotstand wurde in Folge der SARS-Epidemie entwickelt und bislang erst fünf Mal ausgerufen - 2009 wegen Schweinegrippe, 2014 wegen Polio und Ebola, 2016 wegen des Zika-Virus und 2019 erneut wegen der Ebola-Epidemie in Afrika.

Die Angst vor einer Pandemie ähnlich dem Ausbruch des schweren akuten Atemwegssyndroms (SARS), der in China begann und in den Jahren 2002 bis 2003 fast 800 Menschen tötete, hatte zu Wochenbeginn die globalen Märkte erschüttert. Besonders hart wurden dabei die Aktien von Luxusgüter- und Luftfahrtunternehmen getroffen. Die Fluggesellschaft Cathay Pacific erlaubt ihren Flugbegleitern, zum Schutz vor einer Infektion Gesichtsmasken zu tragen. Passagiere mit Ziel Wuhan können ihre Flüge bis zum 15. Februar kostenfrei umbuchen oder stornieren.

VORSICHTSMASSNAHMEN AN FLUGHÄFEN VERSCHÄRFT

Singapur ordnete eine Überprüfung aller Passagiere mit Flügen aus China an und riet von unnötigen Reisen nach Wuhan ab. Am Londoner Flughafen Heathrow sollen separate Bereich für Passagiere geschaffen werden, die aus Regionen kommen, die von dem Virus betroffen sind. Die deutschen Flughäfen sehen sich für den Umgang mit Verdachtsfällen des Coronavirus gut gerüstet. Man habe im Ernstfall detaillierte Notfallpläne mit klaren Abläufen und stehe in engem Kontakt mit den Behörden, erklärte der Branchenverband ADV.

Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen forderte China unterdessen auf, die "wahren" Informationen über den Coronavirus preiszugeben. Die Regierung habe Reisegruppen aus Wuhan angewiesen, vorerst nicht nach Taiwan zu kommen, sagte Tsai vor Reportern. Sie forderte die WHO auf, Taiwan nicht aus politischen Gründen von einer Zusammenarbeit bei dem Ausbruch des Virus auszuschließen. Taiwan ist wegen des Einspruchs Chinas, das die Insel als chinesische Provinz ansieht, kein Mitglied der WHO. Die in Genf ansässige UN-Organisation rechnet mit weiteren neuen Fällen des Virus.

Gegenwärtig gibt es keinen Impfstoff gegen das Virus. Die Aktien von Moderna legten an der Wall Street vorbörslich um sechs Prozent zu, nachdem das US-Biotechunternehmens mitgeteilt hatte, mit nationalen Gesundheitsbehörden an einem Impfstoff gegen den neuen Coronavirus zu arbeiten. Auch Russland entwickelt nach Angaben der Aufsichtsbehörde für Konsumentenschutz und Gesundheitsschutz einen Impfstoff.

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