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Coronavirus-Krise beutelt Chemiebranche - VCI senkt Ziele

12.03.2020 um 10:07 Uhr

Frankfurt (Reuters) - Die Coronavirus-Krise trifft auch die Chemiebranche mit Wucht.

Nachdem bereits Branchenprimus BASF vor den Folgen der Epidemie warnte, senkt nun auch der Verband der chemischen Industrie (VCI) seine Ziele für 2020. "Der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie steht ein weiteres schwieriges Geschäftsjahr bevor", sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup am Mittwochabend in Frankfurt. "Eine schwache Nachfrage aus China und mögliche Lieferausfälle von Vorprodukten erhöhen die Unsicherheiten." Das Virus sei ein "gravierendes Risiko für die Weltwirtschaft" und der Verband beobachte mit wachsender Sorge seine Ausbreitung in Europa. Belastend wirke sich zudem aus, dass sich kein Ende der Talfahrt in der Autobranche abzeichne - der wichtigsten Kundengruppe für die Chemieindustrie. Die erhoffte Trendwende bleibt damit aus.

Für 2020 rechnet der VCI nun mit einem Rückgang der chemisch-pharmazeutischen Produktion von 1,5 Prozent. Im Dezember war der Verband noch von einem leichten Anstieg von 0,5 Prozent ausgegangen. Dabei bezieht sich der VCI nur auf die in Deutschland ansässigen Chemieunternehmen, Geschäfte von Tochterunternehmen im Ausland sind nicht berücksichtigt. "Die negativen Effekte der Coronavirus-Epidemie in China könnten daher für die Unternehmen schwerwiegender als in unserer Betrachtungsweise sein", schränkte Große Entrup ein und warnte, dass die Jahresprognose "unter erheblichem Vorbehalt" stehe. Erst in zwei bis drei Monaten werde man mehr Klarheit haben.

Derzeit geht der VCI davon aus, dass der Umsatz in Deutschlands drittgrößtem Industriezweig nach der Autobranche und dem Maschinenbau bei Preisen auf Vorjahresniveau bei rund 196 Milliarden Euro stagnieren dürfte. Von der Politik seien nun Unterstützungsmaßnahmen gefragt. Kurzarbeit sei in der Chemiebranche aber noch kein "flächendeckendes Phänomen", hieß es vom Bundesarbeitergeberverband BAVC. Bislang gebe es nur Einzelfälle, es würden aber Vorbereitungen getroffen, falls sich die Lage weiter verschlimmere.

BASF-Chef Martin Brudermüller hatte Ende Februar gesagt, das Coronavirus habe das Geschäft zum Jahresanfang vor allem in China belastet. Der Ludwigshafener Konzern erwartet, dass sich die negativen Effekte der Epidemie vor allem im ersten Halbjahr deutlich auswirken werden. Für die weltweite Chemieproduktion rechnet Brudermüller mit dem niedrigsten Wachstum seit der Finanzkrise, auch weil er keine Entspannung bei den Handelskonflikten erwartet. BASF schließt deshalb dieses Jahr einen Ergebnisrückgang nicht aus, hält aber auch noch einen Anstieg für möglich. Der Kölner Spezialchemiekonzern Lanxess geht dagegen bereits von Einbußen wegen der Virus-Krise aus.

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